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Chancen für Kinder Bayern ist Schlusslicht bei Ganztagesschulen

Es geht voran mit Deutschlands Schulen, aber in unterschiedlichem Tempo. Das ist das Fazit des Chancenspiegels, den die Bertelsmann-Stiftung vorgelegt hat. Bayern schneidet beim Ausbau der Ganztagesplätze schlecht ab.

Von: Janina Lückoff

Stand: 01.03.2017

Englischunterricht | Bild: picture-alliance/dpa|Julian Stratenschulte

Die Schulsysteme wurden in den vergangenen 15 Jahren leistungsfähiger und chancengerechter, sie haben sich aber laut „Chancenspiegel“ in den Bundesländern sehr unterschiedlich entwickelt.

Prämierte Mittagsbetreuung an einer Ganztagsschule

Deutlich wird das im Bereich Ganztagesschulen: Während deutschlandweit betrachtet im Schuljahr 2002/2003 nur jeder zehnte Schüler den ganzen Tag zur Schule ging, war es im Schuljahr 2014/2015 jeder Dritte. Bayern ist dabei Schlusslicht: Nur 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler besuchen hier eine Ganztagesschule; die meisten, nämlich 88 Prozent, tun das in Hamburg.

Ganztagsschule für alle gefordert

Die Experten fordern deshalb einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Sie mahnen, beim Reformtempo nicht nachzulassen: Gehe es so weiter wie bisher werde es noch drei Jahrzehnte dauern, bis alle Kinder in Deutschland einen Ganztagsschulplatz bekämen.

Integration macht Fortschritte

Unterricht in einer Ganztagsschule

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die eine allgemeinbildende Schule besuchen, ist gestiegen. Damit seien Förderschüler heute besser integriert als vor 15 Jahren, meinen die Experten.

Allerdings gibt es immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. Deshalb würden heute deutschlandweit anteilig noch genauso viele Kinder wie 2002/2003 separat unterrichtet. Damit sei zwar die Inklusion im deutschen Schulsystem vorangekommen, gleichzeitig sinke aber die Exklusion nur langsam.

Nord-Süd-Gefälle

Göttinger Schule als Schulsieger ausgezeichnet

Auch hier wird der Unterschied zwischen den Bundesländern deutlich: So lernen in Schleswig-Holstein im Schnitt 2,6 Prozent aller Schüler an einer separaten Förderschule, in Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt liegt der Anteil im Schnitt bei 6,1 Prozent.

Der Ausbau des inklusiven Regelschulsystems müsse deshalb konsequent ausgebaut werden, fordern die Studienmacher. Bessere Chancen für alle Schüler könnten nur entstehen, wenn Bund und Länder mehr in die Schulsysteme investierten.


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