Ganz legal über den Ladentisch Cannabisverkauf in Wien

Ein Laden, der Cannabis verkauft - in Wien geht das. Akzeptiert von der österreichischen Polizei. Denn dieses Cannabis ist eine legale Züchtung, die kaum berauschend ist, aber dafür umso mehr medizinisch wertvoll.

Von: Christine Auerbach

Stand: 11.04.2017

Medical Marihuana | Bild: picture-alliance/dpa

Yuri, Sebastian und Sophie, die jungen Macher des Shops wollen mit ihrer Züchtung Cannabis aus der Schmuddelecke holen. Sie nutzen die österreichischen Gesetze geschickt aus, damit sie im legalen Bereich bleiben. Noch ist der Verkauf ziemlich kompliziert. Viel ist noch nicht drin im Cannabis Laden namens Magu. Es hallt, wenn sich die drei Geschäftsgründer mit ihren Kunden unterhalten. Vor kurzem war auch schon die Polizei da, erzählt Sebastian:

"Und die hat uns angeboten uns zu beschützen. Wir haben unsere Telefonnummer hergegeben. Falls ihnen irgendetwas auffällt, melden sich bei uns."

Sebastian, Cannabis-Verkäufer

Hilfe gegen Multiple Sklerose oder Rheuma

Mitarbeiterin einer Firma, die legales Cannabis produziert

Österreich ist nicht das neue Holland geworden. Cannabis ist nicht legal. Dass die Polizei so entspannt ist, liegt daran, dass der Wiener Laden "Cannabis light" verkauft. Eine spezielle Züchtung, die nur wenig THC enthält; der Stoff, durch den man high wird und der verboten ist. Weil die Wiener Züchtung beim THC unter dem gesetzlichen Limit bleibt, ist sie legal. Dass die Leute sie trotzdem kaufen, liegt an einem zweiten Wirkstoff von Cannabis, dem CBD. Von dem enthält die Wiener Züchtung ziemlich viel. CBD ist nicht verboten und vor allem in der Medizin bekannt. Es soll zum Beispiel helfen zu entspannen. Auch bei schweren Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Rheuma soll es helfen. CBD-Medikamente vom Arzt auf Rezept zu bekommen ist möglich, aber kompliziert. In den Wiener Laden kann man einfach reingehen:

"Das ist unser Ziel, allen Leuten den Zugang zu Cannabisblüten zu erleichtern, zu fairen Preisen, das heißt, so billig wie möglich."

Sophie, Cannabisverkäuferin

Atmosphäre ohne Illegalität

Demo in Irland für die legale Verwendung von Cannabis

Der Cannabis-Laden liegt mitten in Wiens hippem Viertel, große Schaufenster, Holzregale auf denen die Gläser mit Blüten und Öl stehen, ordentlich aufgereiht. Die beiden Cannabissorten heißen Sissi und Franz. Alles in allem der Gegenentwurf von dem, was man sich unter einer schmuddeligen Kifferbude vorstellt. Man wolle zeigen, sagen die Verkäufer, dass sie offen sind, einladende Atmosphäre schaffen, nichts zu verstecken haben und nichts Illegales machen. Das sei gar nicht so einfach, sagen sie. Denn die Gesetzeslage bleibt heikel und auch der Verkauf der speziellen Züchtung eine Gradwanderung für die Ladenbesitzer. Sie dürfen ihre Kunden zum Beispiel nicht beraten, wie sie Blüten und Öl am besten hernehmen. Sonst bekommen sie rechtliche Probleme. In Österreich ist der Laden in Wien der erste. Wenn er gut läuft wollen die Macher noch weitere eröffnen und damit ihrem Ziel ein bisschen näher kommen, sagt Yuri.

"Das Hanff aus dem Image des psychosen evozierenden Produkts herauskommt."

Yuri, Cannabisverkäufer