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Anschläge in Brüssel Die Fahndung läuft weiter

In Brüssel geht die Suche nach den Tätern und Hintermännern der Anschläge weiter. Unterdessen wird immer mehr Kritik an der Arbeit der Ermittler laut. So soll es in Griechenland schon vor über einem Jahr Hinweise auf ein Attentat am Brüsseler Flughafen gegeben haben.

Von: Kai Küstner und Holger Romann

Stand: 26.03.2016

Polizisten beim Anti-Terror-Einsatz in Brüssel | Bild: dpa-Bildfunk

Auch wenn die Behörden über die Identität der Verdächtigen nur wenig verlauten lassen, scheinen die Aktionen der Sicherheitsbehörden von Erfolg gekrönt: Laut Staatsanwaltschaft wurden in den vergangenen 24 Stunden mindestens drei Personen in Gewahrsam genommen. Weitere drei Verdächtige sitzen schon seit Donnerstag Nacht in Untersuchungshaft. Bei allen besteht der Verdacht, dass sie zum weitverzweigten Terror-Netzwerks des inhaftierten Paris-Attentäters Salah Abdeslam gehören. Dies beginnen die Ermittler nun nach und nach zu entwirren.

Gab es aus Athen schon lange Informationen zu Anschlag am Brüsseler Flughafen?

Die griechische Polizei soll bereits im Januar 2015 in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt haben, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Das berichtete der private Athener Nachrichtensender Skai unter Berufung auf die griechische Polizei. Schon damals seien die belgischen Behörden informiert worden. Unter anderem sei eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Eine offizielle Erklärung der Polizei dazu gibt es bislang nicht.
Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden waren. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe, meldete der Sender. Abaaoud gilt als mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er wurde im November wenige Tage nach der Terrorserie bei einem dramatischen Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis getötet. Abaaoud hatte auf seinen Reisen quer durch Europa auch eine Wohnung in Athen gemietet. Die französische Polizei hatte nach seinem Tod eine DNA-Probe des 27 Jahre alten Terroristen an die griechischen Behörden übermittelt.

Top-Terrorist Abdeslam schweigt zu Brüsseler Anschlägen

Der wichtigste noch lebende Verdächtige, Salah Abdeslam, hüllt sich seit Dienstag in Schweigen. Wie der belgische Justizminister Geens bei einer Anhörung im Parlament erklärte, spricht der mutmaßliche Islamist seit den verheerenden Anschlägen von Brüssel nicht mehr mit den Ermittlern. Auch die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass man den vor einer Woche festgenommene Abdeslam unmittelbar nach den Attentaten noch einmal verhört habe. Er habe jedoch die Aussage verweigert.

Nach bisherigem Ermittlungsstand ist der Franzose eine Schlüsselfigur im Netzwerk des Terrors. Er war an den Pariser Anschlägen mit 130 Toten beteiligt und stand auch in Kontakt zu Mitgliedern der Brüsseler Terrorzelle. Zu den Anschlägen auf den Flughafen Zaventem und eine U-Bahn-Station im EU-Viertel, bei denen 31 Menschen starben, hatte sich die Terrormiliz IS bekannt. Die belgische Justiz hat den im Brüsseler Problembezirk Molenbeek gefassten Abdeslam wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden angeklagt. Medienberichten zufolge hatte er in Brüssel ähnliche Angriffe wie in Paris geplant. Abdeslams Anwalt hat erklärt, sein Mandant habe nichts von den Vorbereitungen für Brüssel gewusst. Er will erreichen, dass der 26-Jährige möglichst bald an Frankeich ausgeliefert wird.

Der dritte Mann vom Flughafen?

Besonders interessant aus Sicht der Polizei: Faycal Cheffou, ein neuer Name in der Akte. Er könnte der lange gesuchte dritte Mann sein, dessen Sprengstofftasche am Flughafen Zaventem vergangenen Dienstag nicht explodiert war. Noch immer nicht dingfest gemacht, so berichten die belgischen Medien, ist auch der Komplize des U-Bahn-Bombers Khalid el Bakraoui, der ebenfalls von einer Überwachungskamera gefilmt wurde.

Brüsseler Flughafen frühestens ab Dienstag wieder in Betrieb

Die Wiedereröffnung des Brüsseler Flughafens verzögert sich nach den Terrorangriffen weiter. Der Flughafen Zaventem will vor Dienstag keine Passagierflüge starten oder landen lassen. Der Flughafen habe mit den Vorbereitungen für neue Sicherheitsmaßnahmen begonnen, die von der Regierung beschlossen worden seien. Welche Maßnahmen darunter genau zu verstehen sind, wurde zunächst nicht bekannt. Der Flughafen ist einer der beiden Orte, an denen Attentäter am Dienstag Bomben zündeten und mehr als 30 Menschen getötet und rund 300 verletzt wurden. Die Abflughalle wurde durch zwei Explosionen schwer beschädigt.

Ermittlungen in Schaerbeek

Immer wieder führte die Spur zuletzt in den Brüsseler Stadtteil Schaerbeek: dort hatten die drei mutmaßlichen Flughafen-Attentäter eine Wohnung bezogen. Bei einer großangelegten Polizei-Operation gestern wurde dort ein Mann angeschossen und festgenommen. Ein ferngesteuerter Roboter, der Sprengstoff aufspüren kann, kam Berichten zufolge zum Einsatz. Diese Razzia stand nicht nur im Zusammenhang mit den Brüssel-Attentaten, sondern laut Staatsanwaltschaft auch mit neuen, vereitelten Anschlagsplänen in Paris.

Wohl ein Netzwerk für Anschläge von Paris und Brüssel verantwortlich

Immer offensichtlicher wird jedenfalls, dass die beiden Terror-Serien in Brüssel und Paris von ein und demselben, weit verzweigten Netzwerk geplant wurden: Jetzt ist bestätigt, dass es sich bei dem Selbstmord-Attentäter vom Brüsseler Flughafen um Najim Laachraoui handelte. Einem Mann, der als Bombenbauer für die Paris-Attentate gedient haben soll. Seine DNA-Spuren waren an den Tatorten in der französischen Hauptstadt entdeckt worden.

Hier fanden die Explosionen in Brüssel statt


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Anton H., Samstag, 26.März, 12:20 Uhr

1. Belgien

Wer sich noch an den Kinderschaender-Fall Dutroux in Belgien erinnern kann hat jetzt sicher das vollste Vertrauen in die Arbeit der belgischen Sicherheitsbehörden....

Ungefähr 0,0.

Wie die neuesten Nachrichten angeben ist vorgestern ein AKW-Sicherheitsmitarbeiter getötet worden, bei Tihange.
Und welch eine Überraschung, sein Ausweis wurde entwendet...

Alles wird gut.