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Cyber-Armee der Bundeswehr Experten für die virtuelle Front

Hacker-Angriffe auf Netze der Bundeswehr gehören inzwischen zum Alltag - wobei sie für den Angreifenden den Vorteil haben, dass sie mit relativ geringem Aufwand gestartet werden und dennoch großen Schaden anrichten können. Die neue Streitkraft "Cyber- und Informationsraum" soll für den nötigen Schutz sorgen. Der Aufbau der Struktur wird aber erst in vier Jahren abgeschlossen sein, Rekrutierung und Ausbildung der IT-Fachleute dauern.

Von: Birgit Schmeitzner

Stand: 03.08.2017

Symbolbild: Hacker-Angriff | Bild: picture-alliance/dpa

Das Ziel, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Herbst 2015 für die Umstrukturierung der Bundeswehr ausgab, war klar: die Truppe zeitgemäß aufstellen und gegen Angriffe über das Internet schützen.

"Wir leben in einer immer stärker vernetzten Welt, das ist enorm hilfreich im Alltag. Allerdings bringt das mit sich, dass wir verwundbarer werden für Angriffe von außen."

Ursula von der Leyen

Die neue Cyber-Armee mit offiziellem Sitz in Bonn musste nicht komplett aus dem Boden gestampft werden. Es gab bereits an vielen Bundeswehrstandorten IT-Fachleute, Software-Entwickler, Systemadministratoren, Fernmelde-Techniker. Sie mussten nicht umziehen, sondern wurden einfach dem neuen Kommando "Cyber- und Informationsraum" zugeordnet. Zum 1. Juli waren es 13.500 Soldaten und zivile Kräfte, bis 2020/21 sollen es 15.000 sein.

Drei-Sterne-General und Diplomingenieur für Elektrotechnik

Generalleutnant Ludwig Leinhos

Chef des neuen Cyber-Kommandos ist Generalleutnant Ludwig Leinhos. Er gilt als Experte für elektronische Kampfführung, war für diesen Bereich im NATO-Hauptquartier in Brüssel zuständig und zuletzt Leiter des Aufbaustabes im Verteidigungsministerium. Leinhos spricht von einer Herausforderung, auch wenn es um die innovative Technik geht, die seine Truppe braucht, um nicht weltweit hinterher zu hinken.

"Wir sind natürlich nicht am vorderen Ende der Technologie in jeder Beziehung, aber wir haben durchaus auch sehr, sehr moderne Informations- und Kommunikationstechnik."

Generalleutnant Ludwig Leinhos, erster Inspekteur des 'Cyber- und Informationsraums' der Bundeswehr

Suche nach IT-Nerds

Die Hauptaufgabe lautet: das weit verzweigte IT-Netz der Bundeswehr zu betreiben und es vor privaten wie staatlichen Hackern zu schützen. Dafür braucht man zusätzliches Personal, doch das ist nicht leicht zu bekommen. IT-Nerds gelten nicht gerade als Bundeswehr-affin. Zudem zahlt die freie Wirtschaft besser. Doch im Verteidigungsministerium ist man zuversichtlich, dass die Werbekampagnen greifen: 2016 habe man rund 60 Prozent mehr Informatiker eingestellt als im Jahr zuvor. Und am Standort Bonn heißt es: Bei uns kommen jede Menge Anfragen an, über 200 Reservedienstleistende mit IT-Sachverstand haben sich demnach gemeldet und wollen für ein paar Wochen mitarbeiten.

Ausbildung im eigenen Haus

An der Bundeswehr-Universität München wird derweil der internationale Master­Studiengang "Cybersicherheit" aufgebaut. Am 23. Juni nahm die Verteidigungsministerin das neue Forschungsinstitut offiziell in Betrieb.

"Wir wollen 70 Studierende bereits im Januar des nächsten Jahres haben, weil wir wissen, dass Personal auch was damit zu tun hat, überhaupt da rein zu investieren. Und es gibt nicht sehr viel in Deutschland, wo bereits Studierende im Thema Cyber ausgebildet werden."

Katrin Suder, Staatssekretärin im Verteidigungsministerium

Ob es wirklich sofort 70 Studierende sein werden, ist noch nicht ausgemacht. Der Pressesprecher der Universität, Michael Brauns, geht erst einmal von 30 bis 35 aus: entweder Offiziersnachwuchs oder Quereinsteiger mit einem Bachelor in Informatik oder Ingenieurswissenschaft. Derzeit läuft an dem neuen Forschungsinstitut das Bewerbungsverfahren der potenziellen Professoren, sie werden dann sehr speziell zugeschnittene Bereiche wie digitale Forensik, Data Science oder Machine Learning abdecken.

Modernes IT-Gerät gesucht

In Berlin wird zudem eine kleine Einheit mit dem Namen "Cyber Innovation Hub" aufgebaut. Das Team soll gezielt Start-ups ansprechen, den Kontakt zu Wirtschaft und Industrie suchen. Auch weil man weiß: Im Bereich IT können Innovationen von heute in zwei Jahren schon wieder veraltet sein. Mit den alten Beschaffungszyklen der Bundeswehr kommt man da nicht weit.


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Internetverbindungen, Donnerstag, 03.August, 16:52 Uhr

4. separate Unternehmensnetze für Arbeitsplatzrechner und Internet PC's / Hardware

Obwohl führende IT Unternehmen und Dienstleister wie IBM, HP, Oracle und T-Systems in den vergangenen Jahren tausende IT Fachkräfte in Deutschland entlassen haben, findet die Bundeswehr angeblich kein Fachpersonal.

Vielleicht sollte die Bundeswehr auch Bewerber über 35 Jahre einstellen und die richtigen Zielgruppen ansprechen.

Und mit fast 40 Milliarden Euro Budget im Jahr ist es für die Bundeswehr mehr als peinlich von IT Monopolisten bei Betriebssystemen, im Office Umfeld und bei der IT Hardware abhängig zu sein, statt eigene Linux Software und Hardware Made in Germany zu nutzen.

Und was soll diese Internetvernetzung aller Arbeitsrechner?

Behörden und Unternehmen die sich vor Wirtschaftsspionage und Sabotage gut schützen wollen, sollten ein Unternehmensnetz für die Arbeitsrechner ohne Internetanbindung nutzen (IT-Inseln). Und ein extra Unternehmensnetz mit Internetverbindung für die Zeitungsleser im Unternehmen und die Mitarbeiter die externe Emails an Kunden versenden.

  • Antwort von Erklärbär, Freitag, 04.August, 22:45 Uhr

    Dann erklären sie mal bitte, was sie mit einem isolierten Rechner noch anstellen wollen?

    Eine bessere Schreibmaschine mit Fehlerkorrektur? Nur für Print? Ohne Email? Ohne Konnektivität zu Firmenniederlassungen oder Kollegen? Funktionalität quasi auf den Raum begrenzt? Daten per USB Stick von A nach B transportieren? Aus Versehen einen kompromittierten Stick einschieben?

    Haben sie sich das wirklich gut durchdacht?

Hallo, Donnerstag, 03.August, 10:38 Uhr

3. Man kann die Bundeswehr hacken?

Ich bezweifle, dass die IT-Experten bei der Bundeswehr so dumm sind und sensible militärische Netzwerke an das Internet anschliessen.
Das könnte man machen um Geld zu sparen, aber so dumm sind die nicht!
Da wird höchstens ab und zu versucht auf die Werbe-Homepage der Bundeswehr zuzugreifen.

Dass wir die IT-Soldaten zum Schutz von Bundeswehr-Netzwerken brauchen ist nur ein Ablenkungsmanöver um nicht Spionageabsichten als Grund nennen zu müssen.
Sensible Netzwerke schützt man mit Zugangskontrollen, mit Sicherheitsbereichen und einer strikten Trennung vom Internet...

  • Antwort von Wake up, Donnerstag, 03.August, 14:57 Uhr

    Hallo, aufwachen!

    Sie sind jetzt im 21. Jahrhundert angekommen. Und ob sie es glauben oder nicht, die Polizei, die Bundeswehr, die Verwaltungen, ja und sogar die NSA sind mit dem Internet verbunden. Oder kennen sie noch ein völlig abgehobeneres Quantennetz?

    Kryptiert sind jedoch alle Netze sehr unterschiedlich, da können sie sich gerne die Finger wund hacken ;-)
    "Du kummst hier net rein!"

  • Antwort von Hallo, Donnerstag, 03.August, 17:21 Uhr

    @Wake up

    Mit Kryptografie kenne ich mich sehr gut aus. Dem Bereich wird ein Vertrauen entgegengebracht, das an das Vertrauen erinnert, das man seinem Türschloss entgegenbringt. Ein Mitarbeiter vom Schlüsseldienst sieht das halt ganz anders.
    Deshalb schliesse ich ja in meinem Kommentar, dass es dumm wäre das Internet für sensible militärische Netzwerke zu nutzen.
    Die gemeldeten Angriffe können sich nur auf völlig belanglose Netzwerke beziehen.

  • Antwort von Hallo Deutschland, Donnerstag, 03.August, 21:34 Uhr

    Na dann haben sie sicher schon KG-84, KY57 und KIV7 gehackt? Oder SINA entschlüsselt?

    ;-)

Oliver M., Donnerstag, 03.August, 10:27 Uhr

2.

"... wir sind natürlich nicht am vorderen Ende der Technologie in jeder Beziehung..."
Unsere Gegner sind es aber dummerweise schon. Wie wollen wir da gegen halten, wenn wir nicht gleichauf sind?

Bzgl. der Bezahlung: wenn die Bundeswehr gute Leute will, wird sie nicht drum herum kommen, mindestens die Gehälter der freien Wirtschaft zu zahlen - und deutlich mehr. Das sollte es uns Wert sein, wenn man bedenkt, dass ein gezielter Hackerangriff unser Land komplett zum Stillstand bringen kann. Bezogen auf bestimmte sensible Einrichtungen und Anlagen sogar noch Schlimmeres ...
Mit einem lukrativen Gehalt lässt sich sicher auch so mancher IT Nerd für die Bundeswehr begeistern - und genau solche Leute brauchen wir dort auch!

Definierer, Donnerstag, 03.August, 10:16 Uhr

1. Es wäre an der Zeit...

...mal die Frage zu beantworten, was denn als ein Cyberangriff gewertet wird.

Ein oder mehrere Pings auf eine fremde IP-Adresse?

Ein Portscan fremder IP-Adressen?

Oder ab wann ordnen diese Institutionen das als Angriff?

Obiges kann und wird ja von jedem neugierigen Script-Kiddie bereits aus ddm Kindergarten gemacht werden.