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Wikileaks-Enthüllungen Hillary Clinton und die Banken

Seit einer Woche veröffentlicht Wikileaks Mails und Unterlagen, die kein gutes Licht auf Hillary Clinton werfen. Bisher waren die US-Medien zu sehr mit Donald Trumps frauenfeindlichen Äußerungen beschäftigt. Doch in der dritten TV-Debatte morgen in Las Vegas könnten die Wikileaks-Veröffentlichungen eine wichtige Rolle spielen.

Von: Martin Ganslmeier, Washington

Stand: 19.10.2016

Aktivisten kritisieren bei einer Straßenperformance in New York den Einfluss von "Big Money" auf die Politik - hier: von Hillary Clinton | Bild: picture-alliance/dpa

Donald Trump und sein Wahlkampfteam fühlten sich in den vergangenen Tagen von den US-Medien schlecht behandelt. Ständig werde über Trumps frauenfeindliche Äußerungen berichtet. Doch die Wikileaks-Veröffentlichungen über Hillary Clinton seien in der zweiten TV-Debatte totgeschwiegen worden, beklagte Trumps Sprecher Jack Kingston.

"57 Sekunden ging es um Wikileaks. Dagegen 23 Minuten über die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs. Das ist so typisch!"

Trumps Sprecher Jack Kingston im Sender CNN

Mittlerweile beschäftigen sich die Medien durchaus mit den täglich von Wikileaks ins Netz gestellten Dokumenten. Die Unterlagen wurden wahrscheinlich bei einem Hackerangriff auf das E-Mail-Konto von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta entwendet. Die Demokraten und die US-Regierung sind überzeugt, dass es russische Hacker waren, die damit Hillary Clinton schaden wollen. Vor allem ihre jetzt erstmals veröffentlichten Reden vor Wall Street-Bankern zeigen, dass ihre Wahlkampf-Parolen nicht immer mit ihren wirklichen Überzeugungen übereinstimmen. Auch deshalb hatte schon ihr innerparteilicher Konkurrent Bernie Sanders im Vorwahlkampf gefordert: "Veröffentlichen Sie die Rede-Manukripte! Jeder soll sie sehen!"

Was in der Bank passiert, bleibt (nicht mehr) in der Bank

Hillary Clinton im Gespräch mit Henry Paulson, früherer CEO von Goldman Sachs

Warum sich Clinton damals hartnäckig weigerte, wird nun klar. In einer Rede vor Goldman-Sachs-Bankern im Jahr 2013, für die sie über 220.000 Dollar bekam, sprach sich Clinton dafür aus, dass die Finanzindustrie selbst eine dominante Rolle bei der Regulierung der Wall Street spielen solle. Schließlich kenne niemand die Branche und ihre Spielregeln besser als die Finanzindustrie.

Straßenprotest in New York: Eine Kandidatin des Volkes oder des "großen Geldes"?

Clintons pragmatischer Schmusekurs in ihren Reden vor Bankern widerspricht ihrer öffentlichen Wahlkampf-Forderung: "Wir müssen härter gegen die großen Banken vorgehen!"Eine Erklärung für diesen Widerspruch liefert Clinton in einer anderen jetzt von Wikileaks veröffentlichten Rede. Politiker müssten nun mal manchmal öffentlich etwas anderes sagen - so Clinton -  als das, was ihre private Überzeugung ist.

Clintons Kritiker denken hier sofort an ihre Aussagen zum transpazifischen Freihandelsabkommen TPP. Als Außenministerin lobte sie das Handelsabkommen als "Goldstandard". Im Wahlkampf distanzierte sie sich davon, nachdem sowohl Sanders als auch Trump Stimmung gegen Freihandelsabkommen machten.

Eine Steilvorlage für Donald Trump

TV-Duell Hillary Clinton und Donald Trump

Clinton muss sich darauf einstellen, dass Trump die Wikileaks-Veröffentlichungen morgen im dritten TV-Duell offensiv anspricht. Die ins Netz gestellten Dokumente bestätigen Trumps Vorwurf, Hillary Clinton sei "hilarious" (betrügerisch), habe zwei Gesichter und spreche mit zwei Zungen. Als jetzt auch noch bekannt wurde, dass das Außenministerium das FBI bat, eine von Clintons Mails auf ihrem privaten Server als weniger geheim einzustufen, sprach Trump von einem Skandal der schlimmer als Watergate sei: "Das zeigt die Korruption auf höchster Ebene".

TV-Tipp: Das dritte TV-Duell

Die dritte und letzte Fernsehdebatte der beiden Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump findet in der Nacht auf Donnerstag, 20.Oktober in Las Vegas statt. Auf Phoenix sehen Sie ab 23 Uhr eine Sondersendung und die Live-Übertragung des Duells ab 2.45 Uhr.

Die Wikileaks-Dokumente, deren Echtheit von den Demokraten weder bestätigt noch dementiert werden, werfen kein gutes Licht auf Clinton. Aber sie enthalten nach Einschätzung von Experten bisher nichts, was strafrechtlich gegen Clinton verwendet werden könnte. Wohlgemerkt bisher, denn Wikileaks-Gründer Julian Assange hat weitere Veröffentlichungen angekündigt.


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Agnes, Dienstag, 18.Oktober, 15:33 Uhr

2. Beispielsweise über 220.000 Dollar für eine Rede im Jahre 2013

vor Goldman-Sachs-Bankern für Frau Clinton sind überaus bemerkenswert. Ich kann gut nachvollziehen, dass bei vielen US-Bürgern ein Wunsch nach Veränderung besteht. Mike Pence macht auf mich insgesamt den besten Eindruck. Auch das 3. Rede-Duell werde ich aufnehmen und mir ansehen.

Thomas, Dienstag, 18.Oktober, 13:29 Uhr

1. Melania Trump: "Das ist nicht der Mann, den ich kenne."

Herr Trump wird sich seiner Ehefrau gegenüber entweder nicht so abfällig verhalten wie gegenüber anderen Frauen oder wenn doch, würde Frau Trump das niemals in der Öffentlichkeit zugeben.

Wahrscheinlich will sie es nicht wahr haben wie skrupellos ihr Gatte sein kann und anderen gegenüber auch ist, wie bei der Anlage seines Golfplatzes in Schottland wo er Grundstücksnachbarn nicht nur versucht hat einzuschüchtern.

Herr Trump denk dass er nur weil er ein großes Vermögen hat machen kann was er will, ob im In- oder im Ausland. Rücksichtnahme und Respekt gegenüber anderen existieren nicht in seinem "ethischen Weltbild". Die Unterstützung die er aus dem Kremel erhält ist mehr als fragwürdig, genauso wie die Interessen von Herrn Putin die Grundlage dieser Unterstützung sind.

Der Hinweis auf Russische Hacker bezüglich Clinton ist für mich nicht weit her geholt, da Putins Kreise ja "angeblich" auch in Deutschland die AfD "unterstützen", so wie manch andere Rechtsradikale in Europa.