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Gelangweilter BND-Spion "Ich wollte was Neues!"

Gleich am ersten Prozesstag hatte der ehemalige BND-Mitarbeiter zugegeben, Informationen an die CIA verkauft zu haben. Heute folgte ein umfangreiches Geständnis: Nach eigenen Angaben gab der Angeklagte Hunderte von Dokumenten weiter.

Von: Nina Landhofer

Stand: 18.11.2015

Markus R, a former employee of the German intelligence agency BND, waits ahead of his trial for espionage in a courtroom in Munich, southern Germany, on November 16, 2015. German federal prosecutors charged him as suspected triple agent with treason and corruption, in a case that emerged during a furore over revelations of widespread US spying. The 32-year-old identified as Markus R was employed by the German intelligence agency BND but he was also spying for both the CIA and the Russian secret service, prosecutors said in charges laid at a Munich court.  | Bild: dpa-Bildfunk/Christof Stache/dpa

Frust, Abenteuerlust und Nervenkitzel - das waren nach eigenen Aussagen die Motive des Angeklagten Markus R. im sogenannten BND-Prozess. Geld habe zunächst keine Rolle für ihn gespielt. Das sei erst später auch ein Anreiz gewesen, erklärte R. am heutigen zweiten Verhandlungstag auf Nachfrage des Richters.

"Ich wollte was Neues, was Spannendes erleben."

Der ehemalige BND-Mitarbeiter Markus R.

Dokument zum NSA-Ausschuss

Etwa 300 bis 350 Dokumente will der Angeklagte weitergeben haben. Darunter habe sich das Auftragsprofil des BND befunden und in mindestens einmal ein Dokument, das sich mit dem NSA-Ausschuss beschäftige.

Er habe gedacht, für einen befreundeten Geheimdienst zu spionieren, sei nicht so schlimm. Auf Nachfragen der Richter wie, wo und wie viel Geld er erhalten habe, und verstrickte sich der Angeklagte in Unstimmigkeiten. Auch die Frage, ob er nicht doch mehr am Geld interessiert war als am Nervenkitzel, wurde immer wieder durch den Richter thematisiert. Das wird Einfluss auf das Strafmaß haben.

Kontaktaufnahme schon nach einem Monat

Nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann, absolvierte Markus R. einen Fernlehrgang zum Programmierer, ehe er sich beim BND bewarb und dort Ende 2007 eine Stelle als Büroangestellter in der Personalabteilung bekam. Bereits gut einen Monat nach Beginn seiner Tätigkeit in der Registratur des BND soll er Kontakt zu den Amerikanern aufgenommen haben, indem er eine Nachricht im Kontaktformular der US Botschaft in Berlin ausfüllte.

Vorwurf des Landesverrats

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 32-jährigen Münchner vor, zwischen Januar 2008 und Juli 2014 „Mittelsmännern einer fremden Macht“ Staatsgeheimnisse verraten und dadurch „Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik“ herbeigeführt zu haben.

Vielleicht der größte deutsch-amerikanische Spionagefall der Nachkriegszeit

Markus R. wird insbesondere beschuldigt, eine Liste mit Namen von BND-Mitarbeitern und deren Decknamen an die Amerikaner verkauft zu haben. Angesichts der Hunderte von Dokumenten, die er an die CIA weitergegeben haben soll, könnte der Fall der größte deutsch-amerikanische Spionage-Skandal der Nachkriegszeit sein: Noch nie in der Geschichte des BND wurde ein Maulwurf eines befreundeten Geheimdienstes enttarnt.

"Dem Angeklagten wird Landesverrat in einem besonders schweren Fall vorgeworfen, außerdem Verrat von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit."

Andrea Titz, Sprecherin des OLG München

Vermutlich hat Markus R. also Agenten enttarnt und das komplette Auftragsprofil des BND verraten. Sollte Markus R. verurteilt werden, droht ihm eine Gefängnisstrafe zwischen fünf Jahren und lebenslänglich.

Spionage auch für Russland geplant?

Darüber hinaus ist Markus R. angeklagt, im Mai 2014 an das russische Generalkonsulat in München herangetreten zu sein und dabei ebenfalls „Mittelmännern einer anderen fremden Macht“ Staatsgeheimnisse übermittelt zu haben. Diese Mail soll dem Vernehmen nach zur Enttarnung des Agenten geführt haben.

  • Nina Landhofer | Bild: BR Nina Landhofer

    Autorin, Moderatorin im Ressort "Politik und Hintergrund" Spezialgebiete: Außenpolitik, Medien und Parteien.


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Johannes Bargeld , Mittwoch, 18.November, 21:37 Uhr

11. 1 monat?

Auf den ersten Blick koennte ich das argument mit dem Frust durch aus nachvollziehen ... Der BND wird schon so a rechter Beamtenladen mit starrer Hackordnung sein. (Das Entschuldigt gar nichts und es stuende Ihm ja frei zu gehen) Aber nach einem Monat ??? Das scheint mir dann doch etwas frueh. Um einmal wild zu spekulieren, ich koennte mir da eher vorstellen, dass er bereits von vorne herein vom CIA angeworben wurde um dort zu arbeiten und zu Spionieren. Das allerdings wuerde ein viel uebleres Licht auf den CIA werfen, als wenn er von selbst aus dort angefragt haette ....

tick tack tick tack, Mittwoch, 18.November, 18:23 Uhr

10.

Abenteuer und Nervenkitzel hat er wohl jetzt erreicht...

Soweit man der populärliteratur glauben darf, ist das Verraten von Agentenidentitäten so ziemlich das Letzte, den eigenen Leuten so in den Rücken zu fallen und sie verletzlich zu machen, zu verbrennen.

Ich hoffe, nicht viele Leute wie dieser tun da Dienst, die für Nervenkitzel so etwas tun. Vielleicht mal die psychologischen Eignungstests überarbeiten?
Er mag sich eingeredet haben, "Ist ja halb so schlimm, die CIA ist ja vertreter eines verbündeten Staates.", aber was mit den Datensätzen CIA intern passiert, welche pritaven Sicherheitsfirmen und internationalen Organisatoren Zugriff bekommen, steht völlig unklar im Raum.

Und wieso hat ein Neuling soviel und so hochgreifenden unkontrollierten Zugriff?
Hat der Verschlusssachen geöffnet und wieder zugemacht?
Wenn so einer das hoppladihopp machen kann, was kann dann erst einer mit Erfahrung anstellen, ohne daß es Kollegen auffällt?

Tutgut77, Mittwoch, 18.November, 18:20 Uhr

9. Also maximal 15 Jahre !

Naja man bekommt also bei Vaterlandsverrat läppische 5-15 Jahre. Wohl dem der das deutsche Gesetz diesbezüglich kreiert hat.

Horst, Mittwoch, 18.November, 18:11 Uhr

8. Viel Lärm um nichts!

Warum wird diesem armen Menschlein der Prozess gemacht? Der BND selbst hat im eigenen Land Wirtschaftsspionage betrieben und Internas aus deutschen UInternehmen, zu deren Schaden, an die USA weitergegeben. Die Verantwortlichen laufen bestens versorgt immer noch frei herum.

Martin Matuttis, Mittwoch, 18.November, 18:10 Uhr

7. Reue

Wenn er Reue empfindet, sollte er ein umfassendes Geständnis ablegen. Sonst könnte man vermuten die Reue betrifft nur die Tatsache, dass er gefasst wurde.