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Blockchain-Konferenz Spielwiese für ein digitales Wunderwerkzeug

Die Digitalwährung Bitcoin ist die bekannteste Anwendung der Blockchain - und sie könnte bald zahlreiche Branchen aufmischen. Auch bayerische Start-ups versuchen sich an dem digitalen Wunderwerkzeug.

Von: Florian Regensburger

Stand: 06.04.2017

Pokerchips mit virtueller Bitcoin-Währung | Bild: BR / Florian Regensburger

Banken und Versicherungen, Rathäuser und Gemeindeverwaltungen, Wahlämter und auch das ganze Internet: All das könnte die Blockchain-Technologie auf den Kopf stellen. Weil alle Informationen in identischen Datensätzen auf vielen verschiedenen Computern gespeichert sind, gilt die Technologie als sehr sicher vor Fälschung und Manipulation.

Extrem sicher vor Manipulationen

Bei der digitalen Währung Bitcoin, der wohl bekanntesten Anwendung der Blockchain, funktioniert das in etwa so, dass in jeder einzelnen "digitalen Münze" die Information über sämtliche Transaktionen hinterlegt ist, welche das virtuelle Geldstück schon durchlaufen hat. Gleichzeitig sind diese Informationen in identischer Art bei allen Teilnehmern der jeweiligen Bitcoin-Börse gespeichert. Wenn hier also jemand etwas manipulieren wollte, müsste er sich Zugang zu tausenden Computern verschaffen, um dort - zeitgleich und unbemerkt - die jeweils identische Änderung vorzunehmen. Das scheint nahezu unmöglich. Deshalb gilt die Blockchain-Technik als extrem Fälschungssicher.

Anwendungen im Finanzsektor liegen da auf der Hand. Doch auch viele weitere Branchen experimentieren schon mit dieser Wundertechnik. Derzeit zeigen auf der Blockchain-Konferenz "Blockshow Europe" in München internationale und einheimische Start-up-Unternehmen, was sie auf der Pfanne haben.

Eine App für viele digitale Währungen

Christoph Hering

Christoph Hering ist Mitveranstalter der Blockshow, mit dem Start-up Blockpay, das Hering in München mit gegründet hat, bietet er eine Smartphone-App an, die Nutzer auf einfache Weise digitale Krypto-Währungen transferieren lässt. Neben dem bekannten Bitcoin sind das zum Beispiel Ethereum, Steem, Dash und Smartcoins. "Wenn Sie ein Kassensystem haben und Sie möchsten dort digitale Währungen empfangen, dann kümmern wir uns darum, dass das alles glatt läuft", sagt er. Derzeit sind Ladengeschäfte, die etwa Bitcoin-Zahlungen akzeptieren, aber noch eher rar gesät.

Blockchain-Einsatz auch bei Parlamentswahlen denkbar

Benjamin Bommhardt (l.), Mitarbeiter

Benjamin Bommhardt ist Mitgründer des Start-ups Draglet, ebenfalls aus München. Sein Unternehmen bietet eine Exchange-Software für digitale Währungen an. Kunden können sie nutzen, um Transaktionen mit Bitcoin und Co. abzuwickeln, aber zum Beispiel auch für den Wertpapierhandel auf Blockchain-Basis. Zweites Standbein von Draglet ist ein System für sogenannte Smart Contracts. Diese Anwendung der Blockchain soll es ermöglichen, fälschungssicher und transparent Verträge abzuschließen - ohne dass dafür noch ein Notar oder Rechtsanwalt gebraucht wird. Aber auch zum Beispiel Parlamentswahlen ließen sich damit fälschungssicher abwickeln.

Viele fremdeln mit der komplizierten Technik

Jörg Molt

Ein Problem der Branche ist noch, die neue Technik buchstäblich unter die Leute zu bringen, denn das Thema ist kompliziert und abstrakt. Abhilfe will Jörg Molt mit seiner "Satoshi School" in Erding schaffen - benannt nach dem ominösen Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto. Molt bietet Kurse und Consulting rund um Bitcoin und Blockchain an.

Bitcoins aus Plastik gibt es auch...

Jon Durdel mit seinen Produkten

Einen anderen Weg, die virtuelle Währung Bitcoin in die physische Welt zu bringen, verfolgt der Dortmunder Jon Durdel mit Bitcoin Engrave: Der Dortmunder fertigt zum Beispiel Poker-Chips an, auf denen Bitcoin-Beträge gespeichert sind; oder fertigt Benzinfeuerzeuge, Armbänder und andere Gegenstände an, in die Empfangscodes für digitale Währungen eingraviert sind.

Die Technik stünde teils schon bereit, um in den Regelbetrieb übernommen zu werden. Es herrscht aber noch eine gewisse Trägheit in den Branchen, die für einen Einsatz in Frage kommen - ähnlich wie zu den Anfangszeiten des Internets in den 1990er Jahren: Die bestehenden Systeme funktionieren ja eigentlich auch, der Aufwand, Datenbestände von klassischen Systemen mit zentralen Servern auf ein Blockchain-System zu transferieren, schreckt viele noch ab. Und die verschiedenen Blockchain-Systeme sind aufgrund fehlender allgemeiner Standards teilweise noch zu wenig kompatibel.

"Keiner unserer Kunden kommt aus Deutschland"

Gerade im asiatischen Raum lassen sich bereits viel mehr Unternehmen auf die neue Technik ein, als es etwa in Deutschland der Fall ist. Das merkt auch Draglet-Mitgründer Benjamin Bommhardt, wenn er sagt: "Keiner unserer Kunden kommt aus Deutschland."

  • Florian Regensburger | Bild: BR Florian Regensburger

    Redaktion BR24 Netzwelt - berichtet für BR24 und den BR-Hörfunk über Netz- und Technikthemen


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