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Ehrenamtliche stellen sich neuen Herausforderungen Demenz im Krankenhaus

Krankenhausaufenthalte bedeuten für die meisten Patienten Stress – für Menschen mit einer Demenz ist das ungewohnte Umfeld in Kliniken besonders belastend und verwirrend. Doch die wenigstens Kliniken sind auf die steigende Zahl an dementen Patienten vorbereitet. Immerhin gibt es ehrenamtliche Initiativen, die sich dieser neuen Herausforderung stellen.

Von: Viola Nowak

Stand: 14.11.2017

Ehrenamtliche begleiten Demenzkranke | Bild: BR

Helmut Schönsee zum Beispiel. Seit sechs Jahren ist der 72-Jährige am Klinikum Nürnberg Nord als ehrenamtlicher Demenzbegleiter im Einsatz. Jeden Montag kommt er ins Krankenhaus, um zu helfen. Dann tut er Dinge, für die das Pflegepersonal in seinem durchgetakteten Tagesablauf einfach keine Zeit findet: vorlesen, spazieren gehen, die dementen Patienten zu Untersuchungsterminen begleiten, ihnen Hilfestellung im unübersichtlichen Klinikalltag geben. Am allerwichtigsten ist jedoch: reden und zuhören.    

Die Idee

Helmut Schönsee ist seit sechs Jahren Demenzbegleiter.

Angestoßen hatte das Ganze die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Im Rahmen des bayernweiten Projekts "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" begleitet sie seit 2010 Kliniken dabei, sich an die wachsende Zahl von Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz anzupassen und zu einem demenzsensiblen Krankenhaus zu werden.

Das Klinikum Nürnberg macht seit 2011 mit – und ist bis heute dabei geblieben. Elke Kaufmann, Gerontologin am Zentrum für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg, koordiniert mittlerweile 44 Ehrenamtliche auf sieben Stationen. Ihre Beobachtung: nicht nur die Patienten sind ausgeglichener und fühlen sich weniger hilflos. Auch das Pflegepersonal ist dankbar für die Unterstützung.   

"Die Ehrenamtlichen sind der Kitt zwischen allem: sie erleichtern den Pflegekräften die Arbeit, sind für die Patienten ein Ansprechpartner, sie überbrücken manchmal Langeweile oder auch Unruhe und wir würden das natürlich merklich spüren, wenn die Ehrenamtlichen jetzt nicht mehr da wären."

Elke Kaufmann, Koordinatorin am Zentrum für Altersmedizin

Wie wird man Demenzbegleiter?

Nur fünf bis zehn Prozent der bayerischen Krankenhäuser leisten sich ehrenamtliche Demenzbegleiter.

Am Anfang steht eine mehrtägige kostenlose Schulung an. Hier wird zum einen über das Krankheitsbild aufgeklärt: Was bedeutet Demenz, was sind die Symptome und wie kann ich damit richtig umgehen? Zum anderen wird über Rechte und Pflichten der Freiwilligen in der Klinik informiert und Rüstzeug an die Hand gegeben, wie man Menschen mit Demenz während des Krankenaufenthalts begleiten und unterstützen kann.

Wichtig ist auch, wie man selbst mit Belastungen und Konflikten umgeht. Hier helfen laufende Weiterbildungen und Qualitätszirkel sowie Austauschgespräche mit anderen Ehrenamtlichen. Mitbringen sollte man vor allen Dingen Einfühlungsvermögen und viel, viel Zeit. 

Situation in Bayern

Nach Schätzungen des Landesverbands Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leisten sich nur fünf bis zehn Prozent der Kliniken in Bayern einen solchen ehrenamtlichen Begleitdienst. Und das, obwohl die Prognosen alarmierende Zahlen liefern: Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums leben derzeit mehr als 230.000 Menschen mit Demenz in Bayern.

Bis 2032 werden es voraussichtlich rund 340.000 sein, sollte kein medizinischer Durchbruch gelingen. Höchste Zeit also, dass sich Krankenkassen, Klinikverwaltungen und die Politik dieser neuen Herausforderung stellen und vor allen Dingen: reagieren. Denn wer weiß, wie lange die Begleitung von Demenzerkrankten noch von ehrenamtlichen Schultern zu tragen ist.


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