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Verschwörer unter sich Wahre Märchen

Das neurechte Compact-Magazin lädt seine Leser nach Feldkirchen - zum ersten Mal überhaupt in den Westen und unter konspirativen Umständen. Star des Abends: Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski. Von dem bekommen die Zuhörer bestätigt, dass Eis mit Würstchengeschmack Teil des "strukturellen Kriegs gegen die Menschheit" ist. Ganz ohne Ironie.

Von: Jürgen P. Lang

Stand: 23.04.2016 | Archiv

Ausgaben des Compact-Magazins | Bild: Jürgen P. Lang / BR

Anwesend: Rund 60 Zuhörer, die meisten Männer, die allermeisten 50 plus. Passend zu der von Soziologen beschriebenen AfD-Klientel einer von (Abstiegs-)Ängsten geplagten Mittelschicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Compact in einem gediegenen Hotel im praktisch prekariatsfreien Münchner Speckgürtel Hof hält und nicht in einer ostdeutschen Kleinstadt.

Wir gegen alle

Dennoch: Man ist unter sich – viel Wind hat Compact im Vorfeld nicht gemacht. Der Tagungsort wurde erst einen Tag vorher bekannt gegeben. Der Verweis auf die Veranstaltungsstörungen zu Zeiten der Weimarer Republik liefert den Grund – und die Konspiration ist Teil der Inszenierung: Zwar lautet der offizielle Titel der Veranstaltung „Deutschland im Spiegel von Zensur und Lügenpresse“. Doch das unausgesprochene Motto heißt: Wir Opfer gegen den Rest der Welt.

Opfer 1: Wisnewski,

Wisnewski (links) mit Compact-Redakteur Perlick in Feldkirchen

der unter serösen Wissenschaftlern verschriene Autor verschwörungstheoretischer Werke. Ende 2015 feuerte ihn der Knaur-Verlag – für Wisnewski das Werk einer von politischen Interessen gesteuerten Medienlandschaft, die unbequeme „Wahrheiten“ nicht zulasse. Er selbst, Eva Herman, Akif Pirinçci würden schikaniert, weil sie das aussprächen, was man offiziell nicht hören wolle.

In der Reihe der Stigmatisierten auch Künstler wie Xavier Naidoo: Die könnten nur etwas werden, „wenn sie die Propaganda des Systems mitmachen. Das ist genau wie im Dritten Reich“. Außerhalb der Zirkels der Aufrechten um Compact und Wisnewskis Hausverlag Kopp: nichts als „Schweigespirale“, „Demokratiesimulation“, „Scheindiskurse“, „Propagandaklima“, „Gleichschaltung der Meinungen“, „Säuberungswellen“. Letztere, sagt Wisnewski dräuend,  seien „immer Zeichen eines künftigen Krieges.“ Und man kann sicher sein, dass er das nicht metaphorisch meint.

Opfer 2: Deutschland.

In der Welt wie sie Compact und Wisnewski wahrnehmen, herrscht bereits jetzt „Kriegszustand“. „Migrationsströme“ würden gelenkt, um andere Bevölkerungen zu verdrängen. „Die Leute, die das veranlassen, sind eiskalt. Es geht nicht um Humanität, sondern um eiskalte Geopolitik.“

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Die Leute? Der Aufforderung aus dem Publikum, Ross und Reiter zu nennen, kommt Wisnewski nur zögernd nach – als glaube er selbst nicht so recht an seine Erkenntnisse. Und die sehen so aus:  Die USA, Großbritannien und „zum Teil“ Frankreich arbeiteten an einem „Projekt der Weltbeherrschung“ und der„Versklavung des Restes der Menschheit“. Es laufe ein „perfider Plan“ ab: Auflösung der Nationen, Auflösung aller Grenzen – des  Geschmacks, der Musik, der Geschlechter. Ziel: „Die menschlichen Ordnungen sollen kollabieren.“ Der Stilmix des kürzlich verstorbenen Popmusikers Prince, „Eis mit Würstchengeschmack“, Schwule und Lesben: Ein angeblich gezielt geschürtes Chaos als Teil eines „strukturellen Kriegs gegen die Menschheit”.

Ob eine solche „Logik“ selbst das offenkundig für verstiegene Thesen empfängliche Publikum glaubt, sei dahingestellt. Der Applaus ist artig, die Zwischenrufe meist zustimmend. Einer fragt nach Gegenmaßnahmen. Wisnewski hat darauf keine klare Antwort – und irgendwie will man die auch gar nicht wissen.


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KM, Freitag, 29.April, 21:02 Uhr

14. Gähn

Um es kurz zu machen: Gähn. Diese ÖR-Propaganda ist ja langweilig.

Thomas Borchert, Sonntag, 24.April, 11:40 Uhr

13. Tja, so hatte sich das keiner vorgestellt, oder?

Im digitalen Zeitalter inkl. Youtube kann heute Jeder Journalist sein bzw. werden um seine Sichtweise der Dinge darstellen. Insgesamt kommt es dann zu einer Reizüberflutung, wo nur Themenbereiche angeschrieben und nur mit Aufmacher Schlagzeilen überhaupt noch wahrgenommen werden ohne dass dabei das große Ganze wahrgenommen werden kann.
Bei der Pressefreiheit sollen Wir auf Platz 12 liegen und wenn man sich bei den ÖR umschaut, findet man auch jede Menge investigativen Journalismus, nur Wer zieht sich Megafilmproduktionen die über mehrere Stunden gehen bzw. ellenlange Texte rein, um sich dahingehend noch in der Geschichte, wie was zu was kam, in der Thematik vertiefen zu können?
Nein, nein alles viel zu anstrengend - weil Fastfood ist gut - so auch die Nachrichten sein sollen?
LG Thomas Borchert

Rainer Steiger, Sonntag, 24.April, 10:44 Uhr

12. Ignorant

Wie bilnd und taub und naiv, oder aber bösartig muss man sein, um Soros oder George Friedman (Stratfor) zu ignorieren?

Peter, Samstag, 23.April, 17:24 Uhr

11. letzte Zuckungen

Wie verzweifelt muß man sein um so einen billigen, lächerlichen und hetzerischen Artikel zu schreiben. Ihr merkt das die MSM in den letzten Zuckungen liegen, der Point of no Return ist längst überschritten und ihr werdet gerade entsorgt.
da ihr das sehr wohl wisst kommen dann solche Hetzpamphlete dabei heraus. Mein Mitleid mit den Lügenmedien hält sich in engen Grenzen, eher ist Schadenfreude angesagt und die ist nicht einmal klammheimlich! :-)

Florian Hohenwarter, Samstag, 23.April, 16:25 Uhr

10. Unsachlicher Artikel

Vor nicht all zu langer Zeit galt die Finanzierung des IS durch die Türkei als VERSCHWÖRUNGSTHEORIE. Die Nutzung von Migranten als Druckmittel gegen andere Staaten galt ebenfalls vor nicht all zu langer Zeit als böse VERSCHWÖRUNGSTHEORIE. Viele Themen die man mittlerweile auch in den MSM lesen und hören kann, konnte man schon Monate, wenn nicht Jahre zuvor in COMPACT und Co. lesen.
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