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Fakt oder Fake? Wie Schüler lernen, Fake News zu erkennen

Fake-News sind zur Zeit in aller Munde. Welchen Nachrichten darf man noch glauben, welche sind erstunken und erlogen? Im Rahmen der Nürnberg WebWeek hat sich das Museum für Kommunikation die Fake News ebenfalls vorgenommen und mit Schülern darüber gesprochen.

Von: Henry Lai

Stand: 20.05.2017

Kinder auf der Nürnberger WebWeek | Bild: BR/Henry Lai

Ein großer Seminarraum, etwas mehr als 25 Schüler sitzen drin und starren auf Handys und Tablets. Einer der Achtklässler ist Dominik. Er hat die Ellbogen auf den Tisch gelehnt. Neben ihm Ahmed. Beide stieren regelrecht auf die Handys - sie lesen einen Artikel aus dem Internet vor.

"Ein Pastor aus Simbabwe wollte wie Jesus übers Wasser laufen. Leider wählte er für seinen Versuch den südafrikanischen Crocodile River aus. Ein Fehler, der katastrophale Folgen für ihn hatte. Also, er wurde wahrscheinlich gefressen."

Dominik

"Voll unglaubwürdig"

Die beiden Jungs und ihre Klassenkameraden sollen nun entscheiden, ob die Geschichte stimmt oder nicht. Überzeugt klingen sie schon mal nicht.

"Schau mal, das ist auch voll unglaubwürdig: Da steht, Krokodil ließ nur Unterhose und Sandalen übrig. Die müsste dann ja zerfetzt sein, die Unterhose."

Schüler

Einige Kinder halten die Geschichte für echt, andere für eine Lüge. Und damit liegen die beiden Schüler der Robert-Bosch-Mittelschule gar nicht mal so falsch. Die Geschichte des gefressenen Möchtegern-Jesus aus Simbabwe ist ein Fake-Artikel, der diese Woche die Runde im Internet gemacht hat. Tatsächlich stammt sie von einer Satire-Seite. Dutzende andere Seiten wie der "Stern" oder die "Daily Post" haben die Story ungeprüft abgeschrieben.

Fake News-Workshop

Damit die Schüler nicht alles glauben, was im Internet steht, haben Susanna Wolf und Katharina Dönch den Jugendlichen diesen Artikel präsentiert. Die beiden Frauen promovieren im Fach Medienethik an der Uni Erlangen und haben den Fake News-Workshop für Schüler konzipiert. Sie wollen ihnen beibringen, die richtigen Fragen zu stellen. Wer hat den Artikel geschrieben? Welche Quellen werden genannt? Sind sie glaubwürdig? So sollen die Kinder Vertrauen in das Mediensystem gewinnen und besser erkennen können, welche Nachrichten wahr und gut recherchiert sind. Dominik glaubt, dass er künftig genauer hinschaut.

"Ja, also ich hab' gelernt, dass man jetzt auch nicht alles im Internet glauben sollte, mehr nachrecherchieren sollte, ob das wirklich so stimmt. Es gibt ja auch mehrere Webseiten, die über ein Thema berichten. Und bis man da die richtige findet, muss man schon ganz schön recherchieren."

Schüler Dominik

So schnell kann man Fake-News produzieren

Zeit für einen Perspektivwechsel: Während die einen lernen, Fake News aufzuspüren, zeigen andere wie leicht es ist, Menschen auf die falsche Fährte zu locken. Deswegen sind es zwei Achtjährige, die bei der Fake News-Night im Museum für Kommunikation quasi von Grund auf eine eigene Fake News-Webseite ins Netz stellen - live vor Publikum.

"Also, wir installieren erst einmal so eine Webseite und stellen dann Fake News in die Webseite. Man kann die dann angucken. Wenn wir fertig sind, dann wollen wir sagen: Schaut mal auf euer Handy, ihr könnt die Seite jetzt anschauen. Am Ende machen wir sie wieder platt, weil man darf ja nicht einfach Fake News ins Internet stellen."

Felix und Maya

Auch wenn man es nicht darf: Felix und Maya tun es trotzdem - natürlich nur zur Vorführungszwecken. Und das geht ziemlich schnell von der Hand: Maya öffnet auf ihrem Laptop ein paar Fenster und gibt einige kryptisch aussehende Codezeilen ein. Die zu lernen ist nicht schwer, sagt sie. Man muss nur Anleitungen lesen können.

Es dauert nicht einmal zehn Minuten, schon steht die Seite. Zugegeben: Wer sich ein bisschen auskennt, sieht, dass die Seite mit dem kostenlosen Blog-Programm Wordpress erstellt wurde. Doch für unbedarfte Laien sieht die Webseite richtig professionell aus. Wenn sie noch mehr Zeit reingesteckt hätten, wäre der Unterschied zwischen wahr und falsch noch schwieriger zu erkennen.


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