43

Syrische Beobachtungsstelle IS-Massaker im Osten von Syrien

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat in Ostsyrien offenbar ein Massaker angerichtet und viele Hundert Menschen getötet oder entführt. Die Dschihadisten überrannten einen Vorort der Stadt Dair as-Saur, die teils von Regierungstruppen kontrolliert wird.

Stand: 17.01.2016

Kämpfer aus IS-Video angeblich nach der Besetzung einer Militärbasis der syrischen Armee | Bild: picture-alliance/dpa

Die Dschihadisten verschleppten 400 Zivilisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zum Sonntag mitteilte. Nach syrischen Angaben wurden zudem mehr als 300 Zivilisten massakriert. Die Menschenrechtler sprachen von 85 getöteten Einwohnern. Während der Gefechte in dem Dorf Al-Bagalija seien außerdem 50 Mann aufseiten der Regierungstruppen sowie 42 IS-Mitglieder getötet worden. Bei Luftschlägen in der Stadt Al-Rakka wurden Dutzende weitere Unbeteiligte getötet. Die meisten Verschleppten in Al-Bagalija sollen Familienangehörige regimetreuer Kämpfer sein.

"Wir befürchten, dass die 400 unter dem Vorwand, dass sie loyal zum Regime stünden, hingerichtet oder versklavt werden."

Rami Abdel-Rahman, Leiter der Menschenrechtsbeobachter

Die Verschleppten wurden Berichten der Menschenrechtler zufolge in den Westen der Provinz sowie in Richtung der inoffiziellen Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats, Al-Rakka, etwa 125 Kilometer nordwestlich gebracht.

"Zeit, den Bürgerkrieg zu beenden"

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach mit Blick auf die Berichte von einem neuen Ausmaß der Gewalt in Syrien. "Wenn sie bestätigt werden, machen solche schrecklichen Taten noch einmal deutlich, dass es endlich an der Zeit ist, den Bürgerkrieg zu beenden." Alle Kräfte innerhalb und außerhalb Syriens müssten sich zusammentun, um die Gefahr zu beseitigen, die vom Islamischen Staat ausgehe, forderte sie.

Dair as-Saur - vom IS belagert

Dair as-Saur und die gleichnamige syrische Provinz stehen mit Ausnahme einiger Gebiete unter Kontrolle des Islamischen Staates. Die Belagerung der Enklave am Euphrat begann vor etwa einem Jahr. Aktivisten zufolge schickte die Regierung Verstärkung, um das verlorene Dorf im Norden Dair as-Saurs zurückzuerobern. Nach Berichten über die Zustände in dem Gebiet hatte ein russisches Transportflugzeug zuletzt 22 Tonnen Lebensmittel und Medizin über Dair as-Saur abgeworfen. Bürgerrechtlern zufolge sind dort mindestens 250.000 Menschen eingeschlossen. Der IS verhindert demnach, dass Nahrung und Arzneien auf dem Landweg in die Stadt gebracht werden können.

Die blutige Bilanz des IS in Syrien

In den vergangenen eineinhalb Jahren tötete der Islamische Staat in Syrien, den Menschenrechtlern zufolge, insgesamt mehr als 3.700 Zivilisten und über 1.000 Regimekämpfer. Bei Luftangriffen auf Al-Rakka starben mindestens 40 Zivilisten. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte, wurden bei den Bombardements am Wochenende Läden und Restaurants in der Stadt getroffen. Es war zunächst unklar, aus welchem Land die angreifenden Kampfflugzeuge stammten. Neben einer US-geführten Koalition bombardieren russische und syrische Maschinen IS-Stellungen in dem Bürgerkriegsland. Großbritannien forderte Russland angesichts der Hungerkatastrophe im westsyrischen Madaja zum Handeln auf.


43