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Schlaganfall im Flugzeug Passagiere zeigen oft wenig Verständnis

Ein Passagier erleidet in einem Condor-Ferienflieger einen Schlaganfall. Der Pilot entscheidet sich für eine ungeplante Zwischenlandung. Doch einige Passagiere zeigen dafür kein Verständnis. Offensichtlich kein Einzelfall.

Von: Gabriel Wirth

Stand: 12.12.2016

Eine außerplanmäßige Landung wegen eines medizinischen Notfalls kommt bei Condor sehr selten vor. Jedoch sei es bedauerlicherweise dann häufig so, dass einzelne Passagiere sich über den Zwischenstopp beschwerten, erklärt der Pressesprecher der Fluglinie, Johannes Winter, dem Bayerischen Rundfunk.

So war es auch bei dem aktuellen Fall, bei einem Flug von München nach Punta Cana in die Dominikanische Republik am vergangenen Dienstag. Ein Mann bricht zusammen - Schlaganfall. Eine BR-Mitarbeiterin war mit an Bord:

"Was sich derweil an Bord der Maschine abspielt, ist so ziemlich das beschämendste und menschenunwürdigste, was ich seit langem erlebt habe. Mehrere Passagiere greifen die Flugbegleiter verbal an, beschweren sich über die Notlandung, sticheln sich gegenseitig auf. Mehrere Male müssen sich Kapitän und Bordpersonal an die Passagiere wenden, um die Situation zu entschärfen."

BR-Mitarbeiterin auf Facebook

Crew freut sich über den Zuspruch

Einige Passagiere hätten ein merkwürdiges Verständnis davon, was notwendig sei und was nicht, so Pressesprecher Winter. Dabei müsse doch allen klar sein, dass die Sicherheit von Passagieren und Crewmitgliedern an oberster Stelle stehen. Insofern begrüßt die Airline die Unterstützung aus dem Netz.

"Unsere Crew freut sich über den Zuspruch, den sie über Social Media erhalten hat."

Condor Pressesprecher Johannes Winter

Sämtliche Crewmitglieder bekommen seinen Worten nach einmal jährlich eine Schulung, in der sie auf alle möglichen Situationen vorbereitet werden. Dazu gehört auch das Verhalten bei medizinischen Notfällen. Die Piloten nehmen darüber hinaus via Funk oder Satellitentelefon Kontakt zu einem medizinischen Beratungsunternehmen auf und schildern den Experten die Lage. Die beraten die Piloten über mögliche Maßnahmen, ob die Maschine weiterfliegt oder ob und wo sie zwischenlanden kann. Die Entscheidung trifft der Flugkapitän.  

Verspätung von knapp drei Stunden

Im Fall des Condor-Flugs in die Dominikanische Republik entschied sich der Pilot für eine Zwischenlandung: Am Flughafen von Neufundland holte ein Notarzt den Patienten ab und brachte ihn in ein Krankenhaus. Nachdem das Flugzeug aufgetankt worden war, setzte es die Reise fort und kam mit einer Verspätung von zwei Stunden und 45 Minuten in Punta Cana an. Über den aktuellen Zustand des Patienten hat Condor keine Informationen. Er ist den letzten Angaben zufolge noch in ärztlicher Behandlung.


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Flugangst, Montag, 12.Dezember, 18:10 Uhr

31.

Können Passagiere froh sein, dass es eine deutsche Chartermaschine war. Im Flugzeug gilt das Landesrecht der jeweiligen Gesellschaft bzw. wo das Flugzeug registriert ist.

Gabriele, Montag, 12.Dezember, 17:58 Uhr

30. Im Flugzeug

Vor einigen Jahren wurde ein abgewiesener Asylsuchender vom Grenzschutz an Bord gebracht um die Heimreise anzutreten. Als Flugbegleiterin sass ich im gegenüber, vermutlich löste die Angst, was ihn in Delhi erwartet einen epileptischen Anfall während des Starts der Lufthansamaschine aus. In Flughöhe versorgten wir den Mann, der sich auf die Zunge gebissen hatte und strak blutete. Auch ein Sauerstoffgerät setzten wir ein, deswegen gab es Rauchverbot, sonst wären wir vermutlich alle in die Luft geflogen ??. Die Passagiere hatten keine Geduld und Verständnis für diese Notsituation und versuchten Ihre Zigaretten anzuzünden und schauten bei der Aktion zu. Traurig, sie hatten 0 Verständnis. Leider kam es im Flugzeug immer wieder zu solchen Reaktionen, dass die Menschen keine Rücksicht nehmen wollten.
Mit besten Grüssen
Gabriele Wunderlich

Annika W., Montag, 12.Dezember, 17:37 Uhr

29. Was soll das?

Liebe BR-Redakteure, was soll so ein Artikel als Aufmacher der BR-Webseite?? Solche Leute gibt es überall und die wird man auch nicht ändern. Für mich ist der eigentliche Skandal, dass es in Zeiten des Klimawandels und weltweiter Umweltprobleme immer noch Leute gibt, die für einen Urlaub Fernreisen um den halben Globus für notwendig halten. Mit dem definitiv umweltschädlichsten Verkehrsmittel das es gibt. Und durch großzügige Steuererlässe (Mehrwertsteuer, Kerosin...) von unserem Staat gefördert. Warum thematisiert der BR das nicht mal?

  • Antwort von N. Schöttl, Montag, 12.Dezember, 17:58 Uhr

    @Annika W.
    Dass Flugzeuge die "umweltschädlichsten Verkehrsmittel" sind, ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die andere Wahrheit ist die, dass Flugzeuge zudem die sparsamsten Verkehrsmittel pro Passagier und Kilometer sind. Das Problem bei dem Verkehrsmittel - Flugzeug - ist allein dies, dass die Verbrennung in hoher Höhe erfolgt und es daher große Schäden anrichtet - Stichwort: Ozonschicht.

  • Antwort von Annika W., Montag, 12.Dezember, 18:22 Uhr

    @N. Schöttl: ...und dass mit dem Flugzeug eben in der Regel sehr viele Kilometer zurückgelegt werden. Das mit dem "sparsamsten Verkehrsmittel pro Passagier und Kilometer" wird damit ad absurdum geführt. Und dass der Flugverkehr Steuerbefreiungen genießt, die ihm einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Schienen- und Straßenverkehr verschaffen. Zum einen ist das Flugbenzin (Kerosin) völlig unbesteuert, zum anderen wird bei internationalen Flügen keine Mehrwertsteuer erhoben. Weiter wird für den Luftverkehr auch keine Ökosteuer erhoben während die Bahn und andere ÖPNV-Unternehmen mit Stromsteuer, Ökosteuer, EEG-Umlage etc. belastet werden. Das ist ebenfalls völlig absurd und wird von den Medien nahezu totgeschwiegen.

  • Antwort von vielfahrer, Montag, 12.Dezember, 19:06 Uhr

    @ N. Schöttl
    Sparsamstes Verkehrsmittel? - kann man so nicht stehen lassen!
    Wenn der Flieger voll ausgelastet ist, stimmt es, mit ~ 3 Ltr. p.P. auf 100 Km.
    Ist aber ein PKW z.B. mit 5 Leuten besetzt, liegt der Verbrauch bei ~ 2 Ltr. p.P. auf 100 Km.
    Mann / Frau kann sich alles schön Rechnen.
    PS: Komm. 29 incl. Antworten haben aber nichts mit dem Bericht zu tun.

  • Antwort von Spaßbremsen Aktivisten, Montag, 12.Dezember, 20:48 Uhr

    Sie finden sich doch sofort immer und überall, die Spaßbremsen-Aktivisten. Sofort haben sie wieder irgendwelche Scheinargumente, wollen dem BR selbst Vorschriften darüber machen, was der "Aufhänger" sein soll, obwohl sie die große Anteilnahme an diesem Thema an der Flut von Kommentaren ausdrückt sehen könnten.

    Diese Zeitgenossen gönnen anderen nichts. Sind sie Benachteiligte? Die Leute schuften für ihren Urlaub und den wollen sie auch fernab geniessen. Aber ein schlechtes Gewissen einreden. Sie sollen alle zu Hause bleiben, Fahrradfahren und/oder auf das Auto verzichten. Wie weltfremd sind diese Menschen?
    Trump und AfD sagen doch ständig, den Klimawandel gibt's gar nicht. Ja, gut das ist Blödsinn, aber noch blödsinniger ist es den Deutschen die Steinzeit zurückzuwünschen.

    Das Thema war übrigens Mitmenschlichkeit und nicht der Klimawandel.

Heinrich, Montag, 12.Dezember, 17:12 Uhr

28. So ist das halt

Unsere Gesellschaft wird immer asozialer. Nachdem der Durchsage des Piloten niemand gefolgt ist, muss man wohl annehmen, dass auch niemand an Bord war, der grundsätzlich feststellen konnten, ob es sich um einen Schlaganfall handelte, und wie schwer dieser ist. Also hat der Pilot vollkommen richtig gehandelt, und den Umweg, als auch die Wartezeit für alle in Kauf genommen, um dem Fluggast schnellstmöglich die beste medizinische Versorgung zukommen zu lassen, die in dieser Situation greifbar war.

Der verwöhnte deutsche Verbraucher ist aber anscheinend der Meinung, es müsste für 99,-- Euro Flugentgelt ein Notfall-OP an jedem Flugzeug sein. Und wegen der lächerlichen 2:45 Stunden hat wie selbstverständlich eine Entschädigung zu erfolgen.

Ich bin mir sicher, dass niemand an Bord Hunger leiden musste, und immer ausreichend Getränke zur Verfügung standen. Auch nach dem Start von Neufundland aus.

Neu ist das allerdings nicht. Man kann das täglich lesen. Nur eben nicht mit Flügen.

Kritikwürdig , Montag, 12.Dezember, 17:08 Uhr

27. Noch eine Anmerkung

Noch eine Ergänzung: ich würde mir wirklich wünschen, dass die Presse mit mehr Zurückhaltung arbeitet. Solange Flugäste nicht handgreiflich oder gewalttätig werden, solange ist eine solche Meldung wie diese nicht hilfreich, um daraus etwas rauszuinterpretieren.
Mir tut jeder erkrankte oder verstorbene Mensch leid, ob im Flieger oder wo auch immer der Schicksalschlag zuschlägt spielt dabei keine Rolle.
Und jeder kann sich überall ein Bild von Menschen machen, die vermeintlich nicht angemessen reagieren. Aber auch das ist Menschlich und zunächst nichts verwerfliches. Ich habe auf Beerdigungen Menschen lachen sehen, obwohl sie zutiefst traurig waren. Oft sind es eigene Ängste und die sprichwörtliche Hilflosigkeit, die Menschen zu merkwürdigen Verhalten zwingt.
Nicht nur Politiker sondern auch Wirtschaftsführer und auch Pressevertreter sollten vielleicht vor dem Berufsstart zu einer Psychotherapie gezwungen werden, um die eigenen Abgründe und Traumata zu verstehen. Das hilft dann all