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DLD-Konferenz Kommt die Revolution im Lieferservice?

Vertreter von Google und Amazon treffen auf BMW, die Allianz und natürlich viele Startups. So ist das aktuell in München bei der jährlichen DLD-Internetkonferenz vom Hubert Burda Medienkonzern. Was wird sich für die Kunden ändern?

Von: Wolfgang Kerler

Stand: 19.01.2016

"Gang of Four"

Die "Gang of Four" ist sein Thema, die Gruppe der vier IT-Riesen Amazon, Apple, Facebook und Google. Auf der Münchner Bühne steht Scott Galloway, Professor an der New York University und Experte für die digitale Wirtschaft. Beim Zuhören kann einem schwindlig werden. Erstens, weil Galloway in einem Wahnsinns-Tempo durch seinen Vortrag hetzt. Und zweitens, weil Google & Co. nie geahnte Dimensionen erreicht haben.

Der Marketing Produzent mit Felljacke und Perücke

"Die Tech-Konzerne werden größer als je zuvor werden und den Planeten auffressen. An der Börse sind Amazon, Apple, Facebook und Google jetzt schon 1,85 Billionen Dollar wert. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Kanada."

Scott Galloway, Professor an der New York University

Online-Shopping und Suchmaschine

Mit Online-Shopping oder einer Suchmaschine zum mächtigen Weltkonzern. Was aber wird das nächste große Ding? Scott Galloway verrät, welche der zurzeit hochgejubelten Technologien es aus seiner Sicht nicht werden: das Internet der Dinge, zum Beispiel. Viele simple Geräte funktionierten schließlich perfekt, ohne online zu sein, meint er. Auch 3D-Drucker sind für ihn nicht massentauglich. Wieso selbst etwas drucken, was man sowieso online bestellen kann?

Wenig Chancen sieht Galloway für solche Brillen

"Außerdem gehe ich davon, dass die 'Virtuelle Realität' kein so wichtiger Markt werden wird, wie manche das glauben. Ich vermute, dass die Leute keine 'Virtual Reality'-Brillen anziehen wollen. Also wird es wohl ein Nischenprodukt bleiben."

Scott Galloway, Professor an der New York University

Der große Wurf -"The Next Next“

Neben YouTube oder Uber schickten auch BMW, die Allianz und große Medienhäuser hochrangige Vertreter. Doch vieles klingt eher nach Evolution als nach Revolution. Zum Beispiel die Ankündigung von Jan Koum, dem Gründer des Kurznachrichtendienstes WhatsApp:

Jan Koum

"Heute geben wir bekannt, das WhatsApp für Nutzer kostenlos sein wird. Wir werden nicht mehr einen Dollar pro Jahr verlangen."

Jan Koum, Gründer von WhatsApp

Keine Gebühren für WhatsApp

Vor knapp zwei Jahren hatte WhatsApp ein Abo-Modell für neue Nutzer eingeführt. Seitdem fallen in Deutschland 89 Cent Gebühr jährlich ab dem zweiten Jahr an.  Nicht mehr lang. Außerdem will Koum jetzt auch Unternehmen als Kunden gewinnen. Mit WhatsApp hat Koum die traditionelle SMS ins Jenseits befördert.

Auflösung des linearen Fernsehens

Reed Hastings, ein weiterer Stargast der Konferenz, nimmt das klassische lineare Fernsehen ins Visier. Er ist Gründer von Netlflix, dem weltweit expandierendem Videoportal. Dessen Abonnenten können online jederzeit Serien und Filme anschauen. Noch in diesem Jahr soll auch die erste eigene Serie aus Deutschland kommen.

Hastings sieht wenig Chancen für das lineare Fernsehen der Zukunft

"Wir sind jetzt in der ganzen Welt vertreten, außer in China. Und was wir bei unseren neuen Serien feststellen, ist das sie alle international sehr beliebt sind."

Reed Hastings, Netflix

Auch das klingt eher nach Evolution

Eine kleine Revolution gibt es aber doch noch. Sie rollt zwischen den Konferenzbesuchern über den Fußboden. Sechs Räder, rundlicher Körper,eine blinkende Antenne. Der Starship Roboter, erfunden von Ahti Heinla, der hat auch schon den Video-Telefonie-Dienst Skype gegründet:

"Es ist ein kleiner, leichter Roboter, der ein Paket transportieren kann und auf dem Gehweg fahren kann. Er ist freundlich und sicher und liefert Ihr Paket bis vor die Haustür."

Ahti Heinla, Starship Technologies

Seine Idee: Solche Roboter sollen in Zukunft das letzte Stück der Paketzustellung übernehmen. Wenn der Kunde nachhause kommt, kann er per App Bescheid geben. Dann rollt der Roboter in der nächsten Paket-Sammelstelle los. Selbstständig und rund um die Uhr. Schon 2016 starten die ersten Tests. Bis in Deutschland die ersten Paket-Roboter auf dem Gehweg fahren, dürfte es aber noch etwas länger dauern…

  • Wolfgang Kerler, BR  Autor und Reporter, tätig für die Redaktionen Wirtschaft (FS), Politik und Hintergrund (HF) sowie kontrovers (FS) | Bild: BR / Julia Müller Wolfgang Kerler

    Autor und Reporter für die Wirtschaftsredaktionen TV und Hörfunk sowie BR Recherche


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