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Kampf der Zukunft Bundeswehr setzt auf den Laser

Die Opposition im Bundestag ist verärgert. Die Entwicklung von hochmodernen Laserkanonen für die Bundeswehr ist schon viel weiter fortgeschritten als gedacht. Das ARD-Hauptstadtstudio konnte jetzt erstmals beobachten, wie eine solche Kanone wirkt.

Von: Achim Wendler

Stand: 09.07.2015

Eine Drohne schwebt über Wiesen und Bäumen, ein ferngesteuertes Flugobjekt, knapp 50 Zentimeter groß, mit vier Propellern. Plötzlich blitzt es am Gehäuse, Funken sprühen, Sekunden später stürzt die Drohne ab. Eine Szene auf dem Testgelände der Rüstungsfirma MBDA in Schrobenhausen. Sie präsentiert dem ARD-Hauptstadtstudio ihre Laserkanone.

"Am Beispiel eines Feldlagers, dass bedroht sein könnte durch eine Drohne oder kleine anfliegende Objekte. Da wäre ein heutiger Laser im Stande, ein solches Objekt über drei Kilometer zu bekämpfen und damit die Soldaten im Lager zu schützen."

Peter Heilmeier, Manager MBDA

Nicht nur MBDA entwickelt eine Laserwaffe. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat bereits einen Radpanzer damit ausgestattet. Die Kanone sitzt auf dem Dach des Fahrzeugs.

"Der Laser wird die eingeführten Waffensysteme nicht ersetzen, sondern mit seinen Fähigkeiten hoch präzise zu sein und mit Lichtgeschwindigkeit zu arbeiten, definitiv ergänzen."

Alexander Graf, Manager Rheinmetall.

Laserkanone entwickelt von Rheinmetall.

Für die Entwicklung der Technologie hat die Bundesregierung in den letzten Jahren mehr als 80 Millionen Euro bezahlt. Aber dass die Waffe nun schon so weit fortgeschritten ist, wundert manchen im Bundestag. Denn noch im Dezember 2014 hatte das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Opposition mitgeteilt.

Stellungnahme des Verteidigungsministerium

„Von Seiten der Bundeswehr wurde keine technische Studie zu einem Gefechtsfahrzeug der Zukunft mit einer laserbasierten Waffe durchgeführt oder in Auftrag gegeben.“

"Ich höre das jetzt zum ersten Mal. Es gibt einen Bereich für wehrtechnische Forschung im Haushalt, bei dem nie ganz klar war, wofür die eigentlich eingesetzt werden."

Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag

Jetzt weiß es Lindner, für ein Gefechtsfahrzeug mit einem "Silent Killer" auf dem Dach - lautloser Killer, so die Branchenbezeichnung. In der Opposition ärgern sie sich nun. Nicht nur, weil sie überrascht sind. Laut dem Linken Bundestagsabgeordneten Jan van Aken werden Laserkanonen überschätzt.

"Zu behaupten, die Waffen sind präziser und damit besser ist einfach albern. Sie können mit einer Laserwaffe genauso daneben schießen, wie mit einer anderen Rakete - und am Ende ist dann die Hochzeitsgesellschaft tot."

Jan van Aken, Die Linke im Bundestag

Ein Einwand, den Florian Hahn nicht gelten lässt. Laut dem CSU-Verteidigungspolitiker, Wahlkreis München-Land, hat die Bundeswehr in Sachen Laserkanone gar keine Wahl.

"Es ist schon die richtige Frage, ob man sich damit nicht beschäftigen will, weil man an irgendwelche Science-Fiction-Horrormärchen glaubt. Oder sagt man, wir müssen uns damit beschäftigen, denn sonst tun es andere."

Florian Hahn, CSU

Die Rüstungsindustrie treibt ihr Projekt jedenfalls voran. Und macht kräftig Werbung. Auf einem dramatisch inszenierten Firmenvideo von Rheinmetall ist von einer "höchst wirksamen Waffe" die Rede. Der Industrie zufolge könnte die Bundeswehr die Laserkanone in spätestens drei Jahren im Kampf einsetzen.


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