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Es gärt in der CDU Ist Angela Merkel Zugpferd oder Problem für ihre Partei?

Angela Merkel tritt wieder als Kanzlerkandidatin an. Doch nach fünf Landtagswahlen, bei denen die CDU teils katastrophale Verluste einstecken musste, fragen sich immer mehr Mitglieder und Funktionäre: ist Merkel noch Zugpferd oder das eigentliche Problem der Partei. Wie also tickt die CDU?

Von: Susanne Betz, Achim Wendler, Wolfram Goetz

Stand: 02.12.2016

Das Rief-Haus in Winterstettenstadt

An einem verregneten Novemberabend strömen fast 200 Menschen in das "Rief"-Haus in Winterstettenstadt im Kreis Biberach, Oberschwaben. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus ist ein Symbol für den schwäbischen Mix aus Tradition und blitzblanker Effizienz. Früher war der Kreis Biberach eine CDU-Hochburg: 60 bis 70 Prozent der Wählerstimmen wurden geholt, heute ist man auf dem Landesdurchschnitt von knapp 30 Prozent. Der CDU-Kreisverband hat zu einer Veranstaltung eingeladen unter dem Motto: "Der Genderwahn – Angriff auf unsere menschliche Identität". Die nicht unumstrittene Publizistin Gabriele Kuby referiert. Die meisten anwesenden CDU-Mitglieder aber auch ganz normale Bürgerinnen und Bürger im Saal monieren, dass sich die CDU unter Merkel zu weit nach links bewegt hat. Das Konservative sei verschwunden. Sie sehnen sich nach der alten CDU zurück.

"Deswegen sind viele überzeugte Christen heute Anhänger der AfD, was ich als CDU-Mitglied zutiefst bedauere."

Graf Albrecht von Brandenstein-Zeppelin

Sehnsucht nach dem Konservativen

Die CDU-Funktionäre im Kreis Biberach wollen mit der Veranstaltung "Genderwahn", dass Dampf abgelassen werden kann und ein "vordergründig populistisches Thema nicht populistisch missbraucht wird". Seufzend muss Marc Zinser, der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Ingoldingen/Winterstetten aber auch zugeben:

"An der Basis sind viele am Schwanken, ob sie noch in der richtigen Partei sind."

Marc Zinser, Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Ingoldingen/Winterstetten

Direktmandat verloren

Bernd Schubert, CDU Vorpommern-Greifswald, mit BR-Redakteurin Susanne Betz

Bernd Schubert, Jahrgang 1955, hat für die CDU drei Mal das Direktmandat im Wahlkreis 29 - Vorpommern-Greifswald - geholt. Er sorgte dafür, dass die Landesregierung vier Millionen Euro für die Sanierung der maroden Schwimmhalle in Anklam locker machte, dass die Geburts-und Kinderstation des einzigen Krankenhauses weit und breit wieder geöffnet wurde. Er war rund um die Uhr erreichbar, seine Handynummer öffentlich. Am 4. September bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern erlebte die CDU ein Desaster und rutschte auf Platz 3 – hinter die AfD. Bernd Schubert verlor sein Mandat. Im Wahlkampf war es immer nur um Merkels Flüchtlingspolitik gegangen, deswegen wollten die Leute die CDU nicht mehr wählen. Bernd Schubert ist zunächst in ein tiefes Loch gestürzt und hat sich hinterfragt. Wer hat Schuld an der Misere?

"Vieles kann man jetzt den sozialen Medien entnehmen: ja dann hättest du dich von der Kanzlerin trennen müssen."

Bernd Schubert, CDU Vorpommern-Greifswald

Schubert hält Angela Merkel nach wie vor für die beste Kanzlerkandidatin seiner Partei. Er hofft, dass die Landtagswahlergebnisse ein Warnschuss waren, auf den die CDU jetzt reagiert. Damit es bei der Bundestagswahl besser wird.

Persönliche Verletzungen und Zorn     

Armin Schuster, CDU-MdB, im Gespräch mit BR-Korrespondent Achim Wendler

Die Flüchtlingskrise treibt die Bundestagsfraktion seit 15 Monaten um: es gab persönliche Verletzungen und viele Zornesausbrüche. Auch wenn sich die Wogen mittlerweile etwas geglättet haben: der inhaltliche Dissens besteht weiter. Armin Schuster, seit 2009 im Bundestag und früher Polizist, z.B. möchte eine Obergrenze und ist unzufrieden mit seiner CDU-Vorsitzenden:

"Wir kriegen immer noch irreguläre Migration, das verstehe ich nicht."

Armin Schuster, CDU-Bundestagsabgeordneter

Angela Merkal bei der CDU-Reginalkonferenz in Münster, November 2016

Sein Parteifreund  Roderich Kiesewetter, ebenfalls seit 2009 im Bundestag und ehemaliger Offizier bei der Bundeswehr, steht dagegen voll hinter der Kanzlerin und ihrer Flüchtlingspolitik. Weil in neun Monaten aber Bundestagswahlen sind, bemühen sich die Politiker um Geschlossenheit und um Abkühlung der Gemüter.

Die B5 Reportage

Es gärt in der CDU - ist Angela Merkel Zugpferd oder Problem für ihre Partei?

Reportage am Sonntag, 4.12.2016, 14:35 und 21:35 Uhr, B5aktuell

Autoren: Susanne Betz, Wolfram Goetz, Achim Wendler
Redaktion: Susanne Betz

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