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Dieter Hildebrandt Kabarett im Fernsehen

Stand: 28.08.2011 | Archiv

Dieter Hildebrandt und Bruno Jonas im "Scheibenwischer" (2003) | Bild: picture-alliance/dpa

Hildebrandt ist nach 16 Jahren "Lach- und Schieß"-müde. 1972 absolviert er mit der Gruppe sein letztes Programm: "Der Abfall Bayerns".

Notizen aus der Provinz

Doch der agile Hildebrandt hat sofort einen neuen Job: Ab 1972 macht er für das ZDF die "Notizen aus der Provinz". Satire wird damit zum ersten Mal speziell fürs Fernsehen mit festem Sendeplatz produziert. Bis 1979. Denn 1980 ist Bundestagswahl: ZDF-Intendant Dieter Stolte verordnet Hildebrandt eine "Denkpause" - wohl auf Druck rechter Politiker. Für den bayerischen CSU-Ministerpräsidenten war die Satiresendung ohnehin nichts als "politische Giftmischerei". Nach 66 Folgen "Notizen aus der Provinz" ist 1979 Schluss.

Scheibenwischer

Für Hildebrandt kein Problem - der Sender Freies Berlin (SFB) bietet ihm zusammen mit der Crème de la Crème des deutschen Kabaretts sofort ein neues Forum: den "Scheibenwischer". Hildebrandt prägt ihn 23 Jahre lang: von 1980 bis zu seinem Ausstieg 2003, acht Folgen pro Jahr. Der "Scheibenwischer" wird zur am längsten bestehenden Satiresendung der deutschen Fernsehgeschichte. Erst 2009 wird er vom "Satire Gipfel" abgelöst.

Ein ungeheurer Erfolg, den Angriffe aus der Politik, meist aus den Reihen von CDU und CSU, nur noch vergrößerten. So 1982, als die CSU wegen der Sendung "Unser Rhein-Main-Donau-Kanal" tobt. Hildebrandt thematisiert darin zusammen mit Gerhard Polt das umstrittene, von der bayerischen Regierung durchgedrückte Kanalprojekt, das von Korruptionsvorwürfen begleitet ist.

2. Oktober 2003: Hildebrandt im letzten "Scheibenwischer"

1986 kommt es wieder zum Eklat, als nach dem Tschernobyl-Atomgau im "Scheibenwischer" ein verstrahlter Großvater auftaucht. Auf Weisung von Fernsehdirektor Helmut Oeller blendet sich der Bayerische Rundfunk aus dem ARD-Verbund aus: wegen "nicht gemeinschafts-verträglicher Elemente".

Aber die Geschichte geht durch die Presse, Hildebrandt-Fans organisieren öffentliche Videovorführungen, eine bessere Werbung als den TV-Ausstieg des BR kann sich Hildebrandt nicht wünschen. Insgesamt macht er 145 Folgen "Scheibenwischer", bis er sich 2003 vom Fernseh-Kabarett verabschiedet.


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