Angebliche Kräutermischungen Wie "Legal Highs" Konsumenten kaputt machen

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung lädt zur Jahrestagung. Es geht insbesondere darum, wie Kinder mit der Sucht ihrer Eltern klarkommen. Thema werden aber sicher auch wieder die sogenannten Legal Highs sein: Drogen, die als Kräutermischungen oder Badesalz im Internet verkauft werden - mit oft furchtbaren Folgen für die Konsumenten.

Von: Beate Posch

Stand: 19.06.2017

Reagenzgläser gefüllt mit verschiedenen neuen psychoaktiven Substanzen, auch "Legal Highs" genannt | Bild: dpa/picture-alliance/Christoph Schmidt

Schon zwei Wochen hat Jens kein Spice mehr genommen, eine gängige Form einer angeblichen Kräutermischung. Seit ein paar Jahren ist sie in dieser Form verboten.

"Schweißausbrüche hat man schon noch. Das ist Gift, die Leute vergiften sich, ich hab mich selbst damit vergiftet. Das Essen verdaut sich nicht mehr, Schweißausbrüche, du kannst abends nicht mehr schlafen, du hast Magenkrämpfe. Du kannst nicht mal mehr die Hand auf den Bauch legen, weil es so wehtut."

Legal-Highs-Konsument Jens

Perfides System mit Test-Nutzern

Andere Konsumenten sprechen von schlimmen Halluzinationen, Panikattacken, Schmerzen. Jens ist immer noch nervös, betont immer wieder, wie kaputt ihn die Kräutermischungen gemacht haben.

Das System ist perfide: Obdachlose oder andere Konsumenten, die dringend Geld brauchen, stellen sich als Test-Nutzer zur Verfügung. Sie bekommen dafür – im Prinzip legal – immer neue Mischungen; auch NPS genannt: neue psychoaktive Substanzen.

"Dann spürst du halt einfach nichts mehr. Dann hast du keine Schmerzen mehr. Außer du hast das Spice nicht mehr, dann hast du von dem Spice die Schmerzen."

Legal-Highs-Konsument Jens

21 Jahre alt ist Jens jetzt – und er sagt selbst: Die Drogen haben ihn kaputt gemacht. In Kombination mit Tabletten und Alkohol, sicher ein Extrem. Trotzdem: Schon mit 21 Jahren hat er einen Leberschaden. Sein Leben im Moment: Chaos. Kein richtiges Zuhause, kein Job, wenige Perspektiven.

"Da kommt diese Arbeitsunlust, da will keiner mehr wirklich was machen. Dir ist alles gleichgültig: Du hast keine Arbeit, egal. Ich hab meinen Rauch, ich hab dann noch meine Leute hier, am Hauptbahnhof, die geben mir meinen Rauch."

Legal-Highs-Konsument Jens

Immer krassere Fälle

Jens ist vielleicht gerade noch im richtigen Moment ausgestiegen. Denn auch Max Braun, Chefarzt der Suchtklinik in Bad Aibling, sagt:

"Wir haben Patienten, die zunehmend Beeinträchtigungs-, Verfolgungsideen bekommen, paranoid bis zur Psychose, bis zu einem Quasi-Ausbruch einer Schizophrenie. Die sind leider nicht so leicht wieder rückgängig, wie wir das bei anderen Substanzen kennen. Insofern ist das schon eine nicht zu unterschätzende Gefahr, die hier droht."

Chefarzt Max Braun

Max Braun beobachtet, dass die Fälle in der letzten Zeit immer krasser werden. Offenbar, so meint er, sind jetzt langsam die Spätfolgen zu sehen. Und die sind gravierend: Vergangenes Jahr sind 40 Menschen in Bayern an Legal Highs gestorben. Im Jahr davor war es nur knapp die Hälfte. Die Tendenz ist also eindeutig: steigend. Jens weiß nicht nur aus eigener Erfahrung, was die Drogen mit einem machen:

"Du siehst die, die fallen nach und nach um. Oder pennen dir einfach weg. Du redest mit ihnen und dann pennen die. Oder kriegen gar nichts mehr mit, man weiß gar nichts mehr vom letzten Tag. So kommst du wieder in diesen Teufelskreis rein."

Legal-Highs-Konsument Jens

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franz, Dienstag, 20.Juni, 18:49 Uhr

4.

Sehr schade wie die "Drogenbeauftragte" mit diesem Thema umspringt.
Es ist ganz klar, dass mit allen Legal Highs illegale Drogen substituiert werden sollen. Gerade im Fall Cannabis wird damit die ehr harmlose Droge durch Giftmischungen unbekannter Dosierung,
Wirkungsweise und Nebenwirkungen ersetzt.

Die "Drogenbeauftragte" zwingt die Konsumenten mit ihrer Strafverfolgung dazu, auf genau diese lebensbedrohlichen und unerforschten Substanzen zurückzugreifen.

Ich könnte heulen...

ich, Dienstag, 20.Juni, 11:30 Uhr

3.

Sehr schade wie die "Drogenbeauftragte" mit diesem Thema umspringt.
Es ist ganz klar, dass mit allen Legal Highs illegale Drogen substituiert werden sollen. Gerade im Fall Cannabis wird damit die ehr harmlose Droge durch Giftmischungen unbekannter Dosierung,
Wirkungsweise und Nebenwirkungen ersetzt.

Die "Drogenbeauftragte" zwingt die Konsumenten mit ihrer Strafverfolgung dazu, auf genau diese lebensbedrohlichen und unerforschten Substanzen zurückzugreifen.

Ich könnte heulen...

daso, Montag, 19.Juni, 17:39 Uhr

2. Sehr schwacher Artikel

Wie machen LegalHighs jetzt den Konsumenten kaputt?
Konsument Jens hat anscheinend ein schweres Leben. Lebt im Chaos, kein Job, ballert sich mit Alkohol, Tabletten und diesen Highs ab (Mischkonsum) und ist bestimmt täglich am HBF anzutreffen.
Ich schreib es mal böse. Jens dröhnt sich bestimmt mit allem weg, Hauptsache prall!
Also müsste doch unser Staat, Menschen wie Jens von der Strasse holen.
Übrigens hab ich mal einen Bericht über LegalHighs auf Arte gesehen. Böses Zeugs, was angeblich auch Polizisten nehmen (sind nach dem Dienst auch nur Menschen) da diese Kräutermischungen nicht nachweisbar sind.
Vielleicht sollte auch unsere Alkoholbegeisterte Drogenbeauftragte Frau Marlene M. ihre Politik überdenken.
Sommerloch-Artikel

mark, Montag, 19.Juni, 10:18 Uhr

1. Sensation Sensation - aber keine Information

Vom BR bin ich anderes gewohnt. Beim Lesen entsteht für unkundige Leser der Eindruck, bei den genannten Drogen würde es sich um aus der Natur kommende Drogen handeln, ähnlich wie Cannabis. Dem ist aber nicht so, sie sind künstlich hergestellt, in "Chemielaboren". Das ist genau das Problem. Hier werden spezielle Wirkstoffe extrahiert bzw. künstlich erzeugt, genau so, wie es die Pharmaindustrie macht. Das Ergebnis ist eine hohe Wirksamkeit der Substanz, allerdings auch eine extrem hohe Nebenwirkungsrate (im Artikel beschrieben). Das ist ganz ähnlich wie mit Pharmazeutika und Heilpflanzen (letztere sind in ihrer Wirkung je nach Dosis meist sanfter aber auch nebenwirkungsfreier). Andererseits: Drogen gehören auch zu unserer Kultur, allerdings wurde ihre sinnvolle Nutzung vollständig "vergessen". Da unsere Gesellschaft immer mehr degeneriert, werden Drogen (wie auch Alkohol zB Bier) exzessiv missbraucht. Dieser Missbrauch hat mit ihrer ursprünglichen Nutzung nichts zu tun. Vgl. zB C. Rätsch

  • Antwort von Uwe, Montag, 19.Juni, 15:40 Uhr

    Es handelt sich dabei tatsächlich grösstenteils um Kräuter. Aber Kräuter können nun mal auch schädlich sein. Wie immer kommt es vor allem auf die Dosis, aber auch auf die Wirkung an. z.B. Tollkirsche. In geringen Dosen gut für bestimmte Herzkrankheiten. Zuviel ist schnell tödlich. Die alte Einteilung Kräuter = gut, Unkräuter = schlecht ist schon lange überholt.