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Dritter Nationalpark Landtag tendiert zu Spessart oder Steigerwald

Experten aus Natur-, Umweltschutz-, und Tourismusverbänden haben bei einer Anhörung des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag mit großer Mehrheit einen dritten Nationalpark in Bayern befürwortet. Der Trend ging dabei zum Waldschutzgebiet wie etwa Spessart oder Steigerwald. Widerstand gibt es von Bauern und Waldbesitzern.

Von: Rudolf Erhard

Stand: 16.03.2017

Geografieprofessor Hubert Job aus Würzburg wurde im Landtag pathetisch:

"Ich möchte, dass Ihre Kinder, dass meine Kinder, ihre Heimat, die faszinierende Natur und Umwelt emotional erleben können. Dass sie ein Auge für die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung entwickeln und das geht in Nationalparks hervorragend."

Hubert Job, Geografieprofessor

Bei 700.000 Hektar Wald in Bayern müsste es doch möglich sein 10.000 Hektar für einen Nationalpark auszuweisen. Es war bei der Expertenanhörung im Landtag schnell klar, das Spessart und Steigerwald hier die klaren Favoriten sind. Das oberbayerisch-schwäbische Ammergebirge, Isar- wie Donauauen oder die Rhön wären zwar durchaus attraktiv, aber nötiger wäre ein Waldnationalpark in Franken. Norbert Schäffer Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz schwärmte:

"Zunächst mal sind Nationalparks das Beste vom Besten. Das ist die Champions League im Naturschutz. Der Steigerwald und der Spessart sind die besten Laubwaldgebiete in Bayern und der Spessart ist der größte Laubwaldkomplex in Staatsbesitz."

Norbert Schäffer, Landesbund für Vogelschutz

Touristiker und Nationalparkleiter ziehen an einem Strang

So ein Nationalpark rechnet sich, berichtet Michael Vogel, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden. Es listete eine jährliche Bruttowertschöpfung von über 95 Millionen Euro auf. Die Hälfte bleibe in der Region und die Nationalparkverwaltung koste den Freistaat jährlich nur sechs Millionen:

"Wenn der Freistaat Bayern sechs Millionen Euro investiert und hat dann über 700 Prozent Wertschöpfung hinten, dann soll noch irgend einer sagen, diese Einrichtung ist unrentabel."

Michael Vogel, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden

Euphorisch schwärmte auch Susanne Wagner von der Tourismusförderung Arberland vom Nutzen des Nationalparks Bayerischer Wald:

"Als Touristiker oder touristischer Betrieb muss ich es als Sechser im Lotto verstehen. Wir haben hier touristische Einrichtungen bekommen, wo andere davon träumen."

Susanne Wagner, Tourismusförderung Arberland

Kritiker fordern Alternativmodelle

Bei so viel Begeisterung goss dann Waldbauprofessor Reinhard Mosandl von der TU München, doch etwas Wasser in den Wein. Muss es denn immer ein Nationalpark sein?

"Es gibt ja auch andere Schutzkonzepte wie zum Beispiel ein Biosphärenreservat, das eben auch eine beschränkte Nutzung zulässt."

Reinhard Mosandl, TU München

Das war Wasser auf die Mühlen von Josef Ziegler Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes. Er war gegen eine zentrale Naturschutzinvestition in einen Nationalpark. Vergleiche man einen Nationalpark mit dem Bau einer Kathedrale, würden die Waldbesitzer das Geld "gerne dezentral in die Dorfkirchen stecken", sagte er. Auch Unterfrankens Bauernverbandspräsident Bernhard Weiler mahnte, ein bewirtschafteter Wald könne deutlich mehr CO2 speichern als ein nicht bewirtschafteter Wald.

Machbarkeitsanalysen fehlen noch

Bei der bayerischen Nationalparksuche fehlen Machbarkeitsanalysen für alle, theoretisch möglichen, fünf Standorte. Bund-Naturschutz-Vorsitzender Hubert Weiger forderte dabei ausdrücklich "eine faire Chance für einen Nationalpark im nörlichen Steigerwald.

Dies wurde von der Staatsregierung bisher ausgeschlossen. Obwohl der Steigerwald nach Meinungsumfragen und laut einer Mehrheit von Experten genauso geeignet wäre wie der Spessart. Beim Spessart gibt es außerdem wegen verbriefter Holznutzungsrechte größeren örtlichen Widerstand. Doch noch sondiert die Staatsregierung erst einmal über einen Bürgerdialog die Stimmung in Bayern für einen dritten Nationalpark.


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Florian Tully, Sonntag, 19.März, 18:41 Uhr

1. Steigerwald Nr. 1

Es muss sachlich überprüft werden, ob der Steigerwald für einen Nationalpark geeignet ist. Es wird bisher durch Lokalpolitiker und Lobbyisten verhindert, dass die Fakten auf den Tisch kommen.