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Terror in Istanbul Vermutlich kein gezielter Anschlag auf Deutsche

Nach dem Terroranschlag in Istanbul sind laut dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu fünf weitere Verdächtige festgenommen worden. Gestern hatte ein Selbstmordattentäter zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Alle Opfer sind Deutsche. Nach bisherigen Erkenntnissen war es kein gezielter Anschlag auf Deutsche.

Stand: 13.01.2016

Zunächst war von einem Verdächtigen die Rede, der nach dem Anschlag festgenommen wurde. Später bestätigte Ministerpräsident Davutoglu die Festnahme von vier weiteren mutmaßlichen Terrorhelfern. Am Vormittag war Bundesinnenminister Thomas de Maizière in die Türkei gereist. Bei dem Angriff gestern wurden zehn Deutsche getötet.

"Nach bisherigem Ermittlungsstand liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Istanbul

De Maizière sieht keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzuraten. Allerdings müssten die Hinweise des Auswärtigen Amtes beachtet werden.

Opfer aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Brandenburg und Sachsen

Zwei Eheleute aus Mainz wurden bei dem Attentat am Dienstagvormittag getötet, ebenso ein Mann aus Bad Kreuznach. Seine Ehefrau erlitt schwere Verletzungen. Auch zwei 71 und 73 Jahre alte Eheleute aus Falkensee bei Berlin seien umgekommen, ebenso ein 67 Jahre alter Mann aus Nordhessen. Seine 50-jährige Frau sei verletzt worden, teilte die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden mit. Nach Informationen der dpa wurde bei dem Anschlag auch ein Urlauber aus Berlin getötet.

Insgesamt wurden neun Deutsche verletzt. Der türkische Innenminister Efkan Ala teilte mit, dass zwei davon schwer verwundet sind.

Zwei Bayern verletzt

Zwei Menschen aus Bayern wurden bei dem Anschlag verletzt. Entsprechende Angaben der "Augsburger Allgemeinen" wurden der dpa von Sicherheitskreisen bestätigt. Bei den Verletzten soll es sich um ein Ehepaar aus dem unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg handeln. Nach Angaben der Sicherheitskreise wurde die Frau bei dem Anschlag schwer, der Mann wurde demnach leicht verletzt.

Türkischer Geheimdienst warnte vor Anschlägen

Nach türkischen Medienberichten sollen Geheimdienste schon seit längerem vor Anschlägen der Terrororganisation "Islamischer Staat" auf Touristen in der Türkei gewarnt haben. Die Opfer gehörten zu einer Reisegruppe, die eine Drei-Länder-Tour eines Berliner Unternehmens gebucht hatte. Neun weitere Bundesbürger wurden zum Teil schwer verletzt. Woher die beiden weiteren Toten stammen, ist weiterhin unklar. Unter den Verletzten sollen nach einer Meldung der Agentur Dogan auch ein Norweger und eine Peruanerin sein.

Türkei macht IS verantwortlich

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich gemacht. Nach Erkenntnissen der Polizei wurde der Selbstmordanschlag von einem 28-jährigen Syrer verübt.

In einer kurzen Rede am Abend stellte Merkel den Anschlag in eine Reihe mit den jüngsten Terrorangriffen in Paris, Kopenhagen und Tunis.

"Der internationale Terrorismus wählt die Orte seiner Angriffe unterschiedlich, sein Ziel aber ist immer dasselbe: Es ist unser freies Leben in freien Gesellschaften. Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, sie sind Feinde aller Menschlichkeit - ob in Syrien, in der Türkei, in Frankreich oder in Deutschland."

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Selbstmordanschlag nahe der Blauen Moschee

Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht

Nach dem Terroranschlag in Istanbul hat das Auswärtige Amt seine Reise- und Sicherheitshinweise aktualisiert. Es rät Reisenden in Istanbul dringend, Menschenansammlungen vorläufig zu meiden, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Sehenswürdigkeiten. Und: Reisende sollen sich über die Medien und die offiziellen Reisehinweise weiter auf dem Laufenden halten.

Der Attentäter sprengte sich nach Angaben der türkischen Regierung bei einer deutschen Reisegruppe in die Luft. Diese hatte sich vor dem ägyptischen Obelisken befunden, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Detonation um 10.20 Uhr Ortszeit (9.20 MESZ) war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören. Die beiden weltberühmten Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei.

Der sogenannte Islamische Staat hatte im vergangenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt, sich dabei aber vornehmlich auf kurdische Ziele konzentriert. Der türkische Ministerpräsident Davutoglu kündigte an, der Kampf gegen den IS werde fortgesetzt, bis die Terrormiliz keine Gefahr mehr darstelle.


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