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Mutmaßlicher Brüssel-Attentäter Ominöser "Mann mit Hut" offenbar gefasst

Die Staatsanwaltschaft Brüssel hat Haftbefehl gegen den Terrorverdächtigen Faycal C. erlassen. Bei dem Mann soll es sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen um den gesuchten dritten Flughafen-Attentäter handeln - den "Mann mit Hut".

Von: Holger Romann, Till Erdtracht

Stand: 26.03.2016

Der Verdächtige war bei einer Razzia am Freitag in Brüssel festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, C. würden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und mehrere Morde zur Last gelegt. Auch gegen zwei weitere Terrorverdächtige seien Haftbefehle erlassen worden.

Für die Behörden ist C. kein Unbekannter. Er ist Belgier, von Beruf freier Journalist und steht im Verdacht, Jugendliche für den sogenannten "Heiligen Krieg" in Syrien rekrutiert zu haben. Bei einer Gegenüberstellung soll ihn der Taxifahrer wiedererkannt haben, der die Flughafen-Attentäter vor vier Tagen vom Stadtteil Schaerbeek zum Airport fuhr.

Seit dem Bombenanschlag am Brüsseler Flughafen war fieberhaft nach dem Mann gesucht worden. Auf dem Bild der Überwachungskamera ist er in der Flughafenhalle rechts von den beiden Selbstmordattentätern Najim Laachraoui (24) und Brahim El Bakraoui (29) mit weißer Jacke und schwarzem Hut zu sehen. In Ermittlerkreisen wurden Medienberichte bestätigt, wonach C. der gesuchte dritte Mann auf dem Fahndungsfoto vom Flughafen ist. Die Staatsanwaltschaft teilte allerdings offiziell nur die Festnahme von C. mit.

Der ominöse "Mann mit Hut" hatte eine Kofferbombe dabei, die aus noch unbekannten Gründen nicht explodiert war. Er war Ermittlungen zufolge vom Tatort geflohen, nachdem sich seine zwei Komplizen dort selbst in die Luft gesprengt hatten. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung habe man weder Waffen noch Sprengstoff gefunden, hieß es. Für die Ermittler ist C. nicht nur Tatverdächtiger sondern auch ein wichtiger Zeuge. Wäre er doch der bisher einzige Beteiligte an den Anschlägen, der über die Verbrechen Auskunft geben kann.

Auf dem Flughafen in Brüssel und in einer U-Bahn-Station waren am Dienstag durch Selbstmordanschläge mindestens 31 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten wird vom Gesundheitsministerium inzwischen mit 340 angegeben.

Gedenkmarsch in Brüssel abgesagt

Nach einem entsprechenden Aufruf von Belgiens Innenminister Jan Jambon ist eine für Sonntag geplante Kundgebung in Brüssel gegen Extremismus und Gewalt abgesagt worden. Die Initiatoren erklärten am Samstag, sie hätten Verständnis für den Appell des Innenministers. "Die Sicherheit unserer Bürger ist eine absolute Priorität", hieß es in ihrer Erklärung. Der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur verwies auf die aktuelle Gefährdungslage, die laufenden Ermittlungen zu den Anschlägen sowie die begrenzten Kapazitäten der Polizei.

Lang ersehnter Fahndungserfolg

Der lang ersehnte Fahndungserfolg dürfte dem massiv unter Beschuss stehenden Innenminister Jan Jambon gelegen kommen. Er musste sich gestern, zusammen mit dem Justizminister, erstmals vor dem Parlament zu diversen Ermittlungspannen im Anti-Terror-Kampf äußern.

Dementiert wurde inzwischen das Gerücht, wonach der Wachmann einer belgischen Nuklearanlage von Islamisten ermordet worden sei, um an seinen Sicherheitsausweis zu kommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Charleroi hat der Tod des Mannes keinen terroristischen sondern womöglich einen privaten Hintergrund. Das Echo, das die Geschichte kurzzeitig in den Sozialen Medien fand, ist allerdings ein Beweis dafür, wie angespannt die Lage in Belgien nach wie vor ist.

Die Wiedereröffnung des Brüsseler Flughafens verzögert sich nach den Terrorangriffen weiter. Der Flughafen Zaventem will vor Dienstag keine Passagierflüge starten oder landen lassen. Der Flughafen habe mit den Vorbereitungen für neue Sicherheitsmaßnahmen begonnen, die von der Regierung beschlossen worden seien, hieß es.

Hier fanden die Explosionen in Brüssel statt


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