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Elektro-Autos Peinliche Zwischenbilanz

Eine Million Elektroautos will Bundeskanzlerin Angela Merkel bis 2020 auf deutsche Straßen bringen. Dass sie das schafft, ist sehr unwahrscheinlich. Am Abend redet sie im Kanzleramt mit Automanagern über Elektroautos.

Von: Christian Sachsinger

Stand: 02.02.2016

ARCHIV - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 12.09.2013 in Frankfurt am Main (Hessen) während der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung | Bild: picture-alliance/dpa

Für die Grünen im Bundestag sind E-Autos kein Selbstzweck, sondern vielmehr ein Mittel das man gezielt einsetzen muss, um tatsächlich ökologisch etwas zu bewirken. Da die Herstellung vor allem der Batterien die Umwelt stark belastet, ist die Ökobilanz erst einmal nicht berauschend. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist aber überzeugt davon, dass Elektroautos durchaus umweltfreundlich sein können.

"Wenn ich ein Elektroauto mit Braunkohlestrom betreibe, dann ist die Ökobilanz keine gute. Aber man kann ein Elektroauto mit erneuerbaren Energien betreiben und man kann ein Dieselauto nur sehr schwer mit erneuerbaren Energien betreiben."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter

Saubere Luft ist das eine. Das andere, was viele deutsche Politiker derzeit aber noch mehr umtreibt, ist die Angst, dass Deutschland eine technologische Entwicklung verpassen könnte. Wirtschaftsminister Gabriel blickt dabei vor allem auf die gesamte Wertschöpfungskette. Bei Batterien forderte er eine Produktion in Deutschland. Die Batterien dürften nicht nur aus Südostasien oder China zugekauft werden. Die deutsche Branche müsse "die gesamte industrielle Wertschöpfungskette beherrschen", so Gabriel. Auch Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer warnt: 

"Wir sollten nicht erst auf diese strukturellen Veränderungen weltweit reagieren, wenn in Deutschland die Arbeitsplätze abgebaut werden."

CSU-Chef Horst Seehofer 

Klar scheint, die weltweite Autoindustrie bewegt sich hin zu elektronischen und autonomen Fahrzeugen und die deutschen Hersteller sind hier nicht unbedingt die Vorreiter. Deshalb hat sich die Bundeskanzlerin des Themas jetzt wieder höchstpersönlich angenommen und lädt Automanager heute zu sich ins Kanzleramt. Unangenehm für Merkel, dass die angepeilte eine Million Elektroautos bis 2020 in weiter Ferne ist … auch wenn Verkehrsminister Dobrinth die Marke weiterhin verteidigt:

"Ich glaube übrigens, dass wir dieses Ziel erreichen können. Wer mit unmotivierten Zielen an seine Arbeit ran geht, wird wohl auch nicht erfolgreich sein können."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt

Aber kann ein Ziel überhaupt motiviert sein , oder sollte die Motivation nicht viel eher von den Politiker kommen? Kabinettskollege und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wirkte bis vor kurzem jedenfalls nicht sonderlich ambitioniert.

"Das Ziel eine Million Fahrzeuge 2020 mit der bisherigen Entwicklung erreichen zu wollen ist, wie soll ich das sagen, sehr ambitioniert."

Sigmar Gabriel

Sehr euphemistisch angesichts von gerade mal gut 100.000 Wagen mit Elektro- oder Hybridantrieb auf deutschen Straßen.

Eine Prämie für diejenigen, die Elektroautos kaufen

Viele Käufer fänden diese Autos wohl durchaus interessant, aber die Reichweite ist zu kurz, das Netz der Ladestationen nicht dicht genug und vor allem der Kaufpreis zu hoch. Letzteres soll nun durch eine Kaufprämie geändert werden. Obwohl es die laut Koalitionsvertrag von Union und SPD eigentlich gar nicht geben dürfte. Aber was soll eine Abmachung wenn sie nicht mehr in die Zeit passt. Und so hat SPD-Chef Gabriel seine Motivation inzwischen gefunden und 5000 Euro Prämie pro Wagen verkündet … und CSU-Chef Seehofer zieht mit.

"Bayern ist sehr für die Kaufprämie"

CSU-Chef Horst Seehofer

Da das eine teurere Maßnahme werden könnte, Bundesfinanzminister Schäuble seine Schatulle bislang dafür aber nicht öffnen will, gibt es ein Finanzierungskonzept vom grünen Fraktionschef Hofreiter.

"Wir glauben, dass es da ein Umlagesystem in der KFZ-Steuer geben müsste. Das bedeutet, man kriegt eben 5000 Euro Kaufprämie als Zuschuss und bezahlt wird das von denjenigen, die sich besonders verbrauchsstarke, besonders viele Abgase produzierende Autos kaufen."

Der grüne Fraktionschef Anton Hofreiter

Will heißen: SUV-Fahrer finanzieren E-Autos. Ein möglicher Ansatz, wenngleich fraglich bleibt, ob sich dieses Konzept heute wirklich durchsetzt beim Treffen der Bundeskanzlerin mit der Autoindustrie.

E-Autos - Einschätzungen des Autoexperten Dudenhöffer im Bayerischen Rundfunk

"Katastrophale Infrastruktur nur ein Problem"

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

"Die Preise für ein E-Auto sind in der Regel höher als bei normalen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Hinzukommen Komforteinbußen, die Reichweiten. Das sind die großen Problem bei den deutschen Autobauern.

Zudem ist die Ladeinfrastruktur in vielen Großstädten katastrophal, d.h. was soll ich mit einem E-Auto, wenn ich eine Mietwohnung habe und nicht laden kann. Außerdem ist die Ladezeit oft lang. Man braucht Schnellladestationen so wie es Tesla vormacht, maximal 20 Minuten. Wenn man das alles zusammen packt, dann hat man die Gründe, weshalb die Kunden das E-Auto links liegen lassen."

 "Kaufprämie nicht allein die Lösung"

"Eine Kaufprämie ist wichtig, aber man sollte es differenziert sehen und sie kann es allein nicht sein. Denn wir brauchen die Ladeinfrastruktur dazu. Eine Kaufprämie für alle ist nicht das ideale Instrument, denn die Elektroautos teilen sich auf in die reinen E-Autos mit Reichweiten von 200 km und in die so genannten Plug-in-Hybride. Diese fahren 30-40 km mit Strom und dann gehen sie auf den Verbrennungsmotor über. Denen sollte man auf keinen Fall die gleichen Subventionen geben wie den reinen E-Autos.

Nur mit reinen E-Autos bekommen wir das Ladenetz hin. Keiner, der einen sogenannten Plug-in-Hybrid hat, stellt sich für 30 Kilometer Strom eine halbe Stunde an die Ladesäule und wartet. Deswegen sind die reinen E-Autos mit Ladeinfrastuktur für mich der richtige Ansatz. Die Vorteile der E-Autos zeigen sich in Großstädten mit der Luftbelastung am stärksten. Deshalb sollen dort bessere Subventionen als am flachen Land gezahlt werden, irgendwo in Niederbayern hat das E-Auto weniger gesellschaftlichen Nutzen als mitten in München."

"E-Auto muss Zukunft sein"

"Das E-Auto ist wichtig für uns. Wir müssen es nach vorne bringen, sonst kriegen wir unsere Städte wie München, Stuttgart, Berlin, oder im Ruhrgebiet nicht frei von Stickoxid-Belastungen. Dort werden seit mehr als sechs Jahren permanent die Grenzwerte überschritten und das bedeutet gesundheitliche Beeingträchtigungen. Wir haben zu viele Diesel. Wir sollten sie durch Elektroautos ersetzen."

"Deutschland gleichauf mit Nigeria"

"In vielen anderen Ländern wie den USA, Norwegen, Holland, Frankreich und China gibt es hohe Subventionen, Kaufprämien und Ladestrukturaufbauten für E-Autos. Deshalb steht Deutschland in Bezug auf die Elektromobilität genausogut da wie afrikanische Staaten. Deutschland kämpft in der Liga mit Ghana und Nigeria."

 "Finanzierung über Steuer"

"Eine Möglichkeit wäre, wie auch Anton Hofreiter gesagt hat, dass man die Finanzierung so macht, dass man es über die Steuer regelt. Kein Mensch versteht heute, warum man für Diesel-Kraftstoff 18 Cent weniger Steuer pro Liter bezahlt als der normale Benzkraftstoff. Das ist in der Gründung der Bundesrepublik mal wegen der Transportvorteile bei LKWs angelegt worden. Das ist heute aber überhaupt nicht mehr gültig.

Das heißt, das Gleichziehen in der Besteuerung wäre wichtig, bei diesem großen Dieselboom, der uns in den Großstädten Probleme bringt. Bei dem Diesel wissen wir ja, dass die Werte in den Prospekten bei Stickoxiden nicht die Werte sind, die im realen Fahrbetrieb erfolgen. Da haben die Politiker aber große Angst, da kommen alle Autoverbände, alle Autofahrer und da knickt Frau Merkel mit ihrem gesamten Kabinett sofort ein."


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