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Exil Kampala Warum Uganda bei Flüchtlingen so beliebt ist

Vor allem unter Flüchtlingen aus dem Kongo und dem Süd-Sudan ist Uganda wegen seiner großzügigen Asylpolitik äußerst beliebt. Eine große Herausfoderung für das arme Land, die die Regierung aber offenbar gut bewältigt.

Von: Achim Nuhr und Henryk Jarczyk

Stand: 06.12.2017

Viele denken bei Uganda immer noch an Idi Amin und an dessen Gräueltaten. Dabei hat sich seit der Flucht des Diktators vor rund 40 Jahren viel geändert in dem Land.

"Wegen einer Kultur der Gastfreundschaft und einer großzügigen Asylpolitik" (UNHCR) leben in der ugandischen Hauptstadt Kampala mittlerweile mindestens 200.000 Flüchtlinge. Sie stammen vor allem aus dem Kongo und dem Süd-Sudan. Die meisten von ihnen wohnen gut verteilt in "normalen" Stadtvierteln. Viele arbeiten an einem der Stände und Produktionsbetriebe auf dem gigantischen Owino-Markt im Zentrum der Hauptstadt Kampala.

Flüchtlinge in Uganda haben viele Rechte

Der Flüchtling Angoji Jeslai bei der Arbeit im CD-Shop

Während Flüchtlinge in Nachbarländern wie Kenia schwere Menschenrechtsverletzungen befürchten müssen, werden ihnen in Uganda viele Rechte gewährt. Die Flüchtlinge dürfen selber frei entscheiden, ob sie in einem Lager versorgt werden oder eigenständig ihr Glück versuchen wollen. Sie können Schulen besuchen, arbeiten oder einen eigenen Betrieb führen. in vielen anderen Ländern Afrikas wird Flüchtlingen das Recht auf Arbeit dauerhaft verweigert.

Armut und Dürre in Uganda - und Flüchtlinge

Slum in Kampala

Uganda belegt auf dem UN-Index der menschlichen Entwicklung gerade mal den 164 von 187 Plätzen. Wie werden die Flüchtlinge behandelt in einem Land in dem noch kürzlich nach einer Dürre rund eine Million eigener Staatsbürger vorübergehend hungern mussten? Der Autor hat eine Familie zu Hause besucht, eine junge Näherin, einen Klein-Unternehmer und einen CD-Verkäufer durch Kampala begleitet.

"Nur wenige Ugander behandeln uns schlecht."

Ein Flüchtling aus dem Kongo

Internationale Hilfsorganisationen wie das UNHCR versuchen, die Integration von Flüchtlingen zu fördern. Das Hilfswerk baut Krankenhäuser und neue Brunnen in den Bezirken Ugandas, die besonders viele Flüchtlinge aufnehmen. Die ugandische Regierung besteht aber darauf, so das UNHCR, dass rund ein Drittel der gesamten internationalen Flüchtlingshilfe den einheimischen Ugandern zu Gute kommt. Damit soll Verteilungskämpfen zwischen Fremden und Einheimischen vorgebeugt werden.

"Produktive Flüchtlingshaushalte"

Die „Universität von Kalifornien“ hat die wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Maßnahmen auf die betroffenen Regionen untersucht. Das Ergebnis war eindeutig: Während in Lagern festgehaltene Flüchtlinge, die nicht  arbeiten dürfen, nur Geld kosten, erwirtschaften einzelne produktive Flüchtlingshaushalte im Schnitt ein Plus von jährlich rund 200 US-Dollar.

Wenig Essen für Flüchtlinge und Einheimische

Es gibt in Uganda auch Flüchtlinge, die nicht genügend Essen bekommen. Allerdings gibt es auch in der Bevölkerung Ugandas viele Menschen, die mit wenig Nahrung auskommen müssen. Vor kurzem kam sogar heraus, dass sich einige Ugander als Flüchtlinge ausgeben, um an Notrationen zu kommen. Nun hat die ugandische Regierung angeordnet, in Notsituationen die ausländischen Flüchtlinge gemeinsam mit den einheimischen Bürgern zu versorgen – damit Flüchtlinge weiter friedlich in Kampala leben können.

Die B5 Reportage

Exil Kampala – Flüchtlinge in der Hauptstadt Ugandas

Reportage am Sonntag, 22.10.2017, 14:35 und 21:35 Uhr, B5 aktuell

Autor: Achim Nuhr
Redaktion: Henryk Jarczyk


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