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30 Jahre nach Tschernobyl Viel zu viel Caesium im Wildfleisch

30 Jahre nach Tschernobyl sind die Folgen immer noch virulent. So ist immer noch bis zu zehnmal mehr Caesium als erlaubt im Wildfleisch. Jäger müssen seit der Atomkatastrophe ihr Wildfleisch untersuchen lassen, bevor es in den Handel kommt. Für diese Kontrolle stehen in Bayern mehr als hundert Messstationen zur Verfügung.

Von: Daniel Knopp

Stand: 29.11.2016

Wildschweine | Bild: picture-alliance/dpa

Am 26. April 1986 war ein Test in Tschernobyl außer Kontrolle geraten. Die radioaktive Wolke breitete sich von der damaligen Sowjetrepublik auch bis nach Bayern aus. In so genannten qualifizierten Messstationen müssen Jäger seither ihr Wildfleisch untersuchen lassen.

Caesium im Wildbret: Sensor im Bleibehälter bestimmt die Radioaktivität.

Wir sind im Labor der Messstation Battke Scientia in Taufkirchen. Hier wird die Radioaktivität von Wildfleisch anhand von Proben mit einem sogenannten Bequerel-Monitor gemessen. So wird bestimmt, ob eine Probe für den menschlichen Verzehr geeignet ist oder verworfen werden muss. Der Grenzwert hierfür liegt bei 600 Becquerel pro Kilogramm - Fleisch, das als verkehrsfähig durchgehen soll, muss darunter liegen.

Messungen fallen sehr unterschiedlich aus

Florian Battke ist der Fachmann im Labor. Etwa 150 Messungen macht er jährlich, meist geht es dabei um Schwarzwild, also Wildschwein. Vor allem bei Vollmond liefern viele Jäger ihre Wildschweinproben an die Messstation Battke. Denn das Schwarzwild ist mittlerweile fast ausschließlich nachtaktiv und bei Vollmond ist das Jagen einfacher. Die besten Möglichkeiten hätte der Jäger bei Vollmond im Winter, erklärt Battke.

Florian Battke vor Messstaton

Bei allen Stichproben variiert die Radioaktivität deutlich. Mal sei es kaum zu messen, dann gebe es aber wieder Fleischproben, die den Grenzwert um das Zehnfache überschreiten, so der Molekularbiologe Battke.

"Das liegt an der Ernährungsweise des Schwarzwilds. Das ist in den Wintermonaten und im Frühjahr sehr viel im Wald unterwegs und wühlt dabei im Boden, nimmt kontaminiertes Erdreich mit auf und frisst auch unterirdisch Pilze, die belastet sind und dadurch geht die radioaktive Belastung des Muskelfleischs in diesen Monaten nach oben."

Molekularbiologe Florian Battke

Im Süden belasteter als im Norden

Caesium im Wildbret: Sensor im Bleibehälter bestimmt die Radioaktivität.

Ganz anders hingegen läuft es im Sommer. Dann fressen Wildschweine frische Pflanzen und Getreide auf Feldern, die weit weniger radioaktiv belastet sind. Neben den saisonalen Unterschieden gibt es aber auch starke regionale Differenzen. Dabei wären die Belastungen im südlichen Landkreis München und in Richtung Voralpenland deutlich höher als im nördlichen Oberbayern.

Es piepst - unsere Probe hat ausreichend Messgenauigkeit. Das Gerät zeigt uns 723 Becquerel pro Kilogramm an. Das bedeutet in der Konsequenz, dass das Stück Schwarzwild in der Tierkörperbeseitigungsanlage vernichtet werden muss.


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realist, Mittwoch, 30.November, 20:48 Uhr

10. Wichtig ist es, Angst zu erzeugen

Atomkraftgegner
Strahlenschutzgrenzwerte haben mit einer Wirklichkeit nichts zu tun. Sie setzen keine Grenzen, sondern Verhinderungen. In Fukushima ist nicht eine Person wirklich durch Strahlung geschädigt worden, aber mehrere durch die zwangsweise Umsiedlung.
Die 600 Becquerel des Schweine-Kilogramms entsprechen einer Dosis von 0,000156 mSv / pa. Eine Tomographie des Kopfes 2 ... 4 mSv / pa und des Körpers 6 ... 10 mSv / pa. Die natürlich Strahlenbelastung in Deutschland liegt bei ca. 2,4 mSv / pa.
Und nun berechnen Sie einmal, wieviel Wildschwein Sie essen müssen, um erst einmal die natürliche Strahlendosis zu erreichen. Aber vor jedem Strahlenmediziner sollten Sie unbedingt flüchten, am besten noch verbieten.
Und bitte auch keine Flugreise mehr unternehmen. Die stündliche Belastung beträgt hochgerechnet ca. 43 mSv / pa. Das Wildschein ist also nur gefährlich, wenn es auf Sie fällt. Wichtig ist, vor allem Angst zu erzeugen. Das wollte der Bericht.

Frange, Mittwoch, 30.November, 08:33 Uhr

9. Falloutregionen

In dem Artikel fehlt vor allem die Info, das die Messung nur in festgelegten Falloutregionen durchzuführen ist. In Franken zum Beispiel ist das gar nicht notwendig. Zumindest im Umkreis von 100km wo ich herkomme. Da kam damals kein Regen runter

vierfuessler, Dienstag, 29.November, 23:56 Uhr

8. Strahlenbelastung von Lebensmitteln

Bei Wildschwein liegt die Belastungsgrenze bei 600 Beq. Wie hoch liegt sie bei Seefisch? 800 Beq.
Und wie hoch liegt sie bei Lebensmitteln aus Fernost seit dem Reaktorunfall?
Richtig! das weiß keiner, denn für Importe aus Fernost wurden die Belastungsgrenzen aufgehoben, um den globalen Welthandel nicht zu stören!
Da hilft auch das Bashen gegen einheimische Lebensmittel nichts, auch nicht gegen Jäger, mein lieber @Atomkraftgegner!

Peter, Dienstag, 29.November, 22:50 Uhr

7. Pilze noch verstrahlt?

Sind die Pilze die man heute findet noch belastet?
Sind selbst gesuchte, getrocknete Pilze aus dem Münchner Norden von damals!!! - nach Tschernobyl - noch radioaktiv belastet?

Atomkraftgegner, Dienstag, 29.November, 22:12 Uhr

6.

@realist: Siehe Artikel über den Tschernobyl Sarkophag! Kosten 2 Milliarden EURO. Da fallen dann Kosten für die vielen Staatsbediensteten nicht mehr annähernd ins Gewicht! Das BR ist einer der wenigen Sender der noch gute Artikel und Hintergünde bietet!
Sind Sie Realist oder Jäger?
Aber trotzdem finde ich gut das Sie Ihre Meinung hier frei äußern können auch wenn ich eine andere habe!
Die Kosten des Atommülls und das Risiko sind in keinem Fall Wert das Risiko Atomkraft weiter zu nutzten, die Schweizer haben falsch entschieden!