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Was uns 2018 fehlen wird Die spektakulärsten Italien-Spiele der WM-Geschichte

Italien verpasst nach 60 Jahren zum ersten Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft. Gut für Deutschland - weil gegen die "Squadra Azzurra" noch nie ein WM-Sieg gelang. Schlecht für die Fußball-Welt - weil Italien immer Garant für spektakuläre Spiele war.

Von: Bernd Eberwein

Stand: 14.11.2017

Fußball: WM-Qualifikation, Italien - Schweden, Europa, Play-off-Runde, Finale, Rückspiele, 13.11.2017 in Mailand: Italiens Mannschaft nach dem Ausscheiden. Foto: Luca Bruno/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk

Bei der WM-Premiere 1930 fehlte Italien noch. 1934 trat Italien dann als Gastgeber an - und gewann gleich den Titel. Im Finale gewann Italien 2:1 nach Verlängerung gegen die Tschechoslowakei. Allerdings war die Partie von Bestechungsvorwürfen überschattet. Der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind drückte doch einige Augen zu gegenüber der teilweise überharten Spielweise der Italiener. Deutschland scheiterte, ebenfalls beim WM-Debüt, im Halbfinale mit 1:3 am späteren Titelträger.

1938 - Italien verteidigt den Titel

Bei der insgesamt dritten Fußball-Weltmeisterschaft sicherte sich Italien den zweiten Titel. 4:2 siegte die "Squadra Azzurra" am 19. Juni 1938 im Stade de Colombes in Frankreich gegen Ungarn. Deutschland kam bei dieser WM nicht einmal im Ansatz in die Nähe der Italiener: Das Team schied schon in der ersten Runde in einem Wiederholungsspiel gegen die Schweiz aus.

1962 - erstes WM-Spiel gegen Deutschland

1958 verpasste Italien - so spektakulär wie heute - die WM. Bei der Endrunde 1962 kam es dann zum ersten Aufeinandertreffen mit Deutschland. 0:0 trennten sich die Rivalen am 31. Mai 1962 in Santiago de Chile.

1966 - peinliches Vorrunden-Aus

Am 19. Juli 1966 war die WM in England für den damals zweifachen Weltmeister vorzeitig beendet. Im Ayresome Park in Middlesbrough verlor der hohe Favorit Italien sensationell 0:1 gegen Nordkorea. Weil es drei Tage zuvor bereits eine Niederlage gegen die Sowjetunion gesetzt hat, musste Italien als Vorrundendritter die Koffer packen.

1970 - das "Jahrhundertspiel"

17. Juni 1970, Anstoß 16.00 Uhr, Mexiko-Stadt: Italien und Deutschland lieferten sich ein WM-Halbfinale, das als "Jahrhundertspiel" in die Geschichtsbücher einging. Erst in der 90. Minute glich Schnellinger Italiens Führung durch Boninsegna (8.) aus. Was danach folgte war ein Fußball-Thriller. 1:2 Müller (95.), 2:2 Bugrnich (99.), 3:2 Riva (104.), 3:3 Müller (110.), 4:3 Rivera (111.). Italien zog ins Finale ein - und musste dem Kräfteverschleiß Tribut zollen. Beim 1:4 gegen Brasilien war die "Squadra Azzurra" chancenlos.

1978 - Aufeinandertreffen in der Zwischenrunde

Am 14. Juni 1978 in Buenos Aires war die Welt für die Deutschland und Italien noch in Ordnung. 0:0 trennten sich die Rivalen im ersten Spiel der Zwischenrunde. Doch während sich später Italien durch einen Sieg gegen Österreich Platz zwei in der Gruppe und den Einzug in die Finalrunde sichern konnte, strauchelte Deutschland als Gruppendritter - nach einem 2:3 gegen Österreich. "Córdoba" - bis heute steht der Spielort synonym für eine der größten Pleiten des deutschen Fußballs.

1982 - Italiens dritter WM-Titel

Selbst ein verschossener Elfmeter beim Stand von 0:0 brachte Italien nicht vom WM-Kurs ab. 3:1 siegte das Team am 11. Juli 1982 in Madrid gegen Deutschland. Die von Jupp Derwall betreute DFB-Elf konnte Italien nach einem kräftezehrenden Halbfinale gegen Frankreich (Sieg erst im Elfmeterschießen) nur eine Halbzeit Paroli bieten. In der zweiten Hälfte setzten sich die konterstarken Italiener überlegen durch.

1990 - Aus im Halbfinale bei der Heim-WM

1:0 geführt und am Ende im Elfmeterschießen verloren: Die Heim-WM endete für Gastgeber Italien am 3. Juli 1990 in Neapel. Argentinien - obwohl in der Verlängerung fast 20 Minuten in Unterzahl - rettete sich ins Elfmeterschießen und beendete dort alle WM-Träume Italiens. Weltmeister wurde Deutschland, wodurch die DFB-Elf nach Titelgewinnen (drei) mit Italien gleichzog.

1994 - wieder eine Niederlage im Elfmeterschießen

Wie schon 1990 musste Italien eine Niederlage im Elfmeterschießen hinnehmen, diesmal sogar im Finale. Ausgerechnet Roberto Baggio, mit fünf Treffern Italiens erfolgreichster Torschütze bei der WM, scheiterte im allerletzten Versuch. Brasilien sicherte sich den vierten WM-Titel und krönte sich zum alleinigen Rekord-Weltmeister vor Italien und Deutschland (je drei Titel).

2006 - Italien beendet das "Sommermärchen"

Dortmund, 4. Juli 2006: Nach 1970 trafen Deutschland und Italien zum zweiten Mal in einem WM-Halbfinale aufeinander. Und wieder mit dem besseren Ende für Italien. Grosso (119.) und Del Piero (120.+1) besiegelten das WM-Aus von Gastgeber Deutschland. Im Finale von Berlin fünf Tage später krönte sich Italien durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich zum vierten Mal zum Weltmeister. Danach folgten nur noch WM-Enttäuschungen: 2010 und 2014 jeweils das Aus in der Vorrunde, 2018 die verpasste WM.


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Kommentare

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urs, Dienstag, 14.November, 18:12 Uhr

5.

Ob mit oder ohne Fussball - das Leben geht trotzdem weiter - und zwar viel besser.

187, Dienstag, 14.November, 17:48 Uhr

4. Ich freue mich

Ich freue mich, dass Italien ausgerechnet an einer Nation wie Schweden gescheitert ist. Und ich freue mich auf eine Faire WM ohen nur foul spielende Italiener.

Peter, Dienstag, 14.November, 14:35 Uhr

3. Was uns fehlen wird

wir aber nicht vermissen werden:

Totales umzingeln des Schiedsrichters und wildes Handgefuchtele wenn irgendwas nicht passt.
Italienische Fouls vom feinsten und Schiedsrichterbedrängen wenn er Sanktionen verhängen will.
Oskarreife Schmerzdarstellungen bei der kleinsten Berührung (manchmal auch komplett ohne) und kollektive Schiedsrichterbedrängung damit der brutale Gegner bestraft wird inklusive Wunderheilungen wenn der Schiri dann doch endlich das macht was Italien will.

Ich freue mich stattdessen auf Sportlichkeit und Fairness, Gleichbehandlung aller Spieler und Mannschaften und vielleicht sogar auf ein paar gute Spiele.

  • Antwort von 187, Dienstag, 14.November, 17:50 Uhr

    Kann ihnen nur recht geben. Sobald ein Italienischer Spieler einigermasen gut foulen kann wird er in die Nationalelf berufen.

kleine Anmerkung zum Jahrhundertspiel, Dienstag, 14.November, 13:18 Uhr

2.

Dieses Spiel sahen im Aztekenstation 102.000 Zuschauern und die Fußballer spielten 2 Stunden lang in 2.300 m Höhe, also fast Zugspitzniveau. Im Aztekenstation erinnert eine Gedenktafel an dieses denkwürdige Spiel.

  • Antwort von EMGI, Dienstag, 14.November, 15:39 Uhr

    Dazu noch folgende Anekdote: bei Besuch in Cambridge in England vor ein paar Jahren Gespräch dort mit Studenten. Die waren begeistert vom Oktoberfest in München. Sie würden sich da auch immer etwas verkleiden. Ja wie denn? Als Beckenbauer zum Beispiel. Wie das denn aussähe. Na zum Beispiel den Arm in einer Binde tragen. Wir erinnern uns: Deutschland konnte nicht mehr auswechseln und Beckembauer spielte mit gebrochener Schulter oder Arm dann noch bis zum bitteren Ende durch. Das ist wirklich britischer Sportenthusiasmus vom Feinsten. Keiner von denen war 1970 auf der Welt.

Kritikwürdig , Dienstag, 14.November, 13:03 Uhr

1. Der italienische Weg gegen die FIFA Korruption

Ich finde es sehr ehrenwert von Italien, dass sie diesem korrupten Spielort fern bleiben möchten. Das verdient Anerkennung.
Vielleicht machen die Spieler in der WM Pause einfach Urlaub an der Holländischen Nordsee.
Auch Holland muss man für den Teilnahmeverzicht loben. So sollten Demokratien handeln. Schade, Deutschland hat diesen Weg nicht genutzt. Aber vielleicht wird man das bei der Weihnachts- WM in Betracht ziehen, damit nicht noch mehr Wintersportarten unter die Räder des Fußballsport geraten ;-)