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Was bedeutet das für die Firmen? Chinesische Übernahmen in Bayern

China ist Bayerns drittwichtigster Handelspartner. Immer öfter steigen die Chinesen bei bayerischen Firmen ein – denn die sind technologisch interessant für sie. Was sind die Folgen?

Von: Astrid Freyeisen

Stand: 13.11.2017

Die Volksrepublik verfolgt ehrgeizige Ziele. Der Masterplan "Made in China 2025" soll das Land in wenigen Jahren von der billigen Werkbank der Welt zu einem wichtigen Spieler bei Hightech machen: In Internet, Robotik, Medizintechnik, erneuerbaren Antrieben, Schienenverkehr, Luft- und Raumfahrt. 2049 – zum 100. der Volksrepublik – soll China dann Weltspitze sein.

"Chinas Hightech-Revolution ist in vollem Gange. Deutschland muss dringend eine Antwort formulieren."

Das auf China spezialisierte Institut Merics in Berlin.

Robotik-Spezialist Kuka – umstrittener Deal, aber bisher alles ruhig

Es war mit 4,5 Milliarden Euro die größte Übernahme durch Chinesen in Deutschland, und auch die umstrittenste: Kuka in Augsburg, Hersteller von Robotik-Systemen - ein unverantwortlicher Ausverkauf strategisch wichtiger Technologie? Nach einem Jahr mit dem neuen Eigentümer Midea ist von Angst bei Kuka nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Marketingchef Wilfried Eberhardt und Betriebsratsvorsitzender Armin Kolb waren im Oktober beim neuen Eigentümer Midea in China: "Die bauen 150.000 Mikrowellengeräte am Tag! Und das mit vielleicht 20, 30, 40 Robotern bei den 15.000 Leuten in der Fabrik. Also ein Riesenpotential für die Automatisierung durch uns. Bedarf ist da."

Der Ehrgeiz auch: Kuka will in China mit Hilfe des neuen Partners Midea die Nummer eins bei der Industrie-Robotik werden. Das ist der Traum, den deutsche Unternehmer träumen, wenn chinesische Investoren einsteigen – viele sind es bislang nicht, aber die Investitionen wuchsen 2016 ums Zwanzigfache auf rund neun Milliarden Euro. Vor allem bei Auto- und Maschinenbauern.

Problemfall Datenschutz?

Anfang November sah sich Wilfried Eberhardt bei der Shanghaier Automotions-Messe bestärkt. Kuka sei dort als chinesisches Unternehmen und als technologisch spitze gesehen worden. Aber kann Kuka seine Daten schützen? Betriebsratschef Armin Kolb:

"Was faszinierend ist und was das Allerwichtigste für uns war, ist die Abschirmungsvereinbarung. Wir sind ganz tief in der Automobilindustrie verwurzelt. Da sind natürlich Daten da, die die Kunden nicht freigeben wollen. Die liegen alle hier auf einem Server in Deutschland. Das ist eine Basis, auf der man arbeiten kann."

Armin Kolb, Betriebsratschef bei Kuka

Dass solche Vereinbarungen aber an Grenzen stoßen, ist naheliegend: Vor dem eigenen Besitzer kann man Technologie nicht verstecken. Das geben betroffene Firmenchefs ganz offen zu. Andererseits: Die deutsche Autoindustrie muss in China in Gemeinschaftsunternehmen mit Chinesen arbeiten – ohne dass die in über 30 Jahren technologisch an den Deutschen vorbeigezogen wären.

Wie sind Chinesen als Chefs?

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat in diesem Jahr 42 Firmen mit chinesischen Investoren untersucht, darunter etliche aus Bayern. Das Ergebnis – die Chinesen sind viel besser als ihr Ruf. Sie halten sich an Tarifverträge, lassen Betriebsräte machen, bauen keine Arbeitsplätze ab und geraten auch in Schwächeperioden nicht in Panik. Beispiel: Linde Hydraulics in Aschaffenburg. Vor fünf Jahren stieg die halbstaatliche Weichai Power Gruppe bei dem Hersteller von Gabelstaplern ein. In Konflikten sieht sich Linde Hydraulics Chef Jörg Ulrich nicht chancenlos:

"Der Betriebsrat hat eine wichtige Bedeutung. einfach weil der Betriebsfrieden so hoch und heilig ist. Andere Eigentümer wie die Kion-Gruppe, ein wichtiger Einflussgeber. Meine Meinung hat auch Gewicht."

Linde Hydraulics Chef Jörg Ulrich

In Aschaffenburg arbeitet Jörg Ulrich täglich mit chinesischen Managern zusammen. Das funktioniere problemlos auf Englisch, während er mit seinem Vorstandschef nur über Dolmetscher kommunizieren kann. Was Ulrich kritisiert: Immer wieder seien Projekte des staatlich gelenkten Mutterkonzerns zu teuer oder zu kurzfristig ausgelegt – auch weil es manchmal nur um politisches Image ginge.

Dass China bald ein Drittel seines Geschäfts ausmachen soll, beunruhigt Jörg Ulrich dennoch nicht: „Aber auch hier ist durchaus denkbar, dass man sagt: Man beliefert China halt nur, und setzt so eine Grenze.“ Was bei Linde Hydraulics auffällt: Der durchdachte Umgang mit dem fernen Partner. Auch andere bayerische Firmen sind mit chinesischem Eigentümer gut gefahren – etwa der Autozulieferer Preh im unterfränkischen Bad Neustadt. Der wurde nach langer Durststrecke 2011 von der privaten Firma Joyson aufgekauft, seither boomt das Geschäft.

Augsburger Fall Ledvance ist eine Ausnahme

Die Böckler-Studie kommt zu dem Schluss: "In den Einzelfällen, in denen nach dem Einstieg chinesischer Investoren Arbeitsplätze abgebaut wurden (z.B. Waldrich Coburg) handelt es sich um Probleme einer Spezialbranche oder um kleine Zulieferer, die schon vor ihrer Übernahme gefährdet waren." Möglicherweise ist der Fall Ledvance also genau so eine Ausnahme. Der Niedergang des Augsburger Werks hatte längst begonnen, als dies noch zu Osram gehörte.

Aus Gewerkschaftskreisen ist zu hören, dass die Chinesen blauäugig vorgegangen seien und nicht erwartet hätten, dass das Geschäft derart schlecht läuft. Die Investoren: MLS - einer der größten LED-Hersteller in China, IDG Capital – eine der ersten Wagniskapital-Firmen in China, Yiwu State Owned Assets Operation – staatlicher Verwalter fürs Investmentmanagement aus Yiwu, einem der wichtigsten Großhandelszentren in China. Alles keine kleinen Fische. Bei den Verhandlungen zwischen Osram und den Chinesen wurde nach Gewerkschaftsinformationen keine Garantie der Arbeitsplätze in Augsburg vereinbart.

 China, der unbekannte Riese - mehr Infos nötig

In der Volksrepublik selbst macht der Fall Ledvance bislang überhaupt keine Schlagzeilen. Überhaupt stellen uns viele Vorgänge dort vor Rätsel. Zu oft spielt die kommunistische Partei im Hintergrund doch eine bedeutende Rolle. Selbst erfahrene Experten wie die Münchner Rechtsanwältin Sabine Stricker-Kellerer sind vorsichtig in ihren Einschätzungen:

"Es erschreckt uns erst mal, weil wir nicht wissen, was dahinter steckt. Ist es die Industriepolitik? Ist es nur der große Markt? Oder ist es auch wettbewerbswidrige Unterstützung durch Subventionierung und andere Maßnahmen, die wir hier im Westen nicht kennen. Dazu kommt, dass wir Angst haben, dass chinesische Unternehmen in Deutschland oder Europa etwas dürfen, was wir im Gegenzug nicht dürften. Also wir erschrecken, weil es nicht transparent ist, weil ausländische Investoren in China nicht viel tun können."

Rechtsanwältin Sabine Stricker-Kellerer

Dass es aber immer noch deutsche Manager gibt, die China für ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten halten, macht Ursula Müller von der IHK Aschaffenburg ratlos:

"95 Prozent der Anfragen, die mich erreichen, sind die, wenn schon was schiefgegangen ist. Und nur fünf Prozent, die im Vorfeld von Geschäftsanbahnungen uns anfragen, oh ich hab da was, wo können sie unterstützen. Das wäre eine tolle Geschichte, wenn mehr im Vorfeld die IHK im Blick hätten."

Ursula Müller, IHK Aschaffenburg  


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Kommentare

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AfDlerin , Mittwoch, 15.November, 09:31 Uhr

9. Die chinesische Wirtschaft steht vor einem Kollaps

darum wird Geld jetzt rasch im Ausland untergebracht.

Sepp, Mittwoch, 15.November, 09:30 Uhr

8. Erst aussuzeln und dann

wegwerfen!

AS , Mittwoch, 15.November, 08:38 Uhr

7. D wird nicht nur Gewinner sein

Wer glaubt eigentlich noch, dass D immer nur der Gewinner der Globaliiserung sein wird? Auch wir werden noch unsere Quittung kriegen, auf die eine oder andere Weise. Wir sind es nur gewohnt, dass wir in Saus und Braus auf Kosten anderer leben.
Früher haben die weißen Kolonialherren Afrika aufgesucht, das Land und die Menschen ausgebeutet, heute kommen die Afrikaner halt zu uns.
Heute kaufen uns die Chinesen und wir werden, wie die Näherin aus Indien/Bangladesch und der Billig-Schlachter aus Osteuropa, halt auch iirgendwann immer mehr in einen Billiglohnsektor abrutschen. Schließlich müssen die Konzerne über kurz oder lang Wettbewerbsfähig bleiben, was interssiert da der einzlene Mensch oder dessen Familie. Interessiert es bei uns jemanden, wenn die osteurop. Pflegekraft die eigenen Familie für den Broterwerb verlassen muß?!
Die Luft unserer Städte wird doch auch immer schlechter, auch da passen wir uns doch China an. Irgendwann laufen wir halt auch mit Atemmaske rum. Was solls....

Francesco, Mittwoch, 15.November, 08:36 Uhr

6. Schuss nicht gehört...

Beobachtet man den lieben Herrn Trump, wie er mit China "umgeht", kann man mit etwas Ahnung erkennen, dass die EU gezielt in die Zange genommen wird. Leider haben dies die europäischen, geschweige denn die deutschen Politiker, bisher nicht erkannt. Der beste Beweis ist aus meiner Sicht u.a., dass "mein Freund" Dobrindt immer noch für die deutsche Automobilindustrie bzw. deren Manager kämpft. Er kapiert immer noch nicht, dass er damit den Managern ein schönes Leben (Einkommen) macht und längst erforderliche Investitionen / Innovationen verhindert. Er ist für mich der eigentliche Totengräber der Automobil-Arbeitsplätze !!! Denn, dass die Chinesen uns überrollen werden, ist für mich nur eine Frage der Zeit. Aber vielleicht wacht die Politik ja auch noch auf.....

Jetzt sind wieder die Chinesen die Bösen, Dienstag, 14.November, 22:49 Uhr

5. Und läuft das dann bei internationalen, US-dominierten

Hedgefonds anders... oder warum interessiert das mehr oder weniger keinen Journalisten, wenn sich internationale US-Konzerne wie Google ungeniert am Knowhow dieses Landes bedienen, und aufstrebende deutsche Internet-Startups sich im Vorbeigehen einverleiben...Wo bleibt da die Empörung, braindrain oder Wissenstransfer läuft doch noch viel dramatischer in das Land jenseits des Atlantiks. Sind das dann automatisch wieder mal nur *die Guten'?!?
Wenn schon hierzulande die Globalisierung als das Gesundungsmittel für die Wirtschaft uneingeschränkt hochgejubelt wird, dann muss man auch lernen, zu diesen negativen Entwicklungen insgesamt zu stehen.