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Eisenbahnbrücken im Pegnitztal Streit zwischen Denkmalschützern und Bahn

Eine schnelle Bahn - das wollen eigentlich alle. Aber nicht um jeden Preis. Im Pegnitztal streiten Bürger für den Erhalt historischer Brücken. Die Bahn will sie durch Beton-Neubauten ersetzen. Aus technischen Gründen, heißt es. Doch stimmt das wirklich? Kontrovers hat nachgeforscht!

Von: Beate Greindl, Thomas Kießling, Christina Schmitt

Stand: 11.10.2017

"Dieses Fachwerk – da steckt so viel Liebe zum Detail drin. Die kleinen Nieten, es geht einem das Herz auf. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles erklären soll", schwärmt Anneliese Morner. Sie spricht von den alten Eisenbahnbrücken im Pegnitztal. Sie stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, gelten als Kulturdenkmäler.

Doch mit ihnen soll es bald vorbei sein - zumindest, wenn es nach der Deutschen Bahn geht. Im Moment sind zwischen Nürnberg nach Marktredwitz noch ausschließlich Dieselloks unterwegs. Die Deutsche Bahn möchte die Strecke deshalb "elektrifizieren". Das bedeutet, dass in Zukunft auch elektrische Züge fahren können sollen. Allerdings will die Bahn dafür die denkmalgeschützten Bauten abreißen lassen. Stattdessen sollen neue Betonbrücken errichtet werden.

Der Hintergrund: Die Strecke soll als Ostanbindung nach Tschechien dienen - auch für den Güterverkehr. Dabei ist höchst umstritten, ob das sinnvoll ist. Denn die Strecke durch das Tal ist kurvig - und Züge dort deshalb eigentlich viel zu langsam.

Die neue Eisenbahnbrücke in Betonbau-Optik stößt auf wenig Gegenliebe.

Eine Brücke ist bereits abgerissen und durch einen Betonbau erneuert worden: grau, massiv - und unerträglich für Anneliese Morner. Sie zweifelt daran, dass der Abriss so vieler alter Eisenbahnbrücken notwendig ist. Deshalb hat sie eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für deren Erhalt einsetzt.
Sie und ihre Mitstreiter haben sich dafür eingesetzt, den technischen Zustand noch einmal durch externe Gutachter überprüfen zu lassen.

"Das kann nicht sein, dass 23 Brücken auf einen Schlag  so marode sein sollen, dass die ganze Strecke umgebaut und alle Brücken abgerissen werden müssen"

Anneliese Morner

Experten sagen: Abriss der alten Eisenbahnbrücken ist nicht notwendig

Und tatsächlich, die externen Gutachter gaben ihnen Recht: Nur vier der 23 Brücken sind so angegriffen, dass sie von Grund auf erneuert werden müssen. Der Rest kann saniert werden. Sogar Strom könnte man auf die Strecken legen. Dafür müsste die Fahrbahn der Brücken allerdings auf vier Meter verbreitert werden - wie Bauingenieure der Hochschule Coburg festgestellt haben.

Die Bahn will die alten Bahnbrücken lieber abreißen statt sie zu sanieren.

Doch die Bahn will lieber abreißen. Auf Anfrage des BR-Politmagazins Kontrovers schreibt sie, die vorgeschlagenen Sanierungstechniken würden "nicht mehr den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. (…) Wenn wir davon abweichen, muss in Ausnahmegenehmigungen nachgewiesen werden, dass die Sicherheit der Brücke einem Neubaustandard entspricht."

Laut Bürgerinitiative und Experten schließen sich Sicherheit und Erhalt der Eisenbahnbrücken aber gar nicht aus. Eine Sanierung käme sogar wesentlich günstiger, wie Bauingenieur Prof. Holger Falter von der Hochschule Coburg erklärt: "Alles ist billiger als ein Neubau. Alles."

Spielen Zuschüsse vom Bund eine Rolle für die Entscheidung der Bahn?

Gibt es also andere Gründe, warum die Bahn im Pegnitztal Brücken lieber abreißt als saniert? Bauingenieur Prof. Werner Lorenz von der TU Cottbus meint ja:

"Der Bund finanziert nur Neubauten von Brücken, er finanziert der Bahn keine Instandsetzung. Und wenn ich die Bahn wäre und könnte mich entscheiden, dann würde ich mich zunächst auch für den Neubau entscheiden."

Bauingenieur Prof. Werner Lorenz von der TU Cottbus

Mittlerweile zeigt sich die Deutsche Bahn kompromissbereiter. Fünf Brücken sollen nun doch erhalten bleiben. Den anderen Bauten droht allerdings immer noch der Abriss. Anneliese Morner und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative wollen weiter dafür kämpfen, dass so viele alte Brücken wie möglich erhalten bleiben.

Eisenbahnbrücken im Pegnitztal


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Kommentare

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Karin Ullherr, Mittwoch, 18.Oktober, 16:49 Uhr

6. Bahnbrücken

Auch die Bürgerinitiative ist für eine moderne, attraktive und vor allem
sichere Eisenbahnstrecke durch das Pegnitztal, was denn sonst? Und wir
sind auch für die Erhaltung der anerkannt einmalig schönen Landschaft,
deren charakteristischer Bestandteil die Tunnels und Brücken, und die
historischen stählernen Fachwerkbrücken, nun einmal sind, und zwar
denkmalgeschützt. Dass beides zusammengeht, ist längst durch anerkannte
Experten erwiesen. Die Bahn nimmt das leider ungern zur Kenntnis,
einerseits weil sie die horrenden Kosten eines Neubaus lieber dem
Steuerzahler überlässt, und andererseits, weil es anscheinend (vorläufig
noch?) schwerer ist, innovative Methoden zur Ertüchtigung der
bestehenden Brücken zu finden und dem alten Regelwerk anzupassen, statt
stur dem scheinbar bewährten Muster der 08/15 – Betonbrücken zu folgen,
die längst nicht so haltbar sind. Wenn die Pegnitztal-Landschaft durch
völlig unpassende Betonbauten rücksichtslos zerstört sein wird, is

Maria Heusmann, Mittwoch, 18.Oktober, 09:08 Uhr

5.

Ein Naturschutzgebiet zerstören durch tiefgreifende Abriss- und Bauarbeiten, die einmalige Schönheit der Flusslandschaft, in die sich die Ortschaften und Bahnbrücken harmonisch einfügen, zerstören durch Betonbauten, deren Lebensdauer nicht annähernd so lang ist wie die der denkmalgeschützten Stahlbrücken? Und das alles, weil die Bahn die Kosten für die Sanierung der Brücken nicht übernehmen mag und dafür die Finanzierung der Großprojektes Neubau großzügig dem Steuerzahler überlässt? Da laut Expertenurteil die Brücken verkehrssicher sind und auch für die Elektrifizierung der Strecke kein Hindernis darstellen, fragt man sich, wie grüne „Verkehrsexperten“ wie Herr Ganserer zu solchen abstrusen Äußerungen wie in diesem Beitrag kommen.

Unhold Helmut, Dienstag, 17.Oktober, 21:59 Uhr

4. Eisenbahnbrücken Pegnitztal

Die Annahme liegt nahe, dass die Gutachter (namhafte Experten), die den stählernen Fachwerkbrücken nach Ertüchtigung noch eine jahrzehntelange, sichere, allen Anforderungen gewachsene Lebensdauer bescheinigen, von „physikalischen Gesetzmäßigkeiten“ mindestens soviel Ahnung haben wie der Landtagsabgeordnete der Grünen Partei, Markus Ganserer. Was will Ganserer mit seinen seltsamen Äußerungen bezwecken? Die aktuell sehr gute Zugverbindung Hof – Marktredwitz – Nürnberg schlechtreden? Ängste schüren bei den Pendlern? Ein politisches Amt sollte zu umfassender, objektiver Information verpflichten – das ist die wahre Verantwortung dem Bürger gegenüber. Dafür scheint es Herrn Ganserer aber an eigener, fundierter Kenntnis der Sachlage weit zu fehlen.

Enes Harald, Dienstag, 17.Oktober, 21:00 Uhr

3. Eisenbahnbrücken im Pegnitztal Text gekürzt

Für einen modernen Eisenbahnverkehr durch das Pegnitztal sollen 23 Brücken weichen, weil sie angeblich marode und der Elektrifizierung im Weg sind. Tatsache ist, dass alle diese Brücken unter Denkmalschutz stehen und zusammen mit den Tunnels und dem Fluss eine Einheit von einmaliger Schönheit bilden, die mit kulturell gutem Grund geschützt sind. Tatsache ist aber auch, dass die Brücken zwar unterschiedlich reparaturbedürftig, aber mit moderner Technologie für einen elektrischen und vor allem sicheren Betrieb voll zu ertüchtigen sind. So haben es die Professoren, die als Gutachter tätig waren, den Ingenieuren der Bahn auf den Weg gegeben. Und was macht die unsensible Bahn daraus? Um eigene Kosten zu sparen will sie, bar jeder historischen Verantwortung, das Pegnitztal mit nicht in die Landschaft passenden, einfallslosen Betonbrücken zukleistern. Oder sollte es dort an der innovativen Kraft und dem Einfallsreichtum, für die Deutschlands Ingenieure einst berühmt waren, inzwischen fehlen?

Enes Haral, Dienstag, 17.Oktober, 20:44 Uhr

2. Eisenbahnbrücken im Pegnitztal

Für einen modernen Eisenbahnverkehr durch das Pegnitztal sollen 23 Brücken weichen, weil sie angeblich marode und der Elektrifizierung im Weg sind. Tatsache ist, dass alle diese Brücken unter Denkmalschutz stehen und zusammen mit den Tunnels, dem Fluss und der kurvenreichen Talstraße eine Einheit von deutschlandweit fast einmaliger Schönheit bilden, die mit gutem, kulturell verantwortlichem Grund geschützt sind. Tatsache ist aber auch, dass die Brücken zwar unterschiedlich reparaturbedürftig, aber mit moderner Technologie für einen neuzeitlichen, elektrischen und vor allem sicheren Betrieb voll zu ertüchtigen sind. So haben es die Professoren, die als Gutachter tätig waren, den Ingenieuren der Bahn auf den Weg gegeben. Und was macht die unsensible Bahn daraus? Um eigene Kosten zu sparen will sie, bar jeder kulturellen und historischen Verantwortung, das Pegnitztal mit nicht in die Landschaft passenden, einfallslosen Betonbrücken zukleistern. Oder sollte dort es an der innovativen Kra