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Führungsdebatte Die CSU-Lösung liegt in der Doppelspitze

An Markus Söder führt in Zukunft kein Weg vorbei – da sind sich fast alle in der CSU einig. Aber als Alleinherrscher fürchten ihn viele. Ein Weg aus dem Dilemma wäre eine Doppelspitze. Von Eva Lell.

Von: Eva Lell

Stand: 13.11.2017

Markus Söder und Ilse Aigner 2013  im Prinz-Carl-Palais in München  | Bild: picture-alliance/dpa

"Die CSU ist so gespalten, dass sie mit einem Kopf nicht mehr auskommt, so viele Widersprüche gehen in einen Kopf nicht mehr rein." So ätzte der damalige Chef der bayerischen SPD Ludwig Stiegler 2008 über die CSU.  Damals versuchten sich die Christsozialen nach Edmund Stoiber an einer  Doppelspitze mit Erwin Huber als Parteichef und Günther Beckstein als Ministerpräsident.

Gespalten  ist die Partei auch heute wieder und dabei geht es weniger um Inhalte als um eine Person: Markus Söder. Die Junge Union hat ihn kürzlich quasi schon zum nächsten Ministerpräsidenten ausgerufen. Söder hat aber nicht nur Fans, Söder polarisiert. Zwar räumen auch Gegner des Finanzministers ein, dass man an ihm nicht vorbeikommt. Aber Söder als Ministerpräsident und CSU-Chef, dafür ist das Lager der Gegner zu groß.

Doppelspitze aus strategischer Sicht sinnvoll

Deshalb ist eine Doppelspitze allein aus parteiinterner Sicht die wahrscheinlichste Lösung. Dafür spricht auch ein taktisches Argument: Sollte es in Berlin eine Jamaika-Koalition geben, ist es für die Christsozialen, die im nächsten Jahr im Landtagswahlkampf um ihre absolute Mehrheit bangen, sinnvoll, einen zu haben, der in Berlin präsent ist, und einen, der als Ministerpräsident in Bayern intensiv Wahlkampf machen kann. Und das auch in alter CSU-Manier gerne mal gegen Berlin.

Es gibt auch noch einen inhaltlichen Aspekt, der für eine Doppelspitze spricht: Markus Söder wird im Landtagswahlkampf wohl versuchen, AfD-Wähler zurückzugewinnen. Es gibt aber nicht wenige in der Partei, die fürchten, dass die CSU dabei die liberalen und bürgerlichen Wähler vergraulen könnte. Schon bei der Bundestagswahl ist das passiert, weil die CSU einseitig auf Obergrenze und Sicherheit setzte. Ilse Aigner, die einstige Kronprinzessin, hat am Wochenende darauf hingewiesen und damit auch den Finger gehoben: Ganz ohne mich – Chefin der mächtigen Oberbayern-CSU – wird die Seehofer-Nachfolge sicher nicht geregelt. Das spräche für einen inhaltlich moderaten Parteichef.

Kandidaten: Dobrindt, Aigner, Weber oder doch Seehofer?

Bleibt die Frage, wer diesen Job an Söders Seite erfüllen kann und will. Er oder sie muss ein Alphatier sein, um neben Söder zu bestehen. Er oder sie sollte nicht aus Franken kommen, denn zwei Franken werden der altbayerischen Basis schwer zu vermitteln sein. Und: Er oder sie sollte Erfahrung in Berlin haben. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gilt als kluger strategischer Kopf, hat aber zu wenig Rückhalt an der Basis. Ilse Aigner hat Berlin-Erfahrung, gilt aber als zu wenig durchsetzungsstark. Manfred Weber hat internationale Kontakte als Chef der Konservativen im Europäischen Parlament, hat aber keinerlei Erfahrung in Berlin. Es gibt eigentlich nur einen, der es wirklich könnte: Horst Seehofer. Doch das der mit Söder Hand in Hand arbeitet, das ist schwer vorstellbar, ihr Verhältnis gilt als zerrüttet.

Und auch wenn die CSU sich auf eine Doppelspitze einigt, ist noch lange nicht sicher, dass diese auch funktioniert. Die letzte CSU-Doppelspitze Huber/Beckstein hielt nicht lange. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit im Landtag 2008 wollte die CSU schnell wieder beide Posten in einer Hand.


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Kommentare

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Michi, Dienstag, 14.November, 02:14 Uhr

14. Lösung ?

Wir hatten schon einmal Franken in Oberbayern aber Gott sei Dank nur sehr kurz. Muß sich so etwas denn unbedingt wiederholen. Söder gehört nach Veitshöchheim dort kann er schalten und walten wie er grad lustig ist. So schlimm wie es klingt aber für das Amt des Ministerpräsidenten gibt es keine geeigneten Nachfolger.

  • Antwort von Hrdlicka, Dienstag, 14.November, 12:19 Uhr

    @ Michi: Genau..deswegen wird Bayern wieder Königreich und die Staatsspitze steht fest: Franz von Bayern

Bild Interpreter, Montag, 13.November, 23:57 Uhr

13. Das verschmitzte Bild in diesem Artikel...

...sagt für mich mehr als tausend Worte.

Dieses Lächeln der beiden Politiker muss man sich mal in aller Ruhe ansehen. Man entdeckt fast einen ganzen Roman darin.

Danke BR, sehr gut getroffen. Es hätte kaum eines Berichtes bedurft.

Oma Anni, Montag, 13.November, 22:28 Uhr

12. CSU-Lösung

CSU-Lösung ? Ich glaube Herr Söder ist nur eine Zwischenlösung. Frau Bär ist die Zukunft. Zur Zeit mit sehr höher Medienpräsenz. Eine echte Alternative zu Frau Merkel. Wir werden uns noch wundern. Da ist was im Busch. Der Bär brummt.

  • Antwort von Hrdlicka, Dienstag, 14.November, 12:21 Uhr

    In Bayern hatten wir schon mal einen "Schad-Bären", wenn man sich erinnert....

Josef Rödl, Montag, 13.November, 21:26 Uhr

11. keine/-r geeignet

Von allen bisher in der Öffentlichkeit genannten Kandidaten (Söder, Aigner, Herrmann, Dobrindt, Weber, Guttenberg) für den CSU-Parteivorsitz oder bayerischen Ministerpräsidenten halte ich keine/-n geeignet - auch Horst Seehofer nicht.
Allen fehlt das christliche Gen eines Alfons Goppel oder Hans Maier und alle haben eher das unchristliche Gen eines Franz Josef Strauß.
Erst wenn sich die CSU auf ihre wirklichen christlichen Wurzeln besinnt - programmatisch und personell - dann bleibt und wird sie wieder die bayerische Identität, welche sie zu Recht groß gemacht hat.

  • Antwort von Barbara, Montag, 13.November, 22:31 Uhr

    Vielleicht sollte man mal Kardinal Müller ansprechen. Der hat Zeit und ist bestimmt nicht abgeneigt. Was besseres kann die CSU nicht bieten.

  • Antwort von bergbauer, Montag, 13.November, 22:55 Uhr

    Besser kann man es nicht beschreiben, dann ist in Baiern auch rechts oder links kein Thema mehr

  • Antwort von safd, Montag, 13.November, 23:25 Uhr

    Babara, das sollte aber schon ein schlechter Witz sein. Der war bei der Aufklärung in Regensburg schon totaler Versager.

  • Antwort von Dieter, Montag, 13.November, 23:53 Uhr

    @J. Rödelt
    Die Politiker sind inkompetent. Die Journalisten sind mittlerweile inkompetente Ideologen. . Aber vergessen wir nicht das Volk, die Wähler. Nach glaubwürdigen
    Erhebungen haben 50% einen unterdurchschnittlichen IQ ! ca. 30 % sollen nicht mal Geschäftsfähig sein. Ein solches Volk ist doch mit Merkel sehr gut bedient. Da braucht man den Glauben( heißt nichts wissen) nicht Wirklich auch noch. Sie hat immerhin in Physik promoviert; beherrschte - im Gegensatz zum Volk - also zumindest in ihrer Jugend den Dreisatz.
    M.f.G.

  • Antwort von Hrdlicka, Dienstag, 14.November, 12:22 Uhr

    @ Barbara: also der katholische Herr Müller würde sicherlich ebenso gut in die CSU passen...wenn nicht noch besser

ein ehemaliger CSU-Wähler, Montag, 13.November, 20:57 Uhr

10. Gibt´s nichts wichtigeres als unsägliche Personaldebatten?

Es ist unerträglich, wie sich diese CSU mit Personaldebatten selbst lähmt und politisch nichts mehr nach vorne bringt. Ich bin es leid, ständig diesen Quatsch lesen zu müssen!!!

Sich auf Jamaika zu konzentrieren und wie im Falle der Herrn Dobrindt und Scheuer auf dumme und hetzerische Parolen gegen die Grünen zu verzichten, wäre im Interesse Bayern wesentlich sinnvoller

Ich befürchte, dass die CSU, egal was jetzt bei diesem Postengeschachere herauskommt, bei der Landtagswahl 2018 nochmals deutlich verliert.

Armes Bayern!

  • Antwort von gerhard anton, Freitag, 17.November, 16:15 Uhr

    Warum Armes Bayern? Nach der Landtagswahl 2018 und den damit verbundenen nächsten Stimmverlusten für die CSU sehe ich die Chance eingeschliffene Irrwege zu verlassen und uralte Verkrustungen aufzulösen. Vielleicht könnte man den Herrn über die Maut und die Gigaliner auch gleich los werden? Die Mobilität auf den Straßen und Bundesautobahnen in Bayern, Deutschland und in der EU - besonders im Güterschwerverkehr - bedroht die definierten Klimazielvorgaben erheblich.