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Scheinfirmen von Terroristen in Bayern Gotteskrieg gegen deutsche Finanzkassen

Dschihadisten betrügen deutsche Finanzkassen um Millionenbeträge, um den Staat zu schwächen und den Terror zu finanzieren. Dies zeigt eine exklusive Recherche des Bayerischen Rundfunks. Die Täter sprechen von "Economic Jihad", einem Gotteskrieg gegen die Wirtschaft.

Von: Sabina Wolf

Stand: 14.02.2016

Cyber-Dschihad | Bild: Reuters (RNSP)

In einem komplex angelegten Geflecht aus Scheinfirmen hat eine unter anderem in Deutschland agierende Tätergruppe ein internationales Mehrwertsteuerbetrugs-Karussell errichtet, mit dem ein dreistelliger Millionenbetrag umgesetzt wurde. Von den Finanzkassen forderten die Täter einen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatzsteuer zurück - für Umsätze, die nie getätigt wurden, so die Recherchen des BR. Alleine mit nur einer Rechnung einer Scheinfirma aus Unterföhring bei München, die angeblich mit Strom handelte, forderten die Dschihadisten 190.000 Euro vom Finanzamt zurück. Die Rechnung liegt dem BR vor.

Extra-Einheiten gegen die Finanz-Dschihadisten

Die Täter gerieten ins Visier der bayerischen Ermittler, da die Mechanismen bei der Terrorfinanzierung denen der Organisierten Kriminalität ziemlich ähnlich seien. Auch Geldwäsche sei involviert, so der bayerische Finanzminister Söder im Interview mit dem BR. Manchmal müsse man bis zu 10.000 Einzelbuchungen verfolgen, um ein spezielles Muster zu erkennen, so Söder.

"Wir haben jetzt extra Einheiten gebildet, die sich mit diesen Terrorfragen beschäftigen, und die insbesondere bestimmte Geschäftsfelder, aber auch regionale Aktivitäten überprüfen, um den Sumpf trocken zu legen, der sich durch Terror ergibt."

Markus Söder (CSU), bayerischer Finanzminister

Angriffe auf die "unislamische" Weltwirtschaft

David Lewis, Executiv Sekretär bei der Financial Action Task Force (FATF) in Paris, mahnt die Staaten an, auch bei kommerziellen Überweisungen genau hinzusehen: "Viel zu wenige Länder nutzen die vorhandenen Ermittlungsmöglichkeiten, das aber wollen wir, um die Finanzierung des Terrorismus zu unterbinden." In einem Internettelefonat sprachen die Dschihadisten davon, dass Mehrwertsteuerbetrug als Kriegsmittel gerechtfertigt sei. Prof. Dr. Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) von der Universität Mainz, überrascht das nicht: "Nach dschihadistischer Auslegung des islamischen Rechts ist dieser Betrug 'halal', also erlaubt und zulässig, weil er dazu dient, die angestrebte Weltherrschaft des Islam herbei zu bringen." Durch ihre kriminellen Aktivitäten griffen die Täter gezielt die gegenwärtige "un-islamische" Weltwirtschaft an, so der Experte.

  • BR-Journalistin Sabina Wolf | Bild: BR / Ralf Wilschewski Sabina Wolf

    Redaktionen Wirtschaft und Politik des Bayerischen Fernsehens


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