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72 Jahre nach KZ-Befreiung Dachau erinnert an das Ende der Hölle

Vor genau 72 Jahren befreite die US-Armee das Konzentrationslager Dachau - heute erinnerten zahlreiche Menschen und auch Überlebende an dieses historische Ereignis. Charlotte Knobloch warnte bei der Gedenkveranstaltung vor neuem Antisemitismus und Rassismus.

Von: David Herting und Michael Bartmann

Stand: 30.04.2017

An der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers nahmen auch Mitglieder der Lagergemeinschaft teil, Überlebende der "Hölle von Dachau" und ihre Verwandten. Vorher fanden mehrere Gottesdienste statt. Nach einer Gedenkveranstaltung vor dem ehemaligen Krematorium zogen die Menschen zum ehemaligen Appellplatz, anschließend folgten Ansprachen und Kranzniederlegungen vor dem internationalen Mahnmal.

Wehret den Anfängen

Mit dabei war auch Abba Naor aus Litauen. Im Alter von 13 Jahren wurden er und seine Familie verschleppt, mit 17 war er im Frühjahr 1945 in den Außenlagern Kaufering und Utting inhaftiert. Nur knapp überlebte er die Todesmärsche in den letzten Kriegstagen, bei denen Tausende starben. Bis heute kann er diese Bilder nicht vergessen.

"Wir sind zwar befreit worden aus den Lagern, aber nicht seelisch. Die Lager sind immer in uns. Wir reden normal nicht darüber, nur mit Schülern und Kindern, um es ihnen zu erklären."

Zeitzeuge Abba Naor

Auch der Münchner Holocaust-Überlebende Ernst Grube sprach bei der Gedenkfeier. Der 84-Jährige ist engagierter Bürger, kommissarischer Vorsitzender des Lagerkomitees und ihn beschäftigt unter anderem die aktuelle Flüchlingsfrage sowie der Bezug zur eigenen Vergangenheit:

"Wenn ich sehe, dass diese Menschen - besonders Jugendliche - wieder zurückgeschickt werden, und wie das bei mir war - mit zwölf Jahren, als ich in Theresienstadt war: Da war auch die Angst. Dann haben wir auch diese schleichende Ausgrenzung, diesen Antisemitismus, diesen Rassismus in der AfD. Was da so abläuft, dagegen wehre ich mich."

Ernst Grube

Charlotte Knobloch fordert Antisemitismusbeauftragten

Anlässlich der Gedenktstunde am jüdischen Mahnmal sagte heute die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, es mache sie wütend, dass das Wort vom 'nie wieder' zu einer hohlen Phrase verkommen konnte. Weiter kritisierte Knobloch, dass der Begriff "Populismus" verharmlosend sei, wenn er etwa auf die AfD angewendet werde:

Charlotte Knobloch

"Weder Pegida und Co. noch AfD sind Populisten. Der Begriff ist zu schwach, er deckt die gefährlichen Phänomene nicht ab, die unsere Gesellschaften mit Hass und Hetze kontaminieren und die Europäische Union – das Jahrhundert-Friedens-Projekt – zerstören wollen. Nationalismus bleibt Nationalismus. Antisemitismus bleibt Antisemitismus. Rassismus bleibt Rassismus – das blaue Deckmäntelchen kann den braunen Kern der AfD nicht verdecken."

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Knobloch forderte außerdem einen eigenen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Das wäre die richtige Reaktion auf wachsenden Antisemitsmus und Rassismus in der Gesellschaft.

Kränze für die Opfer

Bereits vorgestern gab es eine Kranzniederlegung auf dem ehemaligen Appellplatz an der Urne mit der Asche eines unbekannten Häftlings. Außerdem wurden weitere Kränze am Leitenberg und am Waldfriedhof in Dachau-Etzenhausen abgelegt.

Das Konzentrationslager Dachau war eines der ersten, das die Nationalsozialisten im März 1933 errichteten. Vor 72 Jahren, am 29. April 1945 befreite die US-Armee die überlebenden KZ-Insassen. Für Zehntausende kam die Befreiung zu spät. Mehr als 40.000 Menschen waren in Dachau ermordet worden.


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