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Babys von Crystal Meth-Müttern geschädigt Landtag will Experten anhören

Die Recherchen des Bayerischen Rundfunks über Crystal Meth-Babys haben die Politik alarmiert. Schon in der nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag wollen die Abgeordneten Experten anhören.

Von: Claudia Gürkov

Stand: 21.03.2016

Die synthetische Droge Crystal Meth und eine Pfeife | Bild: picture-alliance/dpa

Die BR-Reportage zeigte: Frauen, die in der Schwangerschaft Crystal Meth nehmen, schaden dem ungeborenen Kind. Derzeit geht die Wissenschaft vor allem von Hirnschäden aus. Demnach bleiben die Kinder mental und motorisch zurück und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Und: Immer mehr Frauen nehmen Crystal Meth.

Erste politische Schritte

Sowohl die Opposition als auch die bayerische Gesundheitsministerin Huml von der CSU zeigten sich erschüttert. Man will das Thema nicht nur auf die politische Agenda setzen, sondern denkt auch über konkrete erste Schritte nach: Schon in der nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag am 5. April wollen die Abgeordneten Experten anhören. Geladen sind Psychiater, Kinderärzte und Neonatologen. Sie alle will man fragen, wie sie das Phänomen Crystal Meth Babys beurteilen und was sie für die dringlichsten Schritte halten würden.

BR-Recherchen sind der Auslöser

Auslöser für das rasche Handeln sind die Recherchen des Bayerischen Rundfunks, wie die Ausschussvorsitzende Kathrin Sonnenholzner von der SPD betont. Bisher habe man bei Crystal Meth die Süchtigen selbst im Visier gehabt, nicht die zweite Generation Geschädigter.

"Insbesondere muss auf Basis dieser Erkenntnisse jetzt auch eine ganz spezifische Aufklärungskampagne für junge Frauen und Mädchen erfolgen. Es muss alles getan werden, um über die Gefahren aufzuklären und die Zahl der Konsumenten zu reduzieren."

Kathrin Sonnenholzner (SPD), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag

Mediziner wünschen sich zentrale Erfassung

Mediziner hatten dem BR gegenüber die quasi inexistente Datenlage kritisiert. Sie wünschen sich ein Register, mit dem Babys mit Drogenproblematik erfasst und über Jahre hinweg nachuntersucht werden können, um herauszufinden, welche Schäden die Droge verursacht. Ein anderer Vorschlag ist ein systematisches Screening von Neugeborenen. Dazu sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) dem BR: "Ob man jetzt anfängt, jetzt wirklich jedes Kind oder viele Kinder danach zu screenen, das ist immer so die Abwägung. Man könnte sich eventuell überlegen, wenn man weiß, in welchen Kliniken viele Frauen entbinden, dass man das mal ausprobiert - modellhaft."


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