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Dicke Luft in den Städten Busse sind große Stinker

Der Bayerische Städtetag und die Großstadt-Bürgermeister sind sich einig: Dieselverbote in den Städten sollen - wenn irgend möglich - vermieden werden. Aber es braucht eine Offensive für den Öffentlichen Nahverkehr. Denn Busse stinken. Was aber genau geschehen soll, ist noch unklar.

Von: Lorenz Storch

Stand: 15.07.2017

Der Auspuff eines Linienbusses | Bild: pa/dpa

Dem Freistaat ist der Busverkehr heutzutage noch immer weniger wert als vor 15 Jahren. Die Busförderung wurde unter Stoiber massiv gekürzt, und seither nur zögerlich angehoben. Eigentlich wäre der Dieselgipfel mit den Kommunen in der Staatskanzlei diese Woche die Gelegenheit gewesen, um das zu ändern. Doch eine konkrete Zusage, die Mittel zu erhöhen, gab es nicht.

Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hat inzwischen schon ein schlechtes Gewissen, wenn er an seinen städtischen Fuhrpark denkt:

"Wenn wir ehrlich sind: Mit unseren schön brummenden Kehrmaschinen und Mülleinsammelfahrzeugen schwimmen wir im Moment so ein bisschen im Emissionsschatten der Massendieselmobilität. Wenn – nehmen wir das kurz an – der Individualverkehr sauber geworden ist, dann hinterlässt so ein Diesel-Linienbus im Zehnminutentakt eine unglaubliche NOx-Spur. Das sind zweistellige Prozentsätze, die wir mit unseren eigenen Verkehren dazu beitragen."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schlägt in die gleiche Kerbe:

"Die Fahrzeuge, die ständig in der Stadt unterwegs sind, die müssen wir schnell auf alternative Antriebe umstellen. Also beispielsweise die Taxen, die Busse, die städtischen Flotten. Das ist jetzt Hauptaufgabe."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)

Elektroantrieb ist teuer

Aber so einfach ist das nicht: Kehrmaschinen oder Müllfahrzeuge etwa sind Kleinserien, für die vorerst nicht extra Elektro-Varianten entwickelt werden, sagt der Nürnberger OB. Und bei den Elektro-Bussen sieht es auch nicht viel besser aus.

"Wir als Unternehmen haben den europäischen Markt sehr intensiv gescreent. Wir haben aber keinen deutschen Hersteller gefunden, der unsere Anforderungen auch nur ansatzweise erfüllt hätte beim E-Bus."

Josef Hasler, Verkehrsbetriebe-Chef der Stadt Nürnberg

Die Probleme sind vielfältig: Die Reichweiten der Busse sind zu kurz, es braucht eine größere Bus-Flotte, um das gleiche Netz zu bedienen, die Heizung der Busse braucht zu viel Strom und die Batterien halten nur wenige Jahre. Außerdem sind Elektrobusse bei all diesen Nachteilen auch noch viel teurer in der Anschaffung.

"Wir sehen aktuell trotz Förderung bei einem E-Bus im Vergleich zu einem Dieselbus das doppelte Investitionsvolumen. Und das ist natürlich im kommunalen ÖPNV, der hochgradig defizitär ist, weil wir Daseinsvorsorge leisten, ein Riesenthema."

Josef Hasler, Verkehrsbetriebe-Chef der Stadt Nürnberg

Förderung vom Staat ist unverzichtbar

"Der wichtigste Punkt ist, dass wir mehr Förderung brauchen für den ÖPNV. Finanzielle Unterstützung zum Einkauf von zum Beispiel E-Fahrzeugen."

Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), Regensburger Bürgermeisterin

Auch der neue Städtetagschef Kurt Gribl macht deutlich: Wenn die Stadtluft besser werden soll, braucht es einen großzügigen Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, und der kann nicht aus Fahrscheinerlösen bezahlt werden:

"Wenn wir dafür die Fahrpreise ins Unendliche heben, dann beginnt natürlich jeder zu rechen. Und sagt, wenn das soundsoviel kostet, dann fahre ich wieder mit meinem Auto. Sodass wenn man das will, auch entsprechend gefördert werden muss."

Kurt Gribl, OB aus Augsburg


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Kommentare

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Bürger, Sonntag, 16.Juli, 15:46 Uhr

14. Unglaubwürdige Kom-Politik

Die gleichen Politiker, die landauf landab seit vielen Jahren dem Bürger Umweltschutz predigen, verhindern in ihren eigenen Amtsstuben, dass endlich auch sie (und nicht nur der Normalbürger ) Umweltpolitik selbst glaubwürdig praktizieren. Es wurde jahrelang bei der großen Fahrzeugflotte (Busse,Müll-Dienstfahrzeuge) Dieselautos angeschafft. Weil ja Alternativen so wesentlich teurer sind. Bei vielen Projekten von Kommunal-Politikern , spielt die Höhe der Kosten(Steuergelder!), das hier als Argument vorgeschoben wird, meistens überhaut keine Rolle (Die teuerste Ausführung ist gerade gut genug, und oft werden Projekte niedrig geschätzt u. überteuert abgerechnet.) Kostenargument spielt für Politiker keine Rolle. Dann wäre die öffentl. Hand schon längst schuldenfrei.

Timer, Sonntag, 16.Juli, 13:26 Uhr

13. Es ist Zeit...,

...daß es mal wieder autofreie Sonntage oder auch Werktage gibt, damit die Leute sich wieder mehr um die Mobilität bewusst werden.

Es sieht fast so aus als würden einige Umweltaktivisten 24h ständig am Auspuff sniffen und dabei den klaren Verstand verlieren.

  • Antwort von Münchner, Sonntag, 16.Juli, 16:25 Uhr

    Das wäre schön, da wäre ich auch dafür, für autofreie Sonntage. Dann könnte man seine Freizeit am Sonntag auf der Strasse vor dem Haus verbringen und müsste nicht umständlich (mit dem Auto?) ins Grüne fahren.

Hans Holtz, Sonntag, 16.Juli, 13:17 Uhr

12. Kann man so oder so sehen.

Busse sind Stinker. Sicher. Doch gehen in einen Bus halt viele Menschen rein, die sonst separat fahren müssten und dann ebenfalls Abgase produzieren würden. Somit ist es so, dass man Einsatz und Resultat vergleichen muss, um fair zu bleiben. Vielleicht sind es die Städte an sich, die zum Moloch mutieren. Doch was dagegen tun, wenn es eben so viele Menschen dahin zieht?

Gabriele, Sonntag, 16.Juli, 12:45 Uhr

11. Viele Faktoren machen den Dreck

Doch, Busse sind Stinker! Wie alle Fahrzeuge, die mit Verbrennungsmotor betrieben werden. Und seit immer mehr Flixbusse unterwegs sind, kann man sich z.B. um den Münchner Hauptbahnhof herum eigentlich nur noch die Nase zuhalten. Wir kommen in Sachen saubere Luft nicht weiter, wenn eine Dreckschleuder durch den Verweis auf die angeblich viel schlimmere andere Dreckschleuder quasi entlastet werden soll. Klar ist es besser, wenn viele Autofahrer auf den Bus umsteigen. Trotzdem kann man darüber nachdenken, dass auch der hinten raus sauber gemacht werden muss. Es sind viele Faktoren zusammen, die die Umwelt verschmutzen. Und irgendwo sollte man jetzt einfach mal anfangen mit Verbessern. Und wer mit dem Finger auf die anderen zeigt und meint, die mögen sich erstmal bewegen, ist schlichtweg zu faul, im eigenen Leben etwas zu ändern, die Bequemlichkeit aufzugeben, sich umzustellen, ja womöglich sogar Verzicht zu üben.

Horst Schilling, Sonntag, 16.Juli, 11:36 Uhr

10. Busse sind Stinker

Sehr geehrter Herr Storch ,
Busse entlasten die Umwelt und sind keine Stinker Mit derartigen unreflektierten Floskeln trägt der BR nicht zu einer Verbesserung der Umweltbilanz bei .Die Nutzer des Nahverkehrs werden mit derartigen Thesen nicht bestärkt weiterhin den umweltfreundlichen Bus zu nehmen . Es stimmt aber , dass der Nahverkehr in Stadt und Land besser gefördert werden muss als bisher . Die seit 2004 von Bund und Ländern beschlossenen Einsparungen zu Lasten des OePNV summieren sich in Bayern inzwischen auf mehr als 800 Millionen Euro , die an allen Ecken und Kanten fehlen . In Bayern werden aber immerhin mehr als 400 neue Linienbusse mit Hilfe der Busfoerderung pro Jahr angeschafft , so dass Bayern über die jüngste Busflotte im Nahverkehr verfügt .