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Modellauto-Affäre Rückendeckung für Haderthauer

Christine Haderthauer bekommt Unterstützung von Ilse Aigner und Erwin Huber. Die bayerische Wirtschaftsministerin und der frühere CSU-Chef betonten im Nachrichtenmagazin"Focus", Haderthauer solle nicht zurücktreten.

Stand: 02.08.2014

Christine Haderthauer | Bild: dpa-Bildfunk

Die bayerische Wirtschaftsministerin Aigner betonte, die Aufnahme von Ermittlungen durch die Münchner Staatsanwaltschaft sage nichts über Schuld oder Unschuld aus.

"Ein Rücktritt von Christine Haderthauer wäre ein Fehler. Gut, dass Seehofer zu ihr steht."

Erwin Huber, ehemaliger CSU-Vorsitzender

Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass das Ermittlungsverfahren gegen Haderthauer förmlich eingeleitet worden sei. Anlass für die Ermittlungen sei die Anzeige eines früheren Mitgesellschafters des Ehepaars Haderthauer bei der Firma Sapor Modelltechnik. Der Geschäftsmann hatte nach seinem Ausscheiden eine Abfindung bekommen, die er für viel zu gering hält.

Doch keine neue Anzeige

Die Bild-Zeitung hatte berichtet, den Haderthauers stehe eine weitere Anzeige ins Haus - von Roland S. nämlich, der in Sicherungsverwahrung eine ganze Reihe von Modellautos für Sapor gebaut hat. Dass sein Mandant eine Anzeige plane, hat der Anwalt des verurteilten Dreifachmörders jetzt aber dementiert. Es handele sich offenkundig um eine Falschmeldung, sagte der Jurist dem Bayerischen Rundfunk.

Schon vor den Ermittlungen: neue Details

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, Haderthauer habe noch 2008 Zahlungen erhalten, die als Betriebsausgaben der Modelltechnik-Firma ihres Mannes verbucht worden seien. Dieser Vorgang, so die SZ, würde der Darstellung Haderthauers widersprechen, sie habe mit der Firma seit ihrem Ausscheiden 2003 nichts mehr zu tun gehabt. Dem Blatt zufolge geht es um zwei Überweisungen in der Gesamthöhe von 5.500 Euro.

Haderthauer weist Vorwürfe wegen zweier Geldtransfers zurück

Die Staatskanzleichefin wies die Vorwürfe zurück, auch nach 2003 noch maßgeblich in die Geschäfte ihres Mannes bei der Firma Sapor Modelltechnik verwickelt gewesen zu sein. Zwar seien im Jahr 2008 tatsächlich zwei Zahlungen vom Sapor-Geschäftskonto an ihr persönliches Konto geflossen, aber nur deshalb, weil sie zuvor Rechnungen eines Ingolstädter PR-Unternehmens von ihrem Konto beglichen habe. Die zugrundeliegenden Rechnungen hätten nach Angaben Haderthauers Dienstleistungen für die Firma Sapor Modelltechnik betroffen und seien auch an diese adressiert gewesen.

Haderthauer erläuterte, dass das PR-Unternehmen zur gleichen Zeit auch für sie als Abgeordnete Dienstleistungen erbracht habe. Wohl aus diesem Grund habe sie auch die Rechnungen an Sapor Modelltechnik zunächst versehentlich von ihrem Konto bezahlt. "Als ich später beim Zusammenstellen meiner Belege sah, dass die Rechnungen gar nicht an mich adressiert waren, sondern dass es sich um Rechnungen für die von meinem Mann beauftragten Leistungen für Sapor Modelltechnik handelte, habe ich mir das Geld erstatten lassen. So etwas kommt in jedem Handwerkerhaushalt mal vor", sagte sie.

Reaktion via Facebook

Am Mittwoch Abend hatte Christine Haderthauer zu den SZ-Recherchen auf Facebook gepostet:

"So läuft das: morgen kann man in mancher Zeitung alte Vorwürfe von vorgestern lesen, die mein Anwalt gestern bereits gegenüber der Staatsanwaltschaft mit Anwaltsschreiben widerlegt hat. Das ist die moderne Unschuldsvermutung: Journalisten besitzen leider zufällig immer nur die Teile der Ermittlungsakte, die die Vorwürfe enthalten und nicht den Rest. Ich nehme an, dass ich bald beantragen sollte, die Ermittlungsakte komplett online zu stellen, da bin ich besser dran, da sind dann nämlich auch die Anwaltsschreiben einzusehen."

Christine Haderthauer am 30.7.2014 auf Facebook.

Seehofer stellt sich hinter Haderthauer

Bayerns Regierungschef Seehofer hatte am Dienstag mitgeteilt, an Haderthauer festhalten zu wollen. Die Vorwürfe im Rahmen der Modellauto-Affäre beträfen nicht Haderthauers Amtsführung. Es handele sich demnach nicht um ein Dienstvergehen. Auch wenn nun ermittelt werde, gelte die Unschuldsvermutung. Haderthauer selbst erklärte, sie könne die Anschuldigungen widerlegen.

Anzeige brachte Ermittlungen ins Rollen

Anlass für die Aktivitäten der Staatsanwaltschaft München II ist die Anzeige eines ehemaligen Geschäftspartners des Ehepaars Haderthauer. Der einstige Partner fühlt sich offenbar übervorteilt: Er hatte vor drei Jahren vom Ehepaar Haderthauer 20.000 Euro Abfindung für seinen Firmenanteil erhalten. Er vermutet aber, dass die Gewinne der Firma höher waren als von den Haderthauers angegeben - und seine Abfindung zu niedrig ausfiel.

Haderthauer gibt sich gelassen

"Anlass ist eine Anzeige des früheren Mitgesellschafters, im Zusammenhang mit einer außergerichtlich zivilrechtlichen Abfindungsvereinbarung bezüglich des Verkaufs der Fa. Sapor- Modelltechnik GdbR im Jahr 2008. Mein Rechtsanwalt hat heute schon schriftlich gegenüber der Staatsanwaltschaft dazu Stellung genommen, den Vorwurf widerlegt und die Einstellung des Vorermittlungsverfahrens beantragt. Ich habe ein hohes Interesse an einer schnellen Klärung und werde selbstverständlich alles dazu beitragen. Der Vorwurf ist nach meiner festen Überzeugung nicht haltbar. Ich bin im Übrigen bereits 2003, mit Annahme des Landtagsmandats aus dem Unternehmen ausgeschieden. Das Ermittlungsverfahren hat keinerlei Bezug zu meinem Amt. Die Frage nach persönlichen Konsequenzen stellt sich nicht. Der angekündigten Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, ein Minderheitenrecht der Opposition, sehe ich gelassen entgegen. Ich habe nichts zu verbergen. Zu dem Themenkomplex wurden in zahlreichen veröffentlichten Landtagsdrucksachen bereits über 120 Fragen der Opposition im Bayerischen Landtag wahrheitsgemäß und sorgfältig beantwortet."

Haderthauers Erklärung im Wortlaut

Die Modellauto-Affäre

Bei der Modellauto-Affäre geht es um die Rolle von Christine Haderthauer und ihrem Mann, dem Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer, bei der Geschäftsführung der Firma "Sapor Modelltechnik". Die 1989 von Haderthauers Mann gegründete Firma war in Kritik geraten, weil sie jahrelang von Gefangenen im Straubinger Bezirkskrankenhaus hergestellte Oldtimer-Modelle vertrieben hatte. Der in Straubing psychiatrisch untergebrachte Mehrfachmörder Roland S. - so der ursprüngliche Vorwurf - habe die Autos für seinerzeit 400 DM im Monat angefertigt. Sapor Modelltechnik habe die Modelle dann gewinnbringend weiterverkauft.

Staatskanzleichefin Christine Haderthauer war nach BR-Informationen noch während ihrer Amtszeit als Sozialministerin Domain-Inhaberin und Administratorin der Internetseite der umstrittenen Firma Sapor Modelltechnik. Nach Recherchen des BR-Politikmagazins Kontrovers war die Internetadresse der Firma, sapormodelltechnik.de, noch im August 2009 auf Haderthauer gemeldet. Dies geht aus Unterlagen hervor, die der Redaktion vorliegen. Auf Medienanfragen hin hatte Haderthauer immer betont, sich bereits zum Jahresende 2003 aus der Firma zurückgezogen zu haben. An ihrer Stelle wurde ihr Mann Gesellschafter und blieb es bis Herbst 2008.

Die Chronologie der Affäre

1

31.05.1990

In einer Gewerbeanzeige an die Gemeinde Hartheim vom 31.05.1990 werden Christine Haderthauer, Roger Ponton und Friedrich Sager als Gesellschaft der Firma "Sapor Modelltechnik" angegeben. Beginn der angemeldeten Tätigkeit: 2. Januar 1990.

2

31.12.1992

Gesellschafter Friedrich Sager scheidet aus. Roger Ponton und Christine Haderthauer machen weiter Geschäfte.

3

31.12.2003

Christine Haderthauer scheidet als Gesellschafterin der Firma "Sapor Modelltechnik" aus. Ihr Mann wird stattdessen Gesellschafter neben Roger Ponton.

4

31.10.2008

Hubert Haderthauer schließt als "Verkäufer" einen Unternehmensvertrag, die die Firma "Sapor Modelltechnik" betrifft, mit Heinrich Sandner. Roger Ponton ist nicht beteiligt.

5

01.11.2008

Heinrich Sander und Roger Ponton sind laut Gewerberegister Gesellschafter der Firma "Sapor Modelltechnik".

6

31.12.2008

Roger Ponton wird abgemeldet. Die Gesellschaft "Sapor Modelltechnik" wird ein Einzelunternehmen.

7

06.12.2011

Hubert Haderthauer verpflichtet sich in einem außergerichtlichen Vergleich 20.000 Euro als Abfindung an Roger Ponton zu zahlen.

8

05.03.2013

Anfechtung der Vereinbarung vom 06.12.2011 von Roger Ponton wegen arglistiger Täuschung.

9

02.05.2014

Die Anwälte von Roger Ponton stellen Strafanzeige mit Strafantrag. Grund: Verdacht der Täuschung über die Einnahmesituation der Firma "Sapor Modelltechnik" zwischen 2004 und 2008.

10

Mitte/Ende Mai 2014

Durchsuchung im Bezirkskrankenhaus Straubing. Laut sueddeutsche.de hat Hubert Haderthauers Anwalt bestätigt, dass die Durchsuchung im Zusammenhang mit einer steuerlichen Überprüfung seines Mandanten steht und dass es angeblich Differenzen zwischen der Zahl der hergestellten Automodelle und der in der Buchhaltung von Hubert Haderthauer erfassten Modelle gehe.

11

04.06.2014

Die bayerischen Grünen stellen einen Dringlichkeitsantrag: In diesem geht es um die Gewinnerzielung der Firma "Sapor Modelltechnik" durch subventionierte Arbeitsleistung von Patienten im Maßregelvollzug, das Gesellschafterverhältnis bei "Sapor Modelltechnik", dienstrechtliche Folgen der Nichtanzeige und fehlende Nebentätigkeitsgenehmigung der Tätigkeit von Hubert Haderthauer für "Sapor Modelltechnik".

12

22.07.2014

Die Grünen fordern den Rücktritt Christine Haderthauers als Staatskanzleichefin. Eine Ministerin, die parlamentarische Anfragen unwahr beantworte und Staatsbedienstete für ihre privaten Zwecke einspanne, sei auch in Bayern nicht tragbar, so die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Gote. Haderthauer weist das als "Sommertheater" zurück, nennt es aber "ungeschickt", dass von der Staatskanzlei Informationen des Anwalts ihres Mannes an die Presse verschickt worden waren. Seehofer verlangt eine Erklärung Haderthauers und erklärt selbst, er wolle den Vorwurf überprüfen, Haderthauer habe die Berichterstattung der Medien über frühere Modellautogeschäfte behindern wollen.

13

29.07.2014

Trotz drohender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hält Ministerpräsident Horst Seehofer an Christine Haderthauer als Staatskanzleichefin fest. Die Vorwürfe beträfen nicht die Amtsführung Haderthauers, sondern bezögen sich auf "eine außergerichtliche Einigung mit einem privaten Dritten", teilt die Staatskanzlei mit. "Es geht also nicht um ein Dienstvergehen. Deshalb ist der Vertrauenserklärung, die Herr Ministerpräsident Seehofer in der letzten Woche abgegeben hat, nichts hinzuzufügen", heißt es in der Erklärung der Staatskanzlei.

14

31.07.2014

Der Landtag legte bis zum Ablauf der Frist keinen Widerspruch gegen ein Ermittlungsverfahren ein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, Christine Haderthauer habe noch 2008 Zahlungen in Höhe von 5.500 Euro erhalten, die als Betriebsausgaben der Modelltechnik-Firma ihres Mannes verbucht worden seien. Dieser Vorgang, so die SZ, würde der Darstellung Haderthauers widersprechen, sie habe mit der Firma seit ihrem Ausscheiden 2003 nichts mehr zu tun gehabt. Schon in der Nacht zuvor reagiert Haderthauer via Facebook und spricht von "alten Vorwürfen".

15

05.08. 2014

Die ehemaligen Geschäftspartner widersprechen im BR-Magazin "Kontrovers" der Darstellung Haderthauers, es habe sich bei der Modellauto-Firma um ein "von Idealismus getragenes Engagement" gehandelt. Friedrich Sager und Roger Ponton sagten, es sei vielmehr darum gegangen, Geld zu verdienen.

16

01.09.2014

Staatskanzleichefin Haderthauer erklärt ihren Rücktritt. Es werde noch Wochen dauern, bis alle juristischen Vorwürfe gegen sie ausgeräumt seien. Nun wolle sie sich auf die Klärung der offenen Fragen konzentrieren.


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Motobiggi, Donnerstag, 07.August, 10:03 Uhr

140. Staatskanzleichefin

Stelle als Staatskanzleichefin neu zu besetzen...

Bewerbung bitte an Ministerpräsident des Freistaates Bayern Horst Seehofer.

Karl-Heinz Frede, Samstag, 02.August, 14:30 Uhr

139. Es geht doch auch anders

Wieso werden Politiker und Politikerinnen in Situationen wie diese nicht vorübergehend von ihrem Amt zurückgezogen? Hier ergäbe sich ausreichend Zeit zur Klärung, die politische Position könne vorübergehend von einer in der CSU doch so zahlreichend vorhandenen "Kraft" übernommen werden. Und sollte man unbedingt Frau Haderthauer wieder benötigen, ließe sich das nach Abklärung der jetzigen Anklage doch ganz einfach wieder regeln.
Dies würde zur Beruhigung der jetzigen Situation mit allen "Wenns und Abers" beitragen. Man kann doch Ergebnisse auch von zuhause aus abwarten!

  • Antwort von BrigitteD, Samstag, 02.August, 16:47 Uhr

    .....so koennte man dem spekulativen Medienzauber das Futter nehmen
    warum passiert das eigentlich nicht...????

    und hoffentlich wird sie nicht mehr benoetigt

  • Antwort von Simplicissimus, Samstag, 02.August, 17:19 Uhr

    Da würden ja jede Woche andere Gestalten auftauchen. So nach dem Motto: Wer issen des? Das ist der Vertreter vom Vertreter seines Chefs, der zur Zeit im Knast sitzt. Das wird lustig, aber in Bayern ist alles möglich, auch das.

KTG, Samstag, 02.August, 14:22 Uhr

138. Hadertauer

Gibt es in der CSUeigentlichnnur korrupter Politik, Hadertauer, Kreidl etc.

  • Antwort von Josef, Haberer, Samstag, 02.August, 17:21 Uhr

    Ein eindeutiges Ja. Deswegen sind sie ja in der CSU.

Zwiesel, Samstag, 02.August, 14:18 Uhr

137. Haderthauer

Saludos Amigos

Kritiker, Samstag, 02.August, 13:20 Uhr

136. Haderthauer

Ein weiterer 'Qualitätsbeweis' für die politische 'Elite' Bayerns......zum Kotzen !!