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Schöpfer des Genusses Theo Schöllers 100. Geburtstag

Eis am Stiel und Theo Schöller gehören zusammen. Beide feierten am 18. Juni ihren Geburtstag. Theo Schöller wäre 100. Jahre alt geworden und der kleine Leckerbissen am Holzstiel wurde ebenfalls vor 80 Jahren von ihm geschaffen.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 18.06.2017

An einer Stieleis-Produktionsstraße im Nestle-Schöller-Werk Uelzen beobachtet die Chemielaborantin Doreen Gerdes das Eintauchen des Eises "Bum Bum" in ein Glasurbad. | Bild: picture-alliance/dpa/Hans-Jürgen Wege

Eis am Stiel: Vor 80 Jahren startete der Nürnberger Theo Schöller gemeinsam mit seinem Bruder als einer der ersten in Deutschland die Produktion von Stieleis. In Amerika hatte es das natürlich früher gegeben. Los ging es mit vier Geschmacksrichtungen Schoko, Vanille, Erdbeere und Zitrone. Die Idee in Produktion und Verkauf einzusteigen, brachte der damals 18-jährige Theo Schöller nach einem Besuch im Berliner Varieté Scala mit nach Franken. Produziert wurde erst einmal bei den Eltern zu Hause.

Theo Schöller, aufgenommen an seinem 80. Geburtstag 1997

"Ich kam dann in jungen Jahren, in dem Jahr 35 und 36, nach Berlin. Und kam damals in Scala und Wintergarten Berlin. Und dort sah ich das verpackte Eis und das hat mich einfach so fasziniert, das hat mich nicht mehr losgelassen."

Theo Schöller, Unternehmer (1917 - 2004)

Ein Unternehmer mit Mut und Ideen

Nestle-Schöller-Werke in Uelzen

Theo Schöller wurde 87 Jahre alt und er gehörte der Generation an, die Ideen hatten und voller Mut umsetzten. Oft wird er mit Gustav Schickedanz, dem Quelle-Gründer, und Max Grundig genannt. Alle drei hatten ihre Heimat in Nürnberg. Nach dem Berliner Erlebnis mit dem Eis am Stiel überzeugte Theo Schöller seinen Bruder, gründete 1937 mit ihm eine Eiswarenfabrik und erwarb die Lizenz für die Produktion von Jopa-Eis. Die kleinen verpackten Leckereien wurden in Themoboxen mit Fahrrädern ausgeliefert. 15.000 Stück "Steckerl-Eis" gingen täglich an Kunden.

Der Winter kam und dazu eine weitere Idee

Ein Mann mit vielen Ehrungen

Theo Schöller ist Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, hat das Verdienstkreuz 1. Klasse, war Ehrendoktor der Uni Erlangen-Nürnberg und Ehrenbürger der TU München. Nach im wurde in Nürnberg eine Hauptschule benannt und auf der Nürnberger Rennstrecke "Norisring" gibt es eine Strecke, die "Schöller-S" genannt wird.

Doch was macht ein Eisfabrikant im Winter? Theo Schöller hatte die Lösung. In den kühlen Monaten produzierte er Tiefkühlprodukte und ein Stück Wahrzeichen von Nürnberg: Lebkuchen. Sie wurden unter dem Markennamen Haeberlein-Metzger und dem Namen Schöller produziert.

Besondere Spezialität: die Elisenlebkuchen. Die Geschäftsidee ist erfolgreich. Theo Schöller erweitert dauernd die Eisfabrik in Nürnberg – und die Produktpalette: Zum Beispiel vor gut 40 Jahren mit der Marke Mövenpick. So schuf er in der Frankenmetropole dauerhaft Arbeitsplätze. Ender der 90er Jahre beschäftigte das Unternehmen weltweit 6.000 Leute. Viele Touristen legten einen Stopp in der Bucher Straße ein, um sich mit Produkten von Schöller einzudecken. Allerdings: In Nürnberg wird schon lange kein Schöller-Eis mehr produziert. Die Fabrik wurde verkauft und soll Ende des Jahres schließen. Die letzten 200 Arbeitsplätze des Werks gehen verloren. Für Investitionen eignet sich der Standort zwischen Wohnhäusern in der Nürnberger Nordstadt nicht, sagte der Sprecher des Unternehmens, Hermann Cordes, dem Bayerischen Rundfunk.Das Eis von Schöller kommt aus dem Werk in niedersächsischen Uelzen.

"Da wurde sehr visionär in den 50er, 60er, 70er Jahren Produkte entwickelt, die jetzt auch im 21. Jahrhundert durchaus noch sehr gut ankommen."

Matthias Casanova, Geschäftsführer Schöller-Froneri

Engagierter Mäzen

Schülergruppe Theo-Schöller-Mittelschule Nürnberg

Schöller lebte zurückgezogen, engagierte sich stark für die Frankenmetropole. Er spendete Geld für den Erhalt von Baudenkmälern und war Mäzen des Opernhauses und des Meistersinger-Konservatoriums. Er finanzierte den Aufbau einer Herzchirurgie in Nünberg und des Zentrum für Altersmedizin am Klinikum Nord. Der TU München stiftete er einen Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement.

Seit 2001 ist Schöller vollends im "Nest" der Schweizer Nestlé

Produktionsstraße im Nestle-Schöller-Werk Uelzen

Schöller ging in den 80er Jahren eine Kooperation mit Südzucker ein, die dann später die Mehrheit der Schöller-Holding übernahm. 2001 ging das Unternehmen vollständig in den Besitz der Nestlé-Gruppe. Bis zum Schluss führte der schwer herzkranke Theo Schöller jedoch die Familienstiftung.


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