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Drogenopfer Deutlich mehr Tote in Bayern

Konsequente Strafverfolgung und Hilfe für die Betroffenen - auf diesen beiden Säulen ruht die Drogenpolitik in Bayern, nach Ansicht der bayerischen Staatsregierung. Doch wie erfolgreich ist dieses Vorgehen? Die Zahl der Drogenopfer ist signifikant gestiegen.

Von: Oliver Bendixen

Stand: 02.03.2016

Aufgezogene Spritze  | Bild: dpa-Bildfunk Peter Steffen

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Drogenopfer im Freistaat gegenüber 2014 um 25 Prozent nach oben geschnellt. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks starben im vergangenen Jahr in Bayern 314 Menschen an den Langzeitfolgen ihrer Abhängigkeit oder akuten Überdosierungen. Das sind 64 mehr als im Vorjahr. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat sich die Zahl der Opfer damit in Bayern fast verdoppelt.

Heroin billiger zu haben

Nach Überzeugung der Drogenfahnder des Bayerischen Landeskriminalamtes sorgte die letzte Rekord-Opiumernte in Afghanistan für fallende Heroinpreise in Europa und dafür, dass Dealer den Wirkstoffgehalt ihrer Ware erhöhen – um die Konkurrenz, die mit synthetischen Drogen handelt, aus dem Feld zu schlagen. Manche Süchtige schätzen die Dosierung falsch ein und sterben daran.

Weniger Drogentote in Mittelfranken

Mittelfranken hat sich im vergangenen Jahr gegen den Trend entwickelt. Die Zahl der Drogentoten ist stark rückläufig. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 23 Drogentote. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 37. Allein 16 Menschen starben in Nürnberg an den Folgen von Drogen.

Kritik an Drogenpolitik

Drastisch gestiegen ist auch die Zahl der Opfer sogenannter Designerdrogen, die unter Oberbegriffen wie Badesalz oder Kräutermischungen in immer neuen und noch gefährlicheren Mixturen auf den Markt geworfen werden. Suchtberatungsstellen wie Condrobs machen aber auch die bayerische Drogenpolitik mitverantwortlich für den Anstieg. Bayern lässt sogenannte Drückerräume, in denen Abhängige unter medizinischer Aufsicht konsumieren  - im Notfall aber auch schnelle Hilfe bekommen können -, nicht zu.

Bayern verteidigt Verbot von Konsumräumen

"Es ist ein Widerspruch, wenn einerseits Besitz und Erwerb von Rauschgift strafrechtlich zu verfolgen sind, andererseits der Konsum von illegal beschafftem Rauschgift in Drogenkonsumräumen staatlicherseits erleichtert und geschützt wird."

Gesundheitsministerin Melanie Huml, CSU

Deshalb lehne Bayern – wie zehn andere Bundesländer auch - Drogenkonsumräume ab. Ihrer Meinung nach können diese zudem den illegalen Drogenhandel anziehen. Es gebe aber vor allem in Großkommunen Netze von niedrigschwelligen Hilfen für Suchtkranke. Daneben will Huml die Prävention stärken. Sie forderte den Bund erneut dazu auf, sogenannte "Legal Highs" zu verbieten. Ein entsprechendes Gesetz liege dort im Referentenentwurf bereits vor.


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