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Landtag CSU gegen Abschaffung der Sargpflicht in Bayern

Die SPD ist im Bayerischen Landtag mit der Forderung nach Abschaffung der Sargpflicht vorerst an der CSU abgeblitzt. Es handle sich um eine "christliche Tradition", erklärte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Von: Lorenz Storch

Stand: 07.12.2017

Grabsteine auf einem Friedhof | Bild: colourbox.com

Auch der neue Anlauf der SPD zur Abschaffung der Sargpflicht in Bayern ist an der CSU-Mehrheit im Landtag vorerst gescheitert, wie bei der ersten Lesung des Gesetzesentwurfs deutlich wurde. Es handle sich um eine "christliche Tradition", die zur in Bayern gewachsenen Bestattungskultur zähle, erklärte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). "Diese Tradition wollen wir auch künftig erhalten."

Immer mehr alternative Bestattungen

Es gehe bei der Abschaffung der Sargpflicht beileibe nicht nur um die Muslime, argumentiert der integrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Arif Tasdelen: "Immer weniger Menschen in Deutschland möchten sich im Sarg bestatten lassen, sondern befürworten alternative Bestattungsformen, etwa in der Urne, im Wald oder auf See." Weder Hygiene noch andere Argumente sprechen dagegen, hätten Sachverständige klar gestellt. Joachim Hanisch von den Freien Wählern gibt zu bedenken: "Wenn wir die Bibel lesen, dann erfahren wir, dass Jesus in Leinentüchern beerdigt wurde."

Streit über Bestattungen nach muslimischer Tradition

Nach wie vor sähen sich viele Muslime gezwungen, sich nach dem Tod ihrer Angehörigen schnell um einen Transport des Verstorbenen ins Ausland zu kümmern, um ihn dort traditionell zu beerdigen, sagte Tasdelen. Die CSU sieht trotzdem keinen Änderungsbedarf. Ludwig Freiherr von Lerchenfeld sagte: "Muslimische Grabfelder auf bayerischen Friedhöfen zeigen, dass die Friedhofsträger und die Gläubigen vor Ort praktikable Lösungen finden."

Es ist bereits der dritte Anlauf zur Liberalisierung des bayerischen Bestattungsgesetzes seit 2015.


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