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Sprengstoffanschläge in Dresden Polizei vermutet fremdenfeindliches Motiv

Das Sonderdezernat "Politisch motivierte Kriminalität" untersucht die beiden Anschläge von Dresden. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der Stadt wurden derweil vorzeitig in Kraft gesetzt.

Von: Axel Köhn

Stand: 27.09.2016

Nach den Anschlägen vor einer Moschee und dem Dresdner Kongresszentrum hat nun die Generalstaatsanwaltschaft Dresden die Ermittlungen übernommen, es wurde ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Das Sonderdezernat "Politisch motivierte Kriminalität" untersucht die Fälle, da der Verdacht einer politisch motivierten Straftat derzeit nicht ausgeschlossen werden kann.

"Das ist ein feiger Anschlag, und deshalb ist es Aufgabe der Polizei, alles daran zu setzen, dass der oder die Täter, die die Verantwortung dafür haben, entsprechend schnell identifiziert und einer gerechten Strafe zugeführt werden."

Sachsens Innenminister Markus Ulbig

Nach Angaben des Dresdner Polizeipräsidenten Horst Kretzschmar gibt es bisher kein Bekennerschreiben. Zumindest bei dem Anschlag auf die Moschee müsse aber von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen werden. Der Dresdner Polizeipräsident Kretzschmar erklärte, man unterstütze das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ):

"Wir ermitteln auf Hochtouren. Das kann ich Ihnen hier versprechen. Wir haben die Ermittlungen des OAZ mit unseren Ermittlungen verstärkt. Und es ist heute zu diesem Zeitpunkt einfach zu zeitig, zu bestimmten Ermittlungsergebnissen irgendeine Information zu geben, weil wir am Ende dadurch auch die Ermittlung selbst gefährden würden."

Horst Kretzschmar, Polizeipräsident Dresden

Langes Schweigen über die Anschläge

Laut Polizeipräsident Kretzschmar werden nun die drei Moscheen, eine Begegnungsstätte und ein Gebetsraum in Dresden bewacht. Die Sprengsätze, so schätzt er es ein, seien professionell gewesen. Nicht so professionell – solche Vorwürfe gab es heute – habe die Polizei mit ihrer Informationspolitik agiert. Nach den Anschlägen gegen 22 Uhr sei die Öffentlichkeit erst heute Morgen um 8 Uhr informiert worden. Der Polizeipräsident nennt die Gründe dafür.

"Das war meine Entscheidung. Ich wollte schon wissen, welche Ermittlungsansätze sich ergeben. Wir hatten Fahndungsmaßnahmen, vielleicht hätten die Fahndungsmaßnahmen zu einem Treffer geführt. Und es gab Anhaltspunkte dafür und deshalb habe ich mich für den Zeitpunkt der Pressemitteilung gegen 8 Uhr entschieden."

Horst Kretzschmar

Sicherheitsmodus schon vor dem Tag der Deutschen Einheit 

Die Anschläge auf die Moschee und das Internationale Kongresszentrum fanden genau während der letzten Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden statt. Am kommenden Wochenende erwartet die sächsische Landeshauptstadt hunderttausende Besucher – und am Montag auch den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin. Die Reaktion des Innenministers und der Polizei lautet jetzt:

"Wir haben entschieden, dass das, was für den 3. Oktober oder für das Festwochenende vorgesehen war, zeitlich vorgezogen wird. Das bedeutet also, der Einsatzmodus hat diese Nacht begonnen. Der Kontrollbereich für das Festgelände wird entsprechend eingerichtet."

Innenminister Markus Ulbig

Bis zum Wochenende soll die Zahl der Polizeibeamten bis auf 2.600 erhöht werden. Rund um die Innenstadt werden insgesamt 1.400 massive Betonsteine verteilt, um Anschläge mit Fahrzeugen wie in Nizza zu verhindern. Trotzdem wirbt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert für den Besuch des Festwochenendes. Tätern solcher Anschläge wie in der vergangenen Nacht sollte nicht dadurch Recht gegeben werden, dass man sich nun einschränke.

Entsetzen nach Dresdner Anschlägen

Die beiden Sprengstoff-Attentate wurden allgemein verurteilt. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sprach von einem Anschlag auf die Religionsfreiheit. Die Täter hätten den Tod von den Menschen in Kauf genommen, die in der Moschee waren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière, zu Gast auf dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschsen Islamkonferenz in Berlin, nannte den Vorfall empörend.


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Konjevic, Mittwoch, 28.September, 09:57 Uhr

21. Anschlag

Vielleicht waren das katholische Fundamentalisten, Extremisten ohne Kopftuch ?

civis ignobilis, Dienstag, 27.September, 21:28 Uhr

20. Professionell?

Ich habe mir die Bilder vom Anschlagsort genau angeschaut. Die Sprengwirkung war wohl eher gering, da nur die Eingangstür der Moschee beschädigt wurde, die beiden Fenster gleich daneben aber unversehrt blieben. Am Kongresszentrum wurde eine Glasscheibe nur an der Stelle eingedrückt, an der der Sprengkörper abgelegt worden war. Man sieht in beiden Fällen starke Rußspuren, was für mich als Laien auf Schwarzpulver (oder so etwas in der Art) hinweisen würde, vielleicht aus zerlegten "Polenböllern". Von "professionellen" Tätern kann man wohl nicht ausgehen, eher von Wirrköpfen, die mit relativ geringen Mitteln Aufsehen erregen wollten. Jeder professionelle Terrorist wird über die angerichteten Schäden gewiss nur schmunzeln. Dennoch sollten diese Taten sorgfältig untersucht und möglichst schnell aufgeklärt werden, da es sich dabei nicht um ein "Kavaliersdelikt" handelt, auch wenn erfreulicherweise keine Menschen zu Schaden kamen.

  • Antwort von Manfred, Dienstag, 27.September, 23:14 Uhr

    "professionelle Terrorist" finde ich eine etwas skurrile Formulierung. ;)

    Aber egal: Dem Inhalt nach stimme ich Ihnen zu. Ein richtig geplanter Terrorakt sieht anders aus, aber auch das können die Rechtsextrimisten, wie uns zumindest seit dem 26.09.1980 bekannt sen dürfte.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 28.September, 00:24 Uhr

    Und? Was wollen Sie mir damit suggerieren? Nazis sind zu blöd professionelle Terroranschläge auszuüben? Ach wäre es schön, hätten sie Recht!

  • Antwort von civis ignobilis, Mittwoch, 28.September, 07:33 Uhr

    Ihnen möchte ich gar nichts suggerieren (ich habe Sie nicht einmal angesprochen). Ich möchte aber allen Lesern damit sagen, dass der oder die Täter es erfolgreich geschafft haben, eine mediale Aufmerksamkeit zu erhalten, die in keiner Relation zur "Professionalität" der Tat oder zum angerichteten Schaden steht. Diesen Schaden hätte ich auch mit einem Vorschlaghammer anrichten können, dazu bedurfte es keiner "Bombe". Hier waren offensichtlich Amateure (um Sie zu zitieren: "zu blöd") am Werk, was aber keine Entschuldigung für das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion ist. Wie Sie wohl wissen dürften, lehne ich persönlich Gewalt und Brandstiftung von jeder (!) politischen Seite grundsätzlich ab.

Thiessen, Dienstag, 27.September, 20:43 Uhr

19. Sprengstoff-Attentate

Ja, die Sprengstoff-Attentate sind empörend, aber nicht weniger empörend ist die Politik die der Regiering treibt. Die ganze politik im Lande ist ja eine Kriegstreiberische. Und das wegen wundert sich niemand mehr über dieses geschehen, ausser die Politiker selbe. Erst rufen sie auf das sich das Vilk an den Anschlägen gewönen soll und wen das dann geschiet, dann mache sie dumme gesichter. Das ist eine Schande das die Politiker das Volk so in die enge getrieben haben, das es zu Atentaten kommen musste.

  • Antwort von wm, Dienstag, 27.September, 21:47 Uhr

    @Thiessen

    In einem Punkt haben Sie Recht,die derzeitige Politik ist empörend!
    Aber nehmen Sie es mir nicht übel,Ihr Geschriebenes ist ein Attentat auf die Orthographie.

  • Antwort von Truderinger, Dienstag, 27.September, 22:26 Uhr

    Ein sehr durchschaubarer Versuch, rechtsextremen Terror zu relativieren!

Johannes, Dienstag, 27.September, 20:36 Uhr

18. Dresden

Auch wenn alle Anschläge der letzten Zeit von Islam gebrägten Menschen ausgingen, verurteile ich diesen Anschlag aufs schärfste. Alle Menschen sind Brüder. Unser Herrgott ist christlich. Daher der Name Christus. Auch wenn Moslems immer wieder Anschläge auf Christen und auf christliche Werte machen so gibt es doch keine Berechtigung dem gleich zu tun. Ich glaube unsere Politiker verraten unseren Glauben. Deshalb bedanke ich mich von ganzem Herzen bei der AfD, die unsere Werte noch schützt. Vielen Dank an die AfD und an Frau Petry, Gott schütze sie. Ich schließe sie ein in meinem Gebet, bleiben sie wie sie sind, - Danke

  • Antwort von Truderinger, Dienstag, 27.September, 22:31 Uhr

    Der Amoklauf in München wurde von einem AfD-Bewunderer verübt und hat nichts mit dem Islam zu tun. Petry und ihre Kumpane sind die geistigen Brandstifter, die diesen Horror mit zu verantworten haben. Genau wie in Dresden!

  • Antwort von Rumplhanni, Dienstag, 27.September, 22:57 Uhr

    @Johannes, das sehe ich ebenso, selbst wenn „mein Heiligenschein schief sitzt“.

    AfD Petry warnt aufgrund des Vorfalls mit Recht vor „verbaler Eskalation“. Sei dürfte nicht die Einzige sein.

    Auzug Ö-Krone: Silvio Viale, Politiker der Partei Radicali Italiani (Ital. Radikale) und Atheist, übte scharfe Kritik an der Journalistin“ (43-j.kreuztragende Venezianerin) "Freiheit für unsere Symbole!" und "Es ist ein Wahnsinn, wenn man jetzt angeprangert wird, weil man ein Kreuz am Hals trägt - Lega-Nord Salvini (Rechtsparteien)

    HEUTE würde ich noch keine AfD wählen -etwas rebellisch, politisch noch nicht fassbar, aber vieles klingt ehrlich, man sortiert sich selbst erst entsprechend. Wer dahinter steht ist aber ebenso viel oder wenig glaubwürdig wie Politiker anderer Parteien. Die richtige Richtung, aber viele „falschen Zeichen“ der momentanen Politik sehen zuviele. Wie Wähler haben auch Politiker schon immer Parteien gewechselt. Entscheidend sind nicht nur Protest-, auch Wechselwähler

  • Antwort von PeterZä, Mittwoch, 28.September, 09:41 Uhr

    Lieber Truderinger, ehrlich?
    Recherchieren sie mal über den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten und warum der Iran da eine Sonderrolle einnimmt.
    Dann wird ihnen auch klar warum der iranische (Schiiten) "David" (übrigens heisst er ja Ali) von seinen muslimischen! Mitschülern (Sunniten) in die Psychiatrie gemobbt wurde und er sich in Rachefantasien bis hin zum Amoklauf hinein gesteigert hat.
    Dieser Konflikt ist auch der Grund für die ganzen Terror..., äh Bürgerkriege im nahen Osten.
    Natürlich ist die mediale Metamorphose zum petrywählenden Superarier für ein einfaches Hirn deutlich leichter zu schlucken.
    Machen sie sich doch einfach weiterhin die Welt wiedewiedewit die ihnen gefällt.

M, Dienstag, 27.September, 18:41 Uhr

17. Typisch BR

Polizei: ...Verdacht einer politisch motivierten Straftat derzeit nicht ausgeschlossen werden kann. Aber die Überschirft lautet: Polizei vermutet fremdenfeindliches Motiv.