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Autoindustrie in der Diesel-Krise Zulieferer unter Druck

Trotz Diesel-Krise und Kartellvorwürfen – bisher geht es den meisten deutschen Autoherstellern wirtschaftlich noch blendend. Für das erste Halbjahr haben die Unternehmen teilweise deutliche Zuwächse bei Absatz und Gewinn gemeldet. Auch die großen Zulieferer geben sich optimistisch. Mehrere Studien zeigen aber, dass die Branche vor einem massiven Wandel steht. Die Fixierung auf den Verbrennungsmotor könnte zum Risiko werden.

Von: Stefan Lina

Stand: 10.08.2017

ARCHIV - Der Produktionsmitarbeiter Igor Spomer verpackt am 29.07.2014 in der Produktion des Autozulieferer ElringKlinger in Dettingen an der Erms (Baden-Württemberg) Ölwannen aus Kunststoff. (zu dpa: «Halbjahreszahlen ElringKlinger» vom 07.08.2017) Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Kahnert

So deutlich hatte es bisher kaum ein Topmanager aus der Autobranche ausgesprochen: Die nächste Generation von Verbrennungsmotoren könnte gleichzeitig die letzte sein. Das sagte Wolfgang Schäfer, Finanzvorstand des Zulieferers Continental in der vergangenen Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen. Er sieht dafür vor allem Kostengründe:

"Danach wird wahrscheinlich eine Weiterentwicklung gar nicht mehr wirtschaftlich vertretbar sein."

Wolfgang Schäfer, Continental

Automatisches Fahren im Test bei Continental in Lindau

Wegen immer strengerer Abgasgrenzwerte weltweit wird es zunehmend kostspieliger, entsprechend saubere Verbrennungsmotoren zu entwickeln und zu bauen. Ein Aufwand, der sich für die Hersteller irgendwann nicht mehr lohnt, so Schäfer. Zumal der langfristige globale Trend weg zum Beispiel von großen SUVs hin zu kleinen Autos und vor allem zur Elektromobilität gehen dürfte, so das Ergebnis mehrerer aktueller Studien. Für viele der heutigen Branchenführer in der Zulieferindustrie könnte diese Entwicklung das Aus bedeuten.

2030 mehr als Hälfte der Autos mit Stromantrieb? 

So geht der US-Experte Paul Eichenberg davon aus, dass bereits im Jahr 2030 mehr als die Hälfte aller weltweit gebauten Autos einen Elektro- oder Hybridantrieb haben werden. Sollten sich die großen Zulieferer nicht schnell genug auf diesen Trend einstellen, dann dürften sie bedeutungslos werden, so Eichenberg, der vor seiner Zeit als Unternehmensberater als Stratege für den Branchenriesen Magna gearbeitet hatte. Ein Grund sei kurzfristiges Denken:

"Die Elektrifizierung der Fahrzeuge kommt viel schneller, als Industrie-Analysten es erwartet haben. Viele Firmenchefs sind so konzentriert auf ihre Quartalsergebnisse, dass sie die Zukunft nicht im Blick haben."

Paul Eichenberg im Branchenblatt Automotive News.

Auch die Unternehmensberatung McKinsey spricht in einer aktuellen Studie von gewaltigen Herausforderungen für die oft traditionell orientierten Unternehmen.

"Automobilzulieferer müssen ihre Strategien an das veränderte Umfeld anpassen, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagt Andreas Cornet, einer der Autoren der Studie. Nur wenn sie sich auf den rasanten Wandel einstellen, hätten sie eine Chance. Auf der anderen Seite gebe es für die Branche auch riesiges Potential. McKinsey schätzt, dass sich der globale Zuliefer-Markt innerhalb weniger Jahr auf 2 Billionen Euro ungefähr verdoppeln wird. Schon jetzt spalte sich die Industrie in agile und hoch rentable Firmen auf der einen und deutlich langsamere Unternehmen auf der anderen Seite auf.

Erfolg mit Chips und Kabeln

Kabel gehen gut

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Quartalsberichte der großen deutschen Autozulieferer. Tendenziell meldeten diejenigen Unternehmen starkes Wachstum, die auf Trends wie Elektromobilität und digitale Vernetzung im Fahrzeug setzen. So berichteten Firmen wie Leoni oder Infineon von sprunghaft gestiegenen Bestellungen von Kabelsystemen oder Chips für die Elektroniksteuerung. Der breit aufgestellte Branchenriese Continental sprach von einem Boom bei Fahrerassistenzsystemen, während es im Traditionsgeschäft etwa mit Reifen merklich langsamer voranging.

Allerdings droht gerade bei High-Tech-Systemen neue Konkurrenz. Firmen aus der Unterhaltungselektronik und der Chemie drängen verstärkt ins Autogeschäft. So stammt der größte Teil Elektronik im Chevrolet Volt nicht von herkömmlichen Zulieferern, sondern vom koreanischen LG-Konzern, den man in Deutschland vor allem als Hersteller von Handys und Bildschirmen kennt.


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