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Pilot-Projekt der TUM High-Tech-Haus als Tankstelle fürs E-Auto

Noch vor zehn Jahren gab es für Hausbesitzer mit Photovoltaik-Anlage nur ein Ziel: Vollständige Einspeisung ins öffentliche Stromnetz, um die gesetzlich garantierte, lukrative Einspeisevergütung zu bekommen. Mittlerweile lohnt sich das nicht mehr. Wie also selbsterzeugten Strom besser nutzen? Die TU München begleitet ein Pilot-Projekt.

Von: Vera Cornette

Stand: 26.12.2015

Von außen sieht es aus wie ein beliebiger Neubau in einer Wohnsiedlung. Innendrin steckt das Haus voller Technik. An den Fenstern und an den Wänden sind Thermometer, so gut wie alle Haushaltsgeräte sind vernetzt und in einem eigenen Technikraum blinkt und leuchtet es in einem Serverschrank.

Die TU München erhebt sämtliche Daten und misst quasi jede Regung, die in dem Haus geschieht. Vor einem Jahr ist Franz Hagn mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern eingezogen. Sie sind "Versuchskaninchen".

Pilotprojekt der TU München

Das Haus ist ein so genanntes Energie-Plus-Haus, das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Das jedenfalls hofft Claudia Hemmerle von der TU München, die Projektleiterin:

"Bis zum Schluss, bis zum Ende des Jahres, ist es spannend, ob wir über die Solarzellen mehr Energie gewinnen können, als verbrauchen."

Claudia Hemmerle, TU München

Der Gesamtverbrauch des Hauses liegt mit 6.600 Kilowattstunden tatsächlich unter der erzeugten Energie.

Und erste Hochrechnungen legen das nahe: Der Gesamtverbrauch des Hauses - also Haushaltsstrom und Heizung plus Warmwasser - liegt mit 6.600 Kilowattstunden tatsächlich unter der erzeugten Energie. Die bemisst sich auf rund 6.900 Kilowattstunden. In den Sommermonaten kommt es immer wieder zu Stromüberschüssen. Die sollen aber möglichst nicht ins öffentliche System eingespeist, sondern genutzt werden.

Elektro-Auto als weiterer Stromspeicher

Bis zu zehn Kilowattstunden können für einen kurzen Zeitraum von etwas über einem Tag in einer Art Akku im Technikraum des Hauses gespeichert werden. Als zusätzlicher Stromspeicher dient das Elektro-Auto: Das Haus wird dabei zur Tankstelle, indem es überschüssigen Strom - insbesondere aus erneuerbaren Energien - an das Elektro-Auto weitergibt. Für Franz Hagn, der im Sommer das Test-Haus verlassen muss, sind das Energie-Management im Haus und das Verschmelzen mit dem E-Auto absolut zukunftsfähig.

"Ich finde, dass es sich hier sehr angenehm wohnt. Das Klima im Haus ist sehr gut und die Stromsparpotentiale sind interessant."

Franz Hagn, Testbewohner

Natürlich kommt auch das Energie-Plus-Haus gerade im Winter nicht völlig ohne Zukäufe aus. Aber man versucht sie eben möglichst gering zu halten.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.


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Reiner S, Sonntag, 27.Dezember, 07:07 Uhr

1. Hightech Haus

Hallo Vera, sollte in dem Artikel nicht wenigstens etwas zu den Kosten stehen? MfG reiner

  • Antwort von Vera , Sonntag, 27.Dezember, 10:47 Uhr

    Hallo Reiner, danke für Ihr Interesse an dem Thema - das ist ein wenig diffizil, da die Familie dort als Testfamilie wohnt und das Haus in der Erprobung steckt. Das Haus würde wohl etwa 400.000 Euro kosten, ist aber derzeit in der Pilotphase.