7

Erdogan attackiert Merkel "Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vorgeworfen. "Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an", sagte Erdogan in Istanbul an Merkel gerichtet.

Von: Claudia Steiner

Stand: 19.03.2017

Der türkische Präsident Erdogan  | Bild: picture-alliance/dpa/AA/ABACA

Konkret sagte Erdogan:

"Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister-Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen."

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Mit Blick auf Europa sagte Erdogan, dort könnten "Gaskammern und Sammellager" wieder zum Thema gemacht werden, aber "das trauen sie sich nur nicht". Offen ließ Erdogan, wen er mit "sie" genau meinte.

Scharfe Kritik aus der CDU

Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner reagierte entsetzt auf die neuen Ausfälle gegen Merkel.

"Ist Herr Erdogan überhaupt noch ganz bei Sinnen?"

CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner

Auf die Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker reagiert die türkische Regierung seit Wochen mit immer schärferen Ausfällen. Die Türken stimmen am 16. April über die Einführung eines Präsidialsystems ab, das Erdogans Machtbefugnisse nach Ansicht von Kritikern sehr stark ausweiten würde. Die türkische Opposition und Menschenrechtsgruppen kritisieren den Schritt. Eine Mehrheit für Erdogan gilt nicht als sicher, deshalb ziehen Minister und Abgeordnete der AKP-Partei derzeit durch europäische Städte, um bei Türken für ein "Evet" (Ja) zu werben.

Die Bundesregierung hat bisher zurückhaltend auf die Verbalattacken aus Ankara reagiert. Klöckner rief die in Deutschland lebenden Türken nun aber auf, sich öffentlich zu wehren.

"Denn Ihnen wird somit auch unterstellt, sie würden als in Deutschland lebende Bürger nichts gegen Nazi-Methoden haben."

CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner

Die CDU-Politikerin sprach sich dafür aus, Erdogan politischen Wahlkampf in Deutschland zu verbieten.

Schulz warnt vor Hetze

Noch vor den neuen Ausfällen Erdogans warnte SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz den türkischen Präsidenten davor, Menschen in Deutschland durch Nazi-Vergleiche gegeneinander aufzuhetzen.

"Deshalb muss man auch Herrn Erdogan mit klaren Worten sagen, dass das so nicht geht."

SPD-Chef Martin Schulz in seiner Parteitagsrede in Berlin

Indirekt kritisierte Schulz das Agieren von Kanzlerin Merkel (CDU). Ein deutscher Kanzler könne durchaus - bei allen notwendigen diplomatischen Gepflogenheiten - in so gewichtigen Fragen eine klare Position einnehmen - wie Gerhard Schröder es mit seinem Nein zum Irak-Krieg getan habe, so Schulz.

Streit um Drehtzieher des Putschversuches

Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik wies unterdessen in scharfer Form die vom BND geäußerten Zweifel an den Hintergründen des Putschversuchs in der Türkei vom vergangenen Juli zurück. Wenn der Chef des deutschen Geheimdienstes (BND) Zweifel daran äußere, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Putschversuch stecke, werfe dies die Frage auf, „ob nicht der deutsche Geheimdienst hinter diesem Putsch steckt“, sagte Isik dem Sender Kanal 7 nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

BND-Chef Bruno Kahl hatte im "Spiegel" die türkische Darstellung angezweifelt, die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen sei für den Putschversuch verantwortlich. Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin wertete dies als weiteren Hinweis darauf, dass Deutschland die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen "unterstütze".

Türkei kritisiert "Doppelmoral"

Kalin bezichtigte Deutschland auch der Unterstützung von Terroristen, weil am Samstag Zehntausende Kurden in Frankfurt gegen die türkische Regierung demonstrieren durften. Bei der Kundgebung, die sich unter anderem gegen das Verfassungsreferendum richtete, waren auch verbotene Porträts des Anführers der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, Abdullah Öcalan, mitgeführt worden. Es zeuge von Doppelmoral, wenn auf der Kundgebung Symbole der verbotenen PKK gezeigt werden könnten, während zugleich türkische Minister daran gehindert würden, in Deutschland Wahlkampf zu betreiben. Die Polizei in Frankfurt kündigte unterdessen rechtliche Schritte gegen die Träger von Öcalan-Porträts an.


7

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Blechmann13, Montag, 20.März, 08:39 Uhr

14. Ich bezweifle, das Hr. Erdogan

überhaupt weiß, was ein "echter Nazi" ist, denn dann würde er sich garantiert nicht so weit aus dem Fenster lehnen...

Allein daran sieht man, mit welchem Mitteln dieser Mann kämpft, um auch noch die letzte türkische Stimme zu holen, um sein neues "Reich" mit Zustimmung seiner Bürger zu etablieren...das hat Hitler 1933 ebenso praktiziert.
Die "Bedrohung von außen" war schon immer ein adäquates Mittel, um die eigene Bevölkerung auf einen Kurs einzuschwören, mit dem dann fast alles gerechtfertig wird, incl. Folter und Massenhinrichtungen.

Übrigens...laut türkischer Verfassung sind Auslandsauftritte türkischer Politiker gar nicht erlaubt...
https://www.welt.de/print/welt_kompakt/article162725233/Tuerkisches-Gesetz-verbietet-Wahlkampf-im-Ausland.html

mfg.


Ausländer, Sonntag, 19.März, 22:51 Uhr

13. Die paar Wahlveranstaltungen muß doch das Land aushalten können.

Der beliebte President Erdogan will in Deutschland seine Staatsbürger besuchen und sie um Unterstützung bei der geplanten Wahl bitten. Er könnte jederzeit die Karriere von Frau Merkel mit einer Million Flüchtlingen beenden. Die Türkei hat viele gebrauchte ausgediente rostige Fischerboote, Contaunerschiffe und Tanker, die man jederzeit den Flüchtlingen schenken könnte. Die NATO-Mitgliedschaft könnte mit einem Putin-Pakt ersetzt werden. Der President Erdogan bezahlt sich sein Hotel selbst und fährt bald wieder nach Hause. Flüchtlinge sind teuer und bleiben in Deutschland als Sozialfälle für immer. Und es kommen immer neue!

  • Antwort von Türke ?, Sonntag, 19.März, 23:08 Uhr

    Je später der Abend ...
    Sind sie wirklich Ausländer oder wollen sie nur Stimmung machen ?
    Behalten sie ihren Erdowahn, für die Flüchtlinge zahlt die EU genügend Geld.
    Ansonsten hört sich ihr Kommentar nach Erpressung an.
    Wenn sie Türke sind, dann fliegen sie zu ihren Wahlveranstaltungen in die Türkei.
    Hetze haben wir hier schon mehr als genug.
    Sie können sich aber gerne in unserem demokratischen Land politisch engagieren.
    Aber im Rahmen unseres Grundgesetzes.

  • Antwort von Alois Hingerl , Sonntag, 19.März, 23:23 Uhr

    Und wir haben in der NATO noch viele Torpedos übrig

  • Antwort von R.B., Montag, 20.März, 12:31 Uhr

    @Ausländer, 22:51 Uhr: Wäre es ein einmaliger "Ausrutscher" des türkischen Präsidenten gewesen, dann könnte man mit etwas guten Willen darüber wegsehen, weil man "IHN" ja kennt. Aber die Art und Weise wie sich der türkische Staatspräsident aktuell geriert, ist nicht nur diplomatisch, sondern auch charakterlich nicht akzeptabel. Es geht mittlerweile nur um das Prinzip, dass gewisse "gesellschaftliche Normen" eingehalten werden müssen. In einem früheren Kommentar hatte ich es schon mal geschrieben, dass das Verhalten der türkischen Regierung und im Fall des Aufziehens der türkischen Flagge in der niederländischen Botschaft eher den Ländern gleicht, die man gemeinhin als Kriegs- oder Krisengebiete bezeichnet. Die bisher fehlende Entschuldigung, dass nennt man "Anstand", für diesen Vorfall blieb die TUR Regierung bis dato schuldig. Im Gegenteil, die "Eskapaden" von Hr. Erdogan wird täglich skurriler. Die Angst, dass Referendum evtl. doch zu verlieren muss schon sehr groß sein.

Jamin, Sonntag, 19.März, 22:44 Uhr

12. Die einfachste Lösung des Streits zwischen D und TR.

Die einfachste Lösung des Streits zwischen D und TR ist die Gleichberechtigung. Herr Erdogan wirbt in Deutschand um seine Wähler und Frau Angela Merkel wirbt in der Türkei um ihre Wähler.

Horst, Sonntag, 19.März, 21:05 Uhr

11. Das Schimpfwort "Nazi" ist durch die ständige Verwendung schon wirkungslos.

Die fleißigsten linken Kommentatschreiber (wie z.B. Leonia oder Truderinger u.a.) verwende die "Nazikeule" gegen jeden, der andere Meinung hat.

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 19.März, 21:25 Uhr

    Nein, nicht gegen jeden, nur gegen diejenigen, denen nichts anderes zu ihrer Verteidigung anbringen können als Nazikeulen-Gewinsel und nicht erklären können oder wollen, was sie von Nazis unterscheidet. Und gegen die, die in mir einen Linken sehen wollen. Denn wenn man das tut, kann man nur noch ein Nazi sein!

  • Antwort von Linke, Sonntag, 19.März, 21:34 Uhr

    @ Ja Truderinger, wenn sie ein Linker sind, was bin dann ich ?
    Bisher war ich eine Linke, aber wenn ein CSUler schon Linker ist, dann
    falle ich wahrscheinlich irgendwo links hinunter ?!
    Da muss ich doch jetzt mal nachdenken :-)!

    Noch etwas zum Horst: Wer sind denn die fleißigstens rechten Kommentarschreiber ?
    Ich bin immer für Ausgewogenheit.

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 19.März, 21:50 Uhr

    Ja mei, Linke, das ist halt immer eine Frage der Perspektive. Wenn man am rechten Rand steht, erscheint halt alles links! Im Übrigen sind mir als CSUler gemäßigte Linke tausendmal lieber als extreme Rechte wie Horst!

  • Antwort von Online, Sonntag, 19.März, 21:52 Uhr

    @ Horst
    Wann hat eine Leonia die Nazikeule geschwungen ?

    Wenn sie hier nur einen Satz zusammenbringen,
    empfehle ich ihnen, die Kommentare von Leonia genau zu lesen.

    Wenn Leonia etwas kann, ist es gut zu formulieren, ihr umfangreiches Allgemeinwissen
    einzubringen und komplexe Sachverhalte gut darzustellen.
    Das bewundere ich ! Aus ihnen spricht nur der Neid, ich finde es auch unverschämt
    solche Vorwürfe zu erheben, wenn der User momentan gar nicht postet.

  • Antwort von Onkel, Sonntag, 19.März, 23:22 Uhr

    "Horst" volle Zustimmung. Die Nazikeule muss heute für alles herhalten. Jede andere Meinung als die vorgegebene politisch korrekte ist rechts , oder zumindest verdächtigt.

  • Antwort von Online, Montag, 20.März, 09:34 Uhr

    Onkel, sie legen doch Wert darauf, rechts zu stehen.
    Warum beschweren sie sich dann ?

Onkel, Sonntag, 19.März, 21:03 Uhr

10. Erdogan

Schlimm was sich dieser Herr Erdogan erlaubt. Entweder hat er keine Ahnung von der Geschichte und weiß nicht was Nazis angerichtet haben, oder er will bewusst provozieren. Auf jeden Fall spürt Merkel nun am eigenen Leib wie es ist wenn man schuldlos als Nazi bezeichnet wird. Diese Frau u.a. schwingt ja selbst gern die Nazis gegen unbescholtene Bürger. Kommt halt im leben alles zurück.

  • Antwort von Verständnislose, Sonntag, 19.März, 21:28 Uhr

    Haben sie nicht gerade bei dem Memminger Bürgermeister geschrieben, dass sie statt
    SPD jetzt nur noch AFD wählen, zwecks der Demokratie ?

    Welche Frau schwingt jetzt Nazis gegen unbescholtene Bürger ?
    Soll man ihre Kommentare verstehen ?
    Welche Voraussetzung brauche ich dazu ?

  • Antwort von Onkel, Sonntag, 19.März, 21:53 Uhr

    Mein Gott, ich meinte natürlich nicht Nazis,sondern sie schwingt die Nazikeule gegen jeden der nicht der aktuellen Mainstream Meinung folgt. Sie ist ja auch weltweit immer mehr isoliert.

  • Antwort von Verständnislose, Sonntag, 19.März, 22:15 Uhr

    Das ist mir neu. Von Frau Dr Merkel habe ich noch gehört, dass sie jemand als
    Nazi tituliert hat.
    Das läuft doch genau andersrum.
    Was heisst, sie ist weltweit isoliert ?
    Bloß weil ein Trump, Amerika first in der Gegend rumposaunt ?!
    Da ist ja wohl Trump nicht ganz zurechnungsfähig.

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 19.März, 22:20 Uhr

    @Böser Onkel: Weder ist Merkel isoliert, noch hat sie jemals die Nazikeule geschwungen. Nicht einmal gegen diejenigen, die es verdient haben! Sie lügen!

  • Antwort von Verständnislose, Sonntag, 19.März, 22:39 Uhr

    @ Onkel
    Berichtigung
    Von Frau Dr. Merkel habe ich noch NIE .......

    @Truderinger
    100 % Zustimmung