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Dschihadist schwer verletzt Zweifel am Tod von Denis Cuspert

Tot oder nicht? Das US-Verteidigungsministerium sagt, der Dschihadist und frühere Berliner Rapper Denis Cuspert sei ums Leben gekommen. Zweifel bleiben allerdings.

Von: Joseph Röhmel

Stand: 30.10.2015 | Archiv

Denis Cuspert | Bild: pa/dpa/SITE Intelligence Group

Seit Tagen wird darüber berichtet: Ein Fahrzeug des 39-jährigen Denis Cuspert soll am 16. Oktober in der Region von Tabkah unweit von Al-Rakka bei Luftschlägen getroffen worden sein. Dabei sei Cuspert ums Leben gekommen.

Im Internet kursieren Bilder des ehemaligen Rappers, wie er blass und schwer verletzt auf einer Bahre liegt. Doch diese Bilder stammen aus dem Jahr 2013. Damals wurde Cuspert bei einer Detonation am Kopf verletzt, überlebte den syrischen Angriff nur knapp.         

Gerade Videos und Bilder im Internet können täuschen. Der sogenannte Islamische Staat kennt die manipulative Wirkung. Erst kürzlich hat die ARD darüber berichtet, wie die Terrormiliz Videos nutzt, um Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten.

Blog zweifelt am Tod

Früher Rapper, jetzt Dschihadist: Denis Cuspert

Das US-Verteidigungsministerium behauptet, Cuspert sei getötet worden. Deutsche Behörden halten sich auf BR-Anfrage zurück. Das Bundesamt für Verfassungsschutz will "weder etwas bestätigen, noch dementieren". Der Bundesnachrichtendienst möchte nichts dazu sagen.

Der Blog Erasmus Monitor, der die dschihadistische Szene intensiv beobachtet, berichtet, Denis Cuspert sei laut Quellen bei dem Luftangriff lediglich schwer verletzt worden. Mehre IS-Anhänger hätten auf Anfrage des Blogs dementiert, der frühere Berliner Rapper sei dabei ums Leben gekommen. Cuspert habe schwerste Verletzungen davon getragen. Er liege im Koma. Unbekannt sei sein aktueller Zustand.  

Cuspert - der Propagandist

Zu Cusperts engstem Umfeld in Syrien zählt unter anderem der österreichische Dschihadist Mohammed Mahmoud. Er gilt als Spiritus Rector des Islamisten. Er hat sich noch nicht geäußert. Auch deshalb bleibt unklar, ob die Nachricht vom Ableben Cusperts wirklich zutrifft.  

Cuspert ist einer der bekanntesten IS-Kämpfer aus Deutschland. Im Internet wirkt er als Propagandist. In zahlreichen Videos hat er schon zu Gewalt aufgerufen und mit islamistischen Anschlägen gedroht. Die USA setzten den gebürtigen Berliner auf ihre Terroristenliste. Offenbar hat er auch enge Kontakte in die Führung der Terrormiliz, sein Einfluss dürfte aber gering sein.   

Eine dschihadistische Karriere

Bild aus dem Jahr 2012: Denis Cuspert betet.

"Seit 2007 präsentierte Cuspert sich als gläubiger Muslim. Spätestens Anfang 2010 entstanden Kontakte zur Berliner Al-Nur-Moschee. Die Moschee in einem Gewerbegebiet in Berlin-Neukölln machte Schlagzeilen mit Auftritten von Hasspredigern und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Damals entstand ein Video, das Cuspert im Gespräch mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel zeigt.

Mitte 2012 reiste Cuspert zunächst nach Ägypten aus, ein halbes Jahr später zog er weiter nach Syrien. Er schloss sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Im September 2013 wurde er - offenkundig bei einem Luftangriff des syrischen Militärs - schwer am Kopf verwundet. Im selben Monat erhob die Staatsanwaltschaft in Köln in Abwesenheit Anklage gegen Cuspert wegen Sachbeschädigung. Er soll einem Reporter in einer Moschee eine Filmkamera entrissen und diese auf den Boden geworfen haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Cuspert schon damals als untergetaucht galt." (Quelle: dpa)

  • Hände schreiben auf einer Tastatur | Bild: colourbox.com Joseph Röhmel

    Joseph Röhmel ist Reporter und Autor in den Redaktionen BR24 und Bayern. Schwerpunkt: Radikale Interpretationen des Islam in Bayern.


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