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Dienstleister ohne Tarifvertrag Lohndumping in der BMW-Welt

In der BMW-Welt präsentiert sich der Autobauer als Weltkonzern mit Werten wie Verantwortung und Fairness. Doch viele Beschäftigte verdienen nur 12,50 Euro die Stunde und das seit Jahren ohne Lohnerhöhung. Von Philipp Grüll

Von: Philipp Grüll

Stand: 28.01.2016

Die BMW Welt ist am 13.08.2013 in München (Bayern) zu sehen. Darin werden Autos präsentiert und vorgeführt. Foto: Felix Hörhager/dpa | Bild: picture-alliance/dpa

Sie ist Münchens größte Touristenattraktion: die BMW-Welt. Drei Millionen Besucher im Jahr. Doppelt so viele wie Schloss Neuschwanstein. Mathias Briesenick und seine Kollegen sollen dort den Besuchern die BMW-Werte vermitteln. Doch viele Beschäftigte arbeiten für kaum mehr als zwölf Euro die Stunde, ohne Tarifvertrag und seit Jahren ohne Lohnerhöhung.

"Das ist schon sehr ernüchternd für viele Kollegen hier, weil das entspricht auch nicht dem, was BMW postuliert. Soziale Verantwortung sieht anders aus. Das hat hier einige Kollegen schon dazu gebracht, dass sie das als soziale Kälte empfinden."

Mathias Briesenick, Beschäftigter BMW-Welt

Er und die meisten Mitarbeiter in der BMW-Welt gehören nicht zur BMW-Stammbelegschaft. Der geht es gut: sicherer Job, üppiger Lohn, Gewinnbeteiligung - dank gutem Tarifvertrag. Doch für viele Mitarbeiter in der BMW-Welt gilt das nicht. Denn BMW hat einen externen Dienstleister beauftragt: die Firma Hofer Communications, per Werkvertrag. Gästebetreuer, Museums- und Werkführer sind dort angestellt. Zu deutlich schlechteren Konditionen. Im November haben sie deshalb in der BMW-Welt mit einem sogenannten Flashmob demonstriert. Mit Unterstützung der IG Metall.

"Wir wollen gleiche Löhne."

BMW-Welt-Mitarbeiter

Doch der Konflikt hat sich seitdem weiter zugespitzt. "150 der fast 200 Mitarbeiter hier sind für den Januar nicht für Führungen zum Beispiel im Werk, im Museum eingeteilt worden", sagt Mathias Briesenick, Betriebsrat der Hofer Communications. "Ihre Arbeitsverträge wurden nicht erfüllt. Deswegen sahen wir uns hier, der Betriebsrat von Hofer Communications, gezwungen, bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit zu beantragen."

Bundesagentur für Arbeit soll einspringen

Das heißt: Nachdem BMW die Zahlungen an Hofer reduziert hat, soll jetzt die Bundesagentur für Arbeit einspringen - und damit die Allgemeinheit. Mit Kurzarbeitergeld aus der Sozialkasse will man die Gehaltseinbußen ausgleichen. BMW will sich dazu nicht vor der Kamera äußern. Schriftlich teilt man uns mit: "Wir führen derzeit notwendige Umbaumaßnahmen im Bereich der Fahrzeugauslieferung durch, weshalb diese vorübergehend für einen kurzen Zeitraum geschlossen ist." Deshalb fänden Führungen nicht statt, die man aber nachholen werde. Bereits im Juli 2015 habe man damit begonnen, dies mit der Firma Hofer Communications zu besprechen. Zum Antrag auf Kurzarbeit durch Hofer schreibt BMW: "Wir kommentieren die Entscheidungen anderer Unternehmen nicht." Doch mittlerweile gibt es auch aus der Politik die Forderung: BMW solle sich bewegen.

"Es gibt offensichtlich zwei Universen bei BMW. BMW bezahlt die Stammbeschäftigten sehr gut, ganz zweifellos. Aber die Mitarbeiter der BMW-Welt, die das Unternehmen nach außen repräsentierten, die die Visitenkarte der Marke darstellen, die verdienen deutlich weniger, haben seit Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen. Das passt nicht zusammen, da muss BMW die Gesamtverantwortung wahrnehmen."

Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag

Die Beschäftigten des Dienstleisters Hofer wollen durchsetzen, dass BMW genug Geld für eine Bezahlung nach Tarif bereitstellt.

"Die Belegschaft ist streikfähig und streikbereit."

Mathias Briesenick, Betriebsrat Hofer Communications

Notfalls auch Anfang März, wenn BMW mit tausenden Gästen sein 100-jähriges Bestehen feiern will.


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Ebert, Donnerstag, 28.Januar, 11:44 Uhr

7. Randbemerkungen

Ja nun, liebe Leser, so geht Wirtschaft.

Ein wenig Schuld hat auch die Gewerkschaft mit ihren Knebelverträgen für feste BMW - Mitarbeiter; also und Ergo werden weniger wichtige Bereiche ausgelagert, bzw.externen Dienstleistern übergeben.

Auch das sind natürlich gewinnorientierte Unternehmen, die logischerweise den Humanbereich so günstig wie möglich gestalten. Warum soll man auch mehr bezahlen, wenn es genügend Arbeitskräfte gibt, die zu den genannten Bedingungen arbeiten.

Genau so funktioniert unser System und am Rande bemerkt geht es eigentlich niemand schlecht dabei.

Jedermann hat in Deutschland das Recht Millionär zu werden ist man selbst dazu zu blöde soll man nicht die Schuld bei Anderen suchen.

So einfach ist das.

Ebert

  • Antwort von Claus, Donnerstag, 28.Januar, 13:47 Uhr

    unsozialer Schwachsinn...

Das Leihschwein, Donnerstag, 28.Januar, 10:47 Uhr

6. Solange Mitarbeiter in den Konzernen nach der Probezeit unabhängig von ihren

Leistungen, einen Beamtenstatus besitzen, also unkündbar sind, wenn Vereinbarungen mit Geschäftsführung/Betriebsrat/Gewerkschaft getroffen werden das die nächsten 100 Jahre keiner gekündigt werden darf, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Zeitarbeit zunimmt. Alles was Konzerne bei ihren eigenen Mitarbeitern nicht einsparen können, wird rigoros bei den Leiharbeitnehmern durchgezogen. Wie äußerte sich ein Konzernmitarbeiter mal: auch wenn er nichts arbeitet und nichts weis, kann man ihn nicht kündigen, das einzige was er sich nicht erlauben kann und was zur Kündigung führen würde sind Diebstahl, Schlägereien und sexuelle Belästigung, da habe er sich bei der Gewerkschaft genau erkundigt. Dieser ungerechte Kündigungsschutz in den Konzernen, schützt ausschließlich Minderleister, Lustlose und Dauerkranke. Da funktionieren Konzerne genau so wie der öffentliche Dienst, wo dank Gewerkschaften Mitarbeiter 40 Jahre absitzen können ohne Leistung zu bringen.

  • Antwort von tom, Donnerstag, 28.Januar, 11:38 Uhr

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

  • Antwort von Peter, Donnerstag, 28.Januar, 11:47 Uhr

    Hier geht es aber leider um die anderen....

  • Antwort von wm, Donnerstag, 28.Januar, 12:15 Uhr

    Also,Narrenfreiheit bei den BMW -Stammbeschäftigten.

spiridon, Donnerstag, 28.Januar, 10:07 Uhr

5. Deutsche Wirtschaft Bravo!!!!!

Genau darum beteuert die deutsche Wirtschaft,und Herr Grillo wie wichtig Zuwanderung angeblich ist.
Nur Deutschland hat gar nicht so viel Bedarf an minder qualifizierten Arbeitskräften.

Ich jedenfalls werde diese sog. Autowelt nicht besuchen.
Wer diese Autos der sog. Premiumhersteller braucht bitte schön.

Die sog . Sozialschmarotzer sitzen in Wahrheit in den Vorständen dieser ach so tollen Firmen.

derBÖSEwolf, Donnerstag, 28.Januar, 08:31 Uhr

4. Werkverträge

ich verstehe die aufregung nicht..... das ist doch immer und überall das gleiche.
die gewinne schön brav einkassieren, natürlich über eine holding in luxenburg , oder sonst wo, und gleichzeitig die sozialkassen plündern.
ist bei allen "systemrelevanten" firmen und banken das gleiche.

so geht writschaft.....

  • Antwort von Gretchen, Donnerstag, 28.Januar, 10:17 Uhr

    So geht Wirtschaft...
    Genau! Dasselbe Modell wie bei der Zuwanderung: erst nach Zuwanderern rufen, weil da Fachkräfte kommen. Wenn man dann merkt, dass dem bei Leibe nicht so ist - dann ist halt der Sozialstaat zuständig, an dessen Finanzierung man sich so wenig wie möglich beteiligt.

    Die Gewinne den Anlegern, die Lasten dem Staat.

Himmelsstürmer , Donnerstag, 28.Januar, 08:26 Uhr

3. "Lohndumping!"

Wundert Euch das? Das ist doch mittlerweile Usus!! Wo geht es überhaupt noch rechtens zu? Mich persönlich wundert dieser Kommentar überhaupt nicht, im Gegenteil, mit den Migranten wird es nicht anders gehen, denn was wollen wir denn mit denen, die nicht einmal die Sprache beherrschen und überhaupt keine Ausbildung!! Das ist genau das, was die Firmen wollten, BILLIGE Arbeitskräfte, jetzt müßten wir es den Firmen überlassen und gerade den Großen, damit sie für die Integration zuständig wären aber so, soll es der Staat richten ( bedeutet der Bürger ! ) wenn sie dann soweit sind, können sie für 5 € arbeiten.