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Wahl in Frankreich Das Ende der EU?

Am Sonntag wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Und es wird wohl eine Stichwahl am 7. Mai geben. Die Wahl ist ein Test für die EU und ihre Gegner. Entsprechend nervös sind die EU-Abgeordneten.

Von: Karin Bensch

Stand: 20.04.2017

Die Fahnen Frankreichs und der EU | Bild: pa/dpa

Evelyne Gebhardt macht sich Sorgen. Sorgen über die Zukunft ihres Heimatlandes. Die 63-jährige Französin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, und neben dem französischen auch einen deutschen Pass hat, ist SPD-Abgeordnete im Europaparlament.

"Mit großer Sorge, weil ich sehe, dass tatsächlich solche Leute, die gegen Europa, gegen das Zusammensein sind, durchaus vorne dran kommen."

Evelyn Gebhardt, Abgeordnete im Europa-Parlament

Zu den Leuten, die gegen Europa sind und gute Chancen bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl haben, gehören Jean-Luc Mélenchon, der Gründer der Linkspartei in Frankreich, und die rechtsextreme Marine Le Pen. Die Wahl von Le Pen wäre eine Katastrophe für Frankreich und für die Europäische Union, sagt Evelyne Gebhardt.

"Frankreich ist ja einer der Gründerstaaten der Europäischen Union und Frau Le Pen will ja nicht nur Frankreich aus dem Euro herausführen, sondern hat auch angekündigt, dass sie innerhalb eines halben Jahres ein Referendum auf den Weg bringen würde, um Frankreich aus der EU herauszuholen."

Evelyn Gebhardt, Abgeordnete im Europa-Parlament

Es sei schwer vorstellbar, dass Frankreich als einer der großen und wichtigen Kernstaaten auf dem europäischen Festland die EU verließe. Das wäre wohl das Ende von Europa, wie wir sie bislang kennen. Le Pen als neue französische Präsidentin, das ist ein völlig absurdes Szenario, das so nicht stattfinden wird, meint die liberale Europaabgeordnete Sylvie Goulard aus Frankreich. Marine Le Pen ist relativ stark, hat aber in den vergangenen Wochen viele Stimmen verloren, sagt Goulard am Telefon.

"Deswegen sollten wir aufhören, diesen Leuten, die überhaupt nichts Konkretes anbieten und auch nichts realistisches für unsere Wirtschaft und unsere Zukunft anbieten, soviel Aufmerksamkeit zu geben."

Sylvie Goulard, Abgeordnete im Europa-Parlament

Die liberale Französin unterstützt den aussichtsreichsten Kandidaten der Mitte: Emmanuel Macron, europafreundlich und mit 39 Jahren der jüngste Präsidentschaftsbewerber. Macron ist der beste Kandidat für Frankreich und Europa, meint Sylvie Goulard.

"Wir haben jetzt den Beweis, dass die alten Parteien gescheitert sind und deswegen brauchen wir dringend diese Erneuerung. Und es ist auch eine Frage des Generationswechsels."

Sylvie Goulard, Abgeordnete im Europa-Parlament

Die beiden französischen Politikerinnen Sylvie Goulard und Evelyne Gebhardt wollen am Sonntag wählen gehen. Wer kommt ihrer Ansicht nach in der ersten Wahlrunde weiter?

"Ich wette nie, aber ich fürchte, dass Frau Le Pen die meisten Stimmen bekommen wird jetzt im ersten Wahlgang. Die Frage ist, wer der Herausforderer sein wird. Und da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es Herr Macron wird."

Evelyne Gebhardt


Le Pen gegen Macron – so könnten die Namen für die Stichwahl lauten. Die findet allerdings erst zwei Wochen später statt, am 7. Mai. Erst dann wird klar sein, wer der neue Präsident oder die neue Präsidentin von Frankreich sein wird. Erst dann wird die EU den Atem anhalten oder aufatmen.

 


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