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Quoten in der EU fallen Die Angst vorm bösen Zucker

Am Sonntag ist es so weit: In der EU fallen Quoten und Mindestpreise für Zucker. Das macht den Zuckerrübenbauern Sorgen, aber auch Verbraucherschützern. Sie fürchten, dass Lebensmittel bald mehr Zucker enthalten - und vor allem: gefährlicheren.

Von: Miriam Stumpfe

Stand: 28.09.2017

Egal ob Limo, Kekse oder Joghurt – süß werden sie längst nicht mehr nur durch den guten alten Haushaltszucker. Häufig steckt Sirup mit anderen Zuckerarten drin: Glukose zum Beispiel, also Traubenzucker; und Fruktose, bekannt als Fruchtzucker; oder einer Mischung von beidem, das nennt sich "Isoglukose". Und die könnte in Lebensmitteln künftig deutlich öfter auftreten.

Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam sagt: Bei der früher unbekannten Isoglukose werden die Zucker aufgespalten in Einzelzucker. Das könne dann zum Beispiel Maissirup sein, der unterschiedliche Anteile an Glukose und Fruktose enthält.

Fruchtzucker für Übergewichtige problematisch

Die klassische Zuckerrübe - wer sie anbaut, ist in Sorge

Dieser Sirup ist preiswerter als Zucker aus der Zuckerrübe - und praktisch zu verarbeiten. Er wird aus Mais oder Weizen hergestellt und hat vor allem in den USA seinen Siegeszug angetreten. Weil manche Sirupmischungen einen besonders hohen Fruktoseanteil haben können, stehen sie dort in der Kritik. Denn man weiß: Fruchtzucker ist für Menschen mit Übergewicht besonders problematisch. Er fördert Gicht und kann die Leber schädigen.

Andreas Pfeiffer erläutert: "Fruktose kann nicht direkt im Stoffwechsel verarbeitet werden, sondern erst von der Leber. Die hohe Fruktoseaufnahme ist am stärksten mit Fettleber verknüpft und das sieht man ganz besonders deutlich bei Kindern."

Eine Frage des Fruchtzuckeranteils

Müssen wir in Zukunft auch in Deutschland Angst vor "besonders bösem Zucker" haben? Klar ist: Die Lebensmittelindustrie wird beim derzeitigen Weltmarktpreis öfter auf Isoglukose-Sirup zurückgreifen. So prognostiziert es eine Studie für das deutsche Landwirtschaftsministerium.

Geht es dabei um Sirup, bei dem Fruchtzucker nicht mehr als die Hälfte ausmacht, ist er kaum bedenklicher als normaler Zucker. Oft ist das bei Keksen oder Joghurts der Fall. Aber wie viel Fruktose genau darinsteckt, wird nicht ausgewiesen, moniert Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern: Es sei für Verbraucher schwierig zu erkennen, wie hoch der Fruktoseanteil der eingesetzten Sirups ist - es gibt Anteile von 40 bis 90 Prozent; da kann man laut Krehl als Verbraucher kaum sehen, wie hoch der Anteil der Fruktose tatsächlich ist.

Zucker dürfte billiger werden

Größere Sorgen macht Daniela Krehl allerdings, dass mit dem Wegfall der Quoten die Zuckerpreise allgemein nachlassen. Denn, so erstaunlich es klingt: Zucker ist auch Füllstoff. Wenn die Preise sinken, ist es für Hersteller attraktiv, den Zuckeranteil zu erhöhen, zum Beispiel in Joghurts, wo Säuren dafür sorgen, dass die Süße des Zuckers überdeckt wird.

"Das ist die Gefahr: Dass genau in solchen Lebensmitteln, wo der Zucker gar nicht so stark die Süßkraft hervorruft, dann Zucker verstärkt eingesetzt wird. Weil es einfach günstiger ist als der Rohstoff Milch."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

In Zukunft also gilt noch mehr als bisher: genau aufs Etikett schauen. Wie viel Zucker steckt drin? Und wenn "Fruktose-Glukose-Sirup" dabeisteht, muss man wissen: Als Zutat für eine kleine Süßigkeit ist das Okay. Aber für Menschen, die ohnehin aufpassen müssen, kann dahinter eine besonders ungünstige Mischung stecken. Ganz besonders die Menschen mit Übergewicht, die Fettstoffwechselstörungen haben, die profitieren Krehl zufolge sogar. Wenn sie vorsichtig sind.


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Rentnerin Maria , Freitag, 29.September, 13:44 Uhr

2. Ist der Zucker-Zusatz in fertigen und halbfertigen Lebensmitteln Pflicht?

Für ein sozialverträgliches Ableben? Zur Entlasung der Rentenversicherung?

  • Antwort von IH, Freitag, 29.September, 14:34 Uhr

    Nein, ebensowenig der Verzehr von fertigen/halbfertigen Lebensmitteln.

Selim, Freitag, 29.September, 12:01 Uhr

1. der Mensch als Verbaucher

Irgendwie hinkt der Menschenschutz immer dem Schutz der Industrie, des Marktes und der "globalen Marktwirtschaft"
hinterher.
Es ist halt doch nicht so, dass es den Menschen gut geht, wenn es der Industrie gut geht.
Aber das wissen wir doch eh schon lange.
Deshalb brauchen wir einen starken Verbraucherschutz.