18

Klage gegen Versicherungsportal Check24 Zu wenig Beratung, aber keine Irreführung

Versicherungsvertreter sind gegen das Vergleichsportal Check24 vor Gericht gezogen. Die Versicherungskaufleute werfen dem Online-Portal vor, die Verbraucher in die Irre zu führen: Check24 vermittle Versicherungen und trete wie ein Makler auf, mache dies aber nicht kenntlich.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 24.02.2016

Das Preisvergleichsportal Check24 klärt die Online-Nutzer nicht ausreichend über seinen Status als Versicherungsmakler auf. Das ließ die Vorsitzende Richterin im Landgericht München in der mündlichen Verhandlung erkennen. Zwar gebe es entsprechende Hinweise, diese seien aber in einer Fußzeile versteckt, so Richterin Barbara Clementi. Nicht jeder Kunde werde sich bis zum Ende der Seite durchscrollen, um an diese Informationen zu kommen.

Streit um die Beratung bei Check24

Check24 kündigte an, die Seite anzupassen, sollte dies notwendig werden. Von einer Irreführung der Verbraucher, wie der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute in seiner Klage gesprochen hatte, war im Prozess allerdings nicht die Rede. Das Münchner Landgericht hat das Online-Vergleichsportal nicht in Frage gestellt und machte auch deutlich, dass Kunden im Internet andere Bedürfnisse haben als solche, die eine Versicherung Offline bei einem Versicherungsmakler abschließen. Deshalb wurde vor allem darüber gestritten, wie intensiv das Online-Portal den Kunden beraten und befragen muss. Hier gingen die Standpunkte weit auseinander. Doch wird dieser Streit am Schluss wohl nicht in München entschieden werden. Die Parteien kündigten an, die Sache grundsätzlich klären zu wollen. Das heißt, die Verhandlung dürfte nur ein Zwischenschritt sein. Die unterlegene Partei wird wahrscheinlich in Berufung gehen. Denkbar ist auch eine Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshof, allerdings erst in ein paar Jahren.

Die Klage gegen Check24

Es ist ein Kampf alt gegen jung: Auf der einen Seite der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute mit mehr als 40.000 Mitgliedern, die als selbstständige Versicherungsvermittler tätig sind. Auf der anderen Seite Check24, eines der größten Vergleichsportale, das 1999 gegründet, zwischenzeitlich rund 900.000 Autoversicherungen im Internet pro Jahr vermittelt, dazu tausende Hausrat-, Gebäude- oder Unfallpolicen.

Check24 bekommt Provisionen von den Versicherungen

Das Portal Check24 listet Versicherungsangebote auf. Der Kunde kann mit einem Mausklick die Tarife vergleichen und dann einen Vertrag abschließen. Check24 gilt als Preisvergleichsportal. Allerdings werden dort überwiegend Produkte und Tarife der Versicherungsunternehmen aufgeführt, mit denen Check24 auch einen Vertrag geschlossen hat. Denn Check24 erhält eine Provision der Versicherungsgesellschaft, sobald ein Kunde einen Vertrag abgeschlossen hat. Damit übt Check24 eine Maklertätigkeit im Internet aus.

Versicherungsvermittler machen prinzipiell dasselbe. Sie vermitteln den Kunden Versicherungspolicen und erhalten als Lohn eine Provision. Allerdings sind sie über die Versicherungsvermittlungsverordnung angehalten, zunächst mit dem Kunden eine individuelle Bedarfsanalyse zu erstellen und diese zu dokumentieren. Allerdings bemängeln Kunden seit Jahren, dass die angebotenen Produkte weniger vom Nutzen als von der Höhe der Provision abhängig sind.

Der Vorwurf gegen Check24: unlauterer Wettbewerb

Die Versicherungskaufleute sind der Ansicht, das Vergleichsportal Check24 übe einen unlauteren Wettbewerb aus. Verbraucher würden unter dem Deckmantel des Vergleichsportals auf die Seiten von Check24 gelockt, um dort einen Versicherungsvertrag abzuschließen. Dabei allerdings würden die gesetzlichen Anforderungen für Versicherungsvermittler nicht eingehalten. Deshalb fordern die Versicherungskaufleute, das Verhalten von Check24 in dieser Form zu untersagen. Check24 sieht hingegen keinen Wettbewerbsverstoß.

Versicherungsportale sind aus Sicht von Verbraucherschützern sinnvoll

Die Verbraucherzentralen beobachten die Klage mit Interesse. Auch sie sind der Ansicht, dass geklärt werden müsse, welche Anforderungen ein Versicherungsportal im Internet erfüllen muss. Vergleichsportale seien sinnvoll, gerade bei einfacheren Policen wie Auto- oder Haftpflichtversicherungen. Doch fordert Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern gegenüber dem Bayerischen Rundfunk gleiche Bedingungen.

"Das ist von der Verfahrensweise her ganz anders, weil sie als Vermittler im Netz auftreten. Aber in der Konsequenz ist es sehr vergleichbar mit dem, was die Versicherungsmakler machen, außer dass die Portalbetreiber nicht die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben einhalten wie sie ein Versicherungsmakler einhalten muss."

Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern


18