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Weniger Flüchtlinge in Bayern Notquartiere werden wieder zu Turnhallen

Wochenlang war die Balkanroute kaum mehr passierbar, seit einigen Tagen ist sie faktisch dicht. Für Bayern bedeutet das: Es kommen immer weniger Flüchtlinge an. Und es braucht weniger Unterkünfte zur Erstaufnahme - vorerst.

Von: Eva Böck

Stand: 11.03.2016

Turnhalle wird für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. | Bild: picture-alliance/dpa/Daniel Naupold

Mitte letzten Jahres war der Druck besonders groß: Immer mehr Flüchtlinge kamen in Deutschland an, immer mehr Gemeinden, auch in Bayern, mussten auf die Schnelle Unterkünfte bereitstellen. Oft waren es Turnhallen, die zu Not-Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge umfunktioniert wurden.

Weniger Not-Unterkünfte im Freistaat

Mittlerweile hat sich die Lage geändert. Beispiel Penzberg in Oberbayern: Seit dem 23. Juni 2015 diente eine Sporthalle am Josef-Boos-Platz als Not-Erstaufnahmestelle. Dort wurden Asylbewerber erfasst und untersucht, bevor sie in reguläre Unterkünfte wechseln konnten. Als Außenstelle der Münchner Bayernkaserne sollte die Erstaufnahme-Einrichtung eigentlich bis Ende des Schuljahres bestehen bleiben, also bis Ende Juli. Weil seit Wochen aber weniger Menschen kommen als erwartet, wird das Lager jetzt geschlossen - und mit ihm noch etliche andere im Freistaat.

Erstaufnahmeeinrichtung

So nennt man die ersten offiziellen Anlaufstellen und Unterkünfte für Flüchtlinge. In den Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Menschen registriert, außerdem können sie dort einen Antrag auf Asyl stellen. In der Regel verbringen die Menschen mehrere Monate in der Erstaufnahme, bis sie nach einer Quotenregelung einer kreisfreien Stadt oder einem Landkreis zugewiesen werden - in eine reguläre Flüchtlingsunterkunft.

Christoph Hillenbrand, Regierungspräsident von Oberbayern

Das Beispiel Penzberg ist eines von vielen in Oberbayern. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand teilte dem BR mit, man werde im März fast alle Not-Erstaufnahmestellen schließen - bis auf vier, die erstmal bleiben sollen: der General-Abrams-Komplex in Garmisch-Partenkirchen, die Lassigny-Kaserne in Neuburg an der Donau, die Einrichtung an der Trabrennbahn in Pfaffenhofen und die Einrichtung in Dornach im Landkreis München. Allerdings: Sollte die Zahl der Flüchtlinge wieder steigen, dann müssten die Kapazitäten wieder hochgefahren werden, und zwar schnell - innerhalb von 36 bis 48 Stunden.

Schließung oft nur vorübergehend

Wenn Notquartiere geschlossen werden, dann vor allem solche in Turnhallen. Immerhin haben Schulbetrieb und Breitensport eine besondere Bedeutung in den Kommunen. Von einer Schließung auf Dauer kann aber wohl nicht die Rede sein. Und etliche Notquartiere, wie zum Beispiel ein ehemaliger Supermarkt in Velden im Landkreis Landshut, werden ohnehin nur vorübergehend geschlossen, um von Grund auf gereinigt oder renoviert zu werden.

Beispiele aus den Regierungsbezirken

Oberbayern

Von zwischenzeitlich über 20 Notaufnahmestellen gibt es derzeit nur noch vier. Insgesamt gibt es in Oberbayern gut 8.000 Erstaufnahmeplätze, knapp 3.000 sind zur Zeit belegt. Allerdings ist die Regierung darauf vorbereitet, dass der Andrang wieder größer wird. Dann dürften auch wieder mehr Turnhallen als Notunterkünfte herangezogen werden.

Schwaben

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth mit ihren Außenstellen hat rund 2.800 Plätze zur Verfügung. Derzeit ist sie nur mäßig ausgelastet - wegen der sinkenden Zahl an Neuankömmlingen. Trotzdem denkt man in Schwaben gerade nicht an Schließungen, der Betrieb wird vorsorglich aufrechterhalten.

Oberpfalz

In der Oberpfalz sind binnen zwei Monaten zwei Notunterkünfte (nämlich in Regensburg) geschlossen worden. Die Behörden wollen aber erst die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen abwarten, bevor weitere Einrichtungen zugemacht werden. Insgesamt sind in der Oberpfalz gerade 1.800 Asylbewerber in Erstaufnahmelagern untergebracht.

Oberfranken

Die Zahl der Flüchtlinge in Oberfranken ist stark gesunken: Von den gut 2.000 Erstaufnahmeplätzen sind zur Zeit nur gut 500 belegt. Deshalb dürften in nächster Zeit einige Notunterkünfte geschlossen werden - wie bereits geschehen bei der umfunktionierten Turnhalle in Kronach.

Unterfranken

In Unterfranken leben zur Zeit knapp 2.800 Flüchtlinge in der Erstaufnahme. Die Einrichtung in Schweinfurt ist gerade etwa zur Hälfte ausgelastet. Da mittelfristig aber mit mehr Flüchtlingen gerechnet wird, ist eher eine Erweiterung geplant als ein Zurückfahren der Kapazitäten.


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