161

Demos gegen Abschiebungen nach Afghanistan "Ein Klima der Panik - ganz besonders in Bayern"

In mehreren bayerischen Städten gingen Menschen mit der Forderung nach einem Abschiebestopp auf die Straßen.

Von: Andi Ebert

Stand: 11.02.2017

Die größte Kundgebung Bayerns fand nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrates in Nürnberg statt, wo sich bis zu 800 Menschen vor der Lorenzkirche versammelt hatten. Aber auch in Augsburg, Kronach, Bayreuth, Memmingen und Eichstätt gab es ähnliche Aktionen, sagte Johanna Böhm vom Bayerischen Flüchtlingsrat.

Kritik am Rückführungsabkommen mit Afghanistan

Der Flüchtlingsrat kritisiert das Rückführungsabkommen, das die Bundesregierung im vergangenen Oktober mit der afghanischen Regierung vereinbart hatte. Zweimal habe Deutschland seitdem Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben – im Dezember und Januar. Viele der Abgeschobenen seien gut integriert gewesen, hätten jahrelang hier gewohnt oder seien schwer krank, so Böhm.

Flüchtlinge werden "enorm unter Druck gesetzt"

Derzeit herrsche ein Klima der Panik, Verzweiflung und Angst – ganz besonders in Bayern. Gerade hier würden afghanische Flüchtlinge seitens der Behörden enorm unter Druck gesetzt – so die Kritik. Die Äußerung des Bayerischen Innenministers, Joachim Herrmann, dass einige Gebiete Afghanistans, in die abgeschoben wurde, als sicher gelten, wies Böhm zurück:

"Man sieht ja wie sicher diese Gebiete sind, wenn man sich an den Anschlag auf das Deutsche Generalkonsulat im vergangenen Jahr erinnert oder an jüngste Anschläge in Kabul."

Johanna Böhm vom Bayerischen Flüchtlingsrat

Abschiebungen nach Afghanistan dürfe es zukünftig nicht mehr geben, forderten die Demonstranten in Nürnberg.

"Wer abschiebt, hilft den Taliban"

Insgesamt waren in 13 deutschen Städten Demonstrationen angemeldet. In Düsseldorf beteiligten sich 2000 Menschen, in Hamburg rund 1500, in Berlin waren es nur etwa 200 Demonstranten. "Wer abschiebt, hilft den Taliban" und "Terroristen raus aus dem Irak" hieß es zum Auftakt der Kundgebungen auf beiden Seiten des Brandenburger Tores.

Mehr und schnellere Abschiebungen beschlossen

Am Donnerstag hatten sich Bund und Länder generell darauf verständigt, Abschiebungen zu beschleunigen und konsequenter umzusetzen. Gegen Abschiebungen nach Afghanistan gibt es allerdings auch in einigen Landesregierungen Bedenken. So hatten zuletzt fünf Bundesländer beschlossen, nur noch straffällig gewordene Flüchtlinge oder Gefährder nach Afghanistan zurückzuschicken.


161

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Bodo, Sonntag, 12.Februar, 22:21 Uhr

20. Teilnehmerzahl Berlin

Mein Bruder arbeitet als Sozialpädagoge in einem Flüchtlingsheim in Schweden. Er fühlt sich privilegiert, seine Tage mit diesen wunderbaren, jungen Menschen verbringen zu dürfen, die viel Klugheit, Talent und Liebe in sich tragen. Mitarbeiter und Jugendliche sind über 1,5 Jahre so zusammen gewachsen, dass sie von Freundschaft und Vertrauen zueinander sprechen können. Wir sehen mit wachsendem Entsetzen, dass einige Medien in Deutschland und in Schweden ein Bild über Flüchtlinge verbreiten, das einfach falsch ist und dass die Gesellschaft in "WIR" und "DIE" zu teilen versucht.
Wie sind heute sehr traurig weil sich wieder ein Jugendlicher das Leben genommen hat. Er hatte begriffen, dass die europäischen Machthaber sich für die Abschiebung fast aller Afghanen auf ihrer Flucht vor dem Tod entschieden haben. Dies ist der 3. Tote in dieser Woche und die Mitarbeiter wollen nur noch schreien vor Wut über den Wahnsinn, den diesen verlorenen jungen Menschen angetan wird.

  • Antwort von Hannah, Montag, 13.Februar, 10:46 Uhr

    Bei so einem Kommentar fehlen auch mir die "Worte".
    Ich kann ihnen nur Mut und viel Kraft für ihre Arbeit wünschen.
    Machen sie weiter auf sich und ihr Anliegen aufmerksam.
    Es wird nicht leichter werden. In diesem Forum haben sich auch schon mehrere
    Flüchtlingshelfer zu Wort gemeldet und von ihren Nöten, aber auch Erfolgen berichtet.
    Die meisten Antworten darauf, von AFDlern, waren unerträglich.
    Meine besten Wünsche aus München für sie

  • Antwort von Annett R., Montag, 13.Februar, 13:52 Uhr

    Bodo, es ist einfach traurig, solche Märchen lesen zu müssen, weil Menschen wie Sie glauben, dass Sie damit Ihren Gutmenschengeist bedienen müssen. Schweden hat die zweithöchste Vergewaltigungsrate weltweit(!) seit einigen Jahren und es mehren sich selbst in sehr liberalen Kreisen Schwedens die Stimmen, keine Asylanten mehr aufzunehmen, weil eine landesweite Ernüchterung eingetreten ist. Übrigens, mein Schwager arbeitet in Schweden. Wirklich!

  • Antwort von Hannah, Montag, 13.Februar, 21:57 Uhr

    2. VERSUCH, der 1. war bestimmt zu heftig. Sorry an die BR-Moderation

    Bodo

    Bei so einem unmenschlichen Kommentar, wie den von Annett R.
    kann ich mich nur fremdschämen.
    Das nachdem sie von 3 Jugendlichen berichtet haben, die aus lauter Verzweiflung
    Suizid begangen haben.

    Was in so einer "Annettmenschin " vorgeht, kann ich mir nicht erklären.
    Da fehlt mir jedes Verständnis.
    Wann ist ein Mensch ein Mensch ?

Realo Ost, Sonntag, 12.Februar, 20:10 Uhr

19. Ich bin zu alt für Märchen...

Viele dieser Sozialphantasten würden ihre Meinung revidieren, wenn die sich mehr im freien Netz informieren würden. Mich schützen die regelmäßigen Besuche bei Kopp-online vor allzu romantischen Erwartungen. Da kriegt man auch hinsichtlich überhöhter Vorstellung vom Verhaltenskodex bei Afghanen schnell die Ernüchterung. (...) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Wolf, Montag, 13.Februar, 16:10 Uhr

    Kopp-Verlag kurz googeln reicht,rechtsesoterischer Bockmist,auf gut deutsch,Lügenpresse.

Stefan, Sonntag, 12.Februar, 18:56 Uhr

18. Nicht sicher?

50 % der Länder der Erde sind nach unsere Maßstäben unsicher. Wollen wir die nun alle aufnehmen?
Gerade die jungen Männer sollten einen Wechsel in Ihren Ländern herbeiführen. Die jedoch flüchten und lassen kleine Kinder, Frauen und Alte zurück.

Renate E., Sonntag, 12.Februar, 15:26 Uhr

17. mediale Realitätsverzerrung

Es gingen vorrangig junge Menschen auf die Straße. Und etliche Wohlstandslinks-Grüne, dazu die Betroffenen. Dem Normalbürger geht dieser Hype am Ar... vorbei. Denn der hat ganz andere Sorgen und Nöte! Die größte: Wie werden wir nach der Wahl abgezockt werden, gerade noch so, oder unerträglich?
Schönen Sontag noch!

  • Antwort von Christliche Nächstenliebe, Montag, 13.Februar, 11:51 Uhr

    Renate E.
    Sind nicht sie die christliche Userin, die Sonntags brav in die Kiche geht.
    Was beichten sie denn ihrem Pfarrer ?
    Bei soviel christlicher Nächstenliebe für die Bedürftigen und Armen in der Welt.
    Danke für den schönen Sonntag, den hatte ich.

    Auch mein links-grünversiffter Sohn, der sich mal kurz von einer anderen Demo
    bei seinen links-grünversifften Wohlstandseltern gemeldet hat.
    Sie haben zwar das Wort versifft nicht gebraucht, aber Truderinger hat uns ja aufgeklärt.
    Sie drücken sich ja dann doch gewählter aus, Wohlstandslinks-Grüne.
    Mein Sohn hat mir jetzt auch bestätigt, dass das in ganz Deutschland der Begriff für uns ist.

    Gut, dass die jungen Menschen sich für eine bessere Welt engagieren.

  • Antwort von Renate E., Montag, 13.Februar, 14:08 Uhr

    Der Gedanke, wohlstandsverwöhnte Jugendliche "versifft" zu nennen, ist mir noch nie gekommen, geschweige denn, den Ausdruck aufzuschreiben. Wissen Sie, wir haben eine ganz andere Jugend gehabt. Die war geprägt von Mitarbeit auf dem Bauernhof und im Haushalt. Sowas prägt eben fürs ganze Leben. Da hat man sehr zeitig Leistung erbringen müssen und erwartet somit auch von anderen Menschen stetes Mühen. Bei vielen Asylanten aber ist eindeutig Armutsflucht als Grund erkennbar. Gerade Afghanistans Bevölkerung ist nicht mehr im Krieg, im Gegenteil, es liegen da überall Berge an Trümmern, es gäbe damit massenhaft Häuser zu reparieren. Doch tausende junge Männer verlassen das Land ... Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

Barbara, Sonntag, 12.Februar, 13:29 Uhr

16. Was heißt hier "Afghanistan ist nicht sicher"?

"Deutschland ist auch nicht sicher"! Denn auch bei uns passieren täglich Straftaten. Wenn jeder mit dem Argument zu uns kommen will, daß "sein Land nicht sicher" sei, dann haben wir nichts als Überfüllung und Überfremdung. Jedes Land muß sich zuerst um die Lösung der eigenen Probleme kümmern. Wir haben selber Millionen Arme, Wohnungs- bzw. Arbeitssuchende und Armuts-Rentner im Land! Diese Probleme müssen zuerst gelöst werden!

  • Antwort von B. Sachse, Sonntag, 12.Februar, 15:30 Uhr

    Voll auf den Punkt! Wer XY ungelöst angeschaut hat, der hat noch einen Grund mehr, sich zu sorgen. Scheinbar kennen aber die Journalisten im BR diese Sendung nicht und auch nicht so ganz die Realität in unserem Land... Grüße an Sie aus dem Erzgebirge!

  • Antwort von M. Schäfer, Sonntag, 12.Februar, 18:02 Uhr

    Korrekt. Zuerst das eigene Land, die eigenen Leute und deren Auskommen und Sicherheit. Erst danach der Rest. Alles muss hierzulande dringend wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Deutschland steht europaweit auf völlig einsamen Posten mit unserer Art der Asylhandhabung.

    Aber schlimmer geht scheinbar immer. Man lese deshalb bass erstaunt (11.2.17) in der "Welt" vom neueste Wahnsinn des Generalanwalts des EuGH: Jeder, der sich ANGEBLICH verfolgt fühlt, soll Anspruch auf Einreise in die EU haben!

    "Der Europäische Gerichtshof und sein Generalanwalt machen Europa kaputt. Ihre Plädoyers und Urteile schaden der europäischen Idee und schüren die Politikverdrossenheit. Besonders in Flüchtlingsfragen." (Quelle Welt)

  • Antwort von Rainer, Dienstag, 21.Februar, 13:33 Uhr

    Wenn Sie sich hierzulande nicht sicher fühlen, warum fliehen Sie dann nicht? Durch ein wenig Nachdenken sollten Sie eigentlich feststellen, dass kein Mensch gerne seine Heimat verläßt, um sich in der Fremde in eine unsichere Zukunft zu begeben. Und wenn Sie Probleme wie Armut, Wohnungs- und Arbeitslosigkeit nur beklagen, dann ändert sich an diesen nichts - Demokratie lebt bekanntlich vom Mitmachen. Die Reihenfolge, in der die von Ihnen genannten Probleme zu lösen sind, die bestimmen allerdings nicht Sie.
    Last but not least, wenn jedes Land zuerst nur seine eigenen Probleme löste, dann bedeutete dies bald das Ende jeder solidarischen Staaten-, Wirtschafts- und Wertegemeinschaft wie z.B. der EU, und hernach zerfiele auch Deutschland in einzelne Bundesländer. In letzter Konsequenz herrschte dann nur noch unsolidarischer Egoismus. Zum Glück gibt es hier genügend Leser_innen mit sozialerer Geisteshaltung!