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Internetausbau in Bayern Abgehängt in der Breitband-Pampa

Finanzstaatssekretär Albert Füracker (CSU) feiert in Amberg: Zwei Jahre Bayerisches Breitbandzentrum. Doch noch ruckelt es: Zwar beteiligen sich inzwischen viele bayerische Kommunen am Förderverfahren für den Ausbau von schnellem Internet. An manchen Orten läuft es aber noch schleppend. Ein Beispiel aus Pottenstein.

Von: Claudia Stern

Stand: 22.01.2016

Stecker für Internetverbindung | Bild: picture-alliance/dpa

Zitronenfaltergelb liegt der Bernerhof inmitten von Wiesen und Feldern am Rand von Prüllsbirkig, einem Ortsteil von Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Vor dem Hof stehen zwei Ponys im Schnee. Familie Berner bietet Ferienwohnungen, einen Zeltplatz und Wohnmobilstellplätze für Urlauber an. Im Brotzeitstüberl können sich Wanderer mit selbst gebackenem Holzofenbrot stärken. Ein Urlaubsparadies - zumindest für all jene, die keinen Wert auf eine Internetverbindung legen, erzählt Andreas Berner.

"Derzeit haben wir eine DSL-Verbindung von 384 Kilobyte. Wir können unseren Gästen damit kein WLAN anbieten. Es gibt bei uns nur einen Trick: Neben der Dachrinne funktioniert das Datennetz Edge. Das sieht dann immer etwas komisch aus, wenn sich ganze Gruppen von Wanderern neben die Dachrinne stellen."

Andreas Berner

Zu langsam für's Geschäft

Eine lustige Vorstellung. Doch die Berners können darüber nicht mehr lachen. Denn zum hochladen von Videos reicht die langsame Internetverbindung nicht aus und auch Online-Buchungen funktionieren nicht reibungslos.

Schön zum Wandern, schlecht zum Surfen: Pottenstein in der Fränkischen Schweiz.

Ein Zustand den Bürgermeister Stefan Frühbeißer längst ändern wollte. Doch trotz maximaler Förderung hätte Pottenstein für den Netzausbau gut eine Million Euro an die Telekom zahlen müssen - im bayerischen Förderprogramm sind die Kommunen nämlich zur Kooperation mit einem Netzbetreiber verpflichtet. Als Flächengemeinde mit 35 Ortsteilen und einem schwierigen, felsigen Untergrund sei der Aufwand für den Breitbandausbau in Pottenstein wesentlich höher, als anderswo, so Frühbeißer.

Betriebe drängen auf schnelleren Anschluss

Eine schwierige Situation für den Bürgermeister, denn auch die ortsansässigen Betriebe drängen auf den Breitbandausbau. Die Firma Klubert und Schmidt fertigt in Pottenstein Kfz-Teile für den Weltmarkt, beschäftigt über 300 Mitarbeiter. Ein schnelles Internet ist für den Standort überlebensnotwendig, sagt Geschäftsführer Andreas Kubizek.

"Heutzutage werden große Datenmengen mit unseren Kunden ausgetauscht, und dazu ist eine leistungsfähige Internetverbindung unumgänglich."

Andreas Kubizek

Der Plan: die eigene Datenautobahn

Damit Pottenstein auf der Datenautobahn aber nicht abgehängt wird, will Bürgermeister Stefan Frühbeißer den Breitbandausbau nun selbst in die Hand nehmen und die Förderprogramme von Bund und Freistaat kombinieren. Frühbeißer hat sich das schon mal ganz genau durchgerechnet - und sieht im Ergebnis einen ganz entscheidenden Vorteil für seine Stadt:

"Wenn man jetzt einen Aufwand von vier Millionen Euro hätte, um das Netz auszubauen, dann kämen etwa zwei Millionen vom Bund und 940.000 Euro vom Freistaat Bayern. Dann hätten wir in etwa die gleiche Größenordnung bezahlt, wie wir beim bayerischen Förderprogramm an die Telekom hätten zahlen müssen. Mit dem Unterschied, dass das Netz dann aber im Besitz der Stadt Pottenstein ist."

Bürgermeister Stefan Frühbeißer

Das fertige Netz will Pottenstein dann an Betreiber wie die Telekom vermieten und es so refinanzieren. Ob dieser Plan aufgeht, entscheidet sich im Frühjahr. Wenn dann alles glatt läuft, will Pottenstein spätestens 2018 auf seiner eigenen Datenautobahn surfen.


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Tommy, Freitag, 22.Januar, 22:44 Uhr

7.

Wäre beim Aufbau des deutschen Telefonnetzes die Reichspost ein privates Unternehmen gewesen, hätten viele Dörfer heute noch keinen Telefonanschluss.
Das sind halt die Auswirkungen der soviel gepriesenen Privatisierung.

timo baumann, Freitag, 22.Januar, 17:54 Uhr

6. internet

Was soll das Gejammere? War man wirklich so naiv, die warmen Luftblasen von Drehhofer und seinem Adlatus Söder ernst zu nehmen? Telefon ist Geschäft - und das rechnet sich auf dem Land nicht !! Oder der Steuerzahler bezahlt es, wie so viele Luftnummern, die vor allem vor Wahlterminen verkündet werden.

Klaus, Freitag, 22.Januar, 12:17 Uhr

5. Breitband / Lügenmärchen

Wir wohnen seit ein paar Jahren in einem kleinen Dorf in Oberfranken. Mit schnellem Internet ist da Nichts, aber im Rahmen der Dorferneuerung wurde uns der Breitbandausbau versprochen und wer will kann sich Glasfaser bis Haus legen lassen, natürlich zu ensprechneden Kosten. Jetzt liegt aber wieder Kupfer unter dem Teer, nun gut damit sollten irgendewann, wenn es denn irgendwo auch angeschlossen werden kann, BIS ZU 50 Mbit möglich sein. Wenn ich mir aber die Datenentwicklung der vergangen 10 - 15 Jahre ansehe ( Datenmenge pro Update ) dann wird es wohl keine 15 Jahre dauern bis wir wieder soweit sind wie Heute.
!!! Wohl NICHTS aus der Vergangenheit gelernt ???

RittervStein, Freitag, 22.Januar, 11:03 Uhr

4. Pottenstein ist bei Gott kein Einzelfall ...

darauf sollte man deutlich hinweisen! Ich wohne in einem Ortsteil von Gefrees - kein Internet (384 kB ist gleichbedeutend), kein Handy-Empfang. Herrlich wenn man seine Ruhe haben will, schlecht wenn man am Geschehen auf unserer Welt teilnehmen will! Gefrees will die nächsten 2 Jahre zwar den Breitbandausbau voran treiben, da ich allerdings etwas abseits eines Ortsteiles wohne, wird unser Haus vom Ausbau ausgeschlossen. Für "Unser Haus" - eine Ausflugsgaststätte - ist damit das Schicksal endgültig besiegelt. Dafür sind wir aber "das beste Land der Welt", das ist ja auch ein Trost.

Gerald, Freitag, 22.Januar, 10:14 Uhr

3. Internetausbau und CSU?

Lebt Bayern immer noch hinterm Mond? Herr Seehofer und Herr Söder sagt doch immer, daß Bayern überall die Nummer 1 in Deutschland ist! Die CSU soll nicht immer den Mund soweit aufmachen! Ihr seid nicht immer die Größten! Siehe Internetausbau in Bayern!