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Bad Reichenhall Sexuelle Übergriffe bei der Bundeswehr

Bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall ist ein Soldat über Monate hinweg unter anderem durch Vorgesetzte sexuell belästigt und genötigt worden. Entsprechende Berichte des BR hat jetzt das Verteidigungsministerium bestätigt - und weitere Details bekannt gegeben.

Von: Arnd Henze und Veronica Zapp

Stand: 20.03.2017

Gebirgsjäger in Bade Reichenhall  | Bild: picture-alliance/dpa/Sven Hoppe

Die Bundeswehr wird von einem neuen Skandal erschüttert: Laut einem Schreiben, das dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, wurde ein Obergefreiter der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall über viele Monate von Ausbildern und Mannschaftssoldaten sexuell belästigt und genötigt. Das teilte das Verteidigungsministerium heute dem Bundestag mit.

In der vergangenen Woche bereits hatte die Bundeswehr Vorwürfe sexueller Nötigung in Bad Reichenhall bestätigt. Unklar war jedoch die Zahl der Beschuldigten und ob auch Vorgesetzte in den Fall verwickelt sind.

Opfer wandte sich an Wehrbeauftragten

Die Vorfälle beziehen sich auf den Zeitraum von November 2015 bis September 2016 und betreffen die 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231. Es geht sowohl um verbale wie tätliche sexuelle Angriffe. Am 5. Oktober habe sich das Opfer an den Wehrbeauftragten gewandt. Zugleich bat der Obergefreite dringend darum, nicht wieder zu den Gebirgsjägern zurückkehren zu müssen.

Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte

Interne Untersuchungen bestätigten die Aussagen des Obergefreiten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums richten sich die Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte: Zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. Das Ministerium von Ursula von der Leyen (CDU) verweist aber darauf, dass die Vorgänge lediglich eine Teileinheit beträfen. Es bescheinigt den truppendienstlich verantwortlichen Kommandeuren, "umsichtig und konsequent reagiert" zu haben.

Auffallend ist allerdings nicht nur der lange Zeitraum der sexuellen Übergriffe. Bemerkenswert ist auch, dass es der Obergefreite erst wagte, sich an den Wehrbeauftragten zu wenden, als er räumlich von seiner Einheit getrennt war. Erst vor einigen Wochen hatten jahrelange sadistische Praktiken bei der Sanitätsausbildung in der Stauferkaserne im baden-württembergischen Pfullendorf für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte sich Generalinspekteur Volker Wieker persönlich in die Ermittlungen eingeschaltet.

Ministerium: "Bedauerlich und inakzeptabel"

Das Verteidigungsministerium bezeichnete die Vorfälle in seinem Schreiben an den Bundestag als "äußerst bedauerlich und vollkommen inakzeptabel". Der direkte militärische Vorgesetzte des betroffenen Soldaten sei aus seiner Funktion herausgelöst worden. Der Betroffene selbst sei versetzt worden, aber noch Angehöriger der Bundeswehr. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt.


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