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Fünfter bayerischer Blitzermarathon "Lächerlicher Aktionismus"

24 Stunden "Runter vom Gas". Doch bei den meisten Autofahrern kommt der fünfte bayerische Blitzermarathon gar nicht gut an. Das zeigt die Analyse der Kommentare auf BR24.de und Facebook. Sie halten die Aktion für falschen "Aktionismus" und "Abzocke". Was denken Sie?

Von: Roana Brogsitter

Stand: 19.04.2017

Abstimmung

24 Stunden Extremkontrolle: Sinnvoll oder Geldverschwendung?

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.

Die Resonanz auf die Berichterstattung von BR24 über den fünften bayerischen Blitzermarathon ist groß. Zahlreiche User haben sich via Facebook oder der Kommentarfunktion auf BR24.de dazu geäußert.

Eines fällt dabei sofort auf: Kaum jemand findet die auf 24 Stunden angesetzte Aktion der Polizei so uneingeschränkt gut wie diese Facebook-Userin:

"Ich begrüße diese Aktionen ausdrücklich!"

Manuela Buchner

"Auf unseren Straßen herrscht Krieg"

Erstaunlich - denn darüber, dass Handlungsbedarf besteht, sind sich die meisten Kommentatoren einig:

"Tatsache ist, dass tagtäglich auf unseren Straßen Krieg herrscht. Drängeln, auf Autobahnen rechts überholen und weitere unschöne Angewohnheiten. Ich bin Anlieger in einer 30er Zone, in der die 30 bis auf wenige Ausnahmen permanent weit überschritten wird. Stinkefinger und/oder Hupen sind die Quittung für mahnende Handzeichen."

wm

"oder die mit ihren SUVs oder Schnelltransportern...mit 100 km/h oder 80 km/h durch auf 60 km/h begrenzte Baustellen rasen, mit 50 und mehr km/h durch Zone 30 rasen, mit 30 und mehr km/h durch verkehrsberuhigte Zonen 'rasen' oder mit 70 km/h und mehr auf innerstädtischen Straßen rasen oder alle jene..., die bis auf einen Meter auf das Heck des vorausfahrenden Fahrzeugs auffahren, nur weil der Vorausfahrende sich an die Vorgaben hält..."

Mark

"Aktionismus"

Trotzdem kritisieren viele den heute stattfindenden Blitzermarathon. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich:

"Lächerlicher Aktionismus, der Nullkommanull bringt."

Carsten Mundt

"Ich frage mich auch, warum werden solche Aktionen großspurig mit Ort und Zeit angekündigt? Spätestens nach zwei Stunden an einem Ort hat sich solch eine Kontrolle ohnehin herumgesprochen und es gibt nur mehr brave Autofahrer. Heimlich still und leise, das wäre das Richtige."

steamtrain

"Heute wird kontrolliert und auch noch die Kontrollstellen bekannt gegeben. Das soll wohl ein Witz sein?
Alle kennen die Regeln. Wer darauf pfeift und sich gemeingefährlich verhält und Raser tun das, der soll gnadenlos blechen müssen! Überall unangekündig! Dazu sind Regeln da! Sonst sind doch eh blos diejenigen, die sich immer daran halten, die Deppen!"

Selim

Kontrollen ja, aber bitte unangekündigt, das ist der einhellige Tenor. Die meisten wünschen sich allerdings dauerhaft mehr Kontrollen. Dazu bräuchte es allerdings auch mehr Personal.

Tausende Polizisten in einer geballten Aktion von anderen Arbeiten abzuziehen, davon hält eine ganze Reihe von Kommentatoren gar nichts.

"Ist es nicht beruhigend, in einem Land zu leben, in dem man Tausende Polizisten ausschließlich mit Radarfallen beschäftigt? Hört auf mit diesem Schwachsinn! Erhöht die Bußgelder, denn unsere sind mit die niedrigsten Europas und schrecken keinen Menschen ab. Und hört auf, unsere Polizisten mit so einem Schwachsinn zu belasten!"

Truderinger

"Während des Blitzmarathons bleibt da die andere Arbeit auf den Schreibtischen der Polizeibeamten liegen oder etwas anderes? Da zur Zeit die Polizei landauf landab von Überlastung und Überstunden klagt? Gibt's in den Amtstuben eine Prioritätensetzung?"

Besorgter Bürger

"Reine Abzocke"

Viele halten den bayerischen Blitzermarathon für reinen Aktionismus und eine Abzocke der Autofahrer.

"Tausende, was anteilsmässig weit über 90% waren, haben in den vergangen Jahren einen Bescheid bei diesen 'Marathon' bekommen, weil sie 5-10 km/h auf der Autobahn(!), oder Landstraße zu schnell waren, und dafür wurden fleissig jeweils 15€ kassiert. Das ist ja ein so richtig großer Erfolg, nur hat es, wie immer bei uns, die Falschen getroffen. Waren das die echten Raser?... Aber Hauptsache, unsere Obrigkeit kann sich heute Abend wieder auf die Schulter klopfen und verkünden, wie viele 'Raser' wieder überführt wurden, während die Unfälle trotzdem steigen."

Blechmann

"Das hat nichts mit 'Sicherheit' zu tun, sondern der Staat veranstaltet solche Aktionen um mal wieder ordentlich Geld einzusammeln. Modernes Raubrittertum."

Markus H.

Die meisten User wünschen sich stattdessen handfeste Maßnahmen, die Raser dauerhaft dazu bringt, den Fuß vom Pedal zu nehmen.

"Was tut der Staat gegen Raser auf Autobahnen? Nichts! Warum kein Tempolimit auf Autobahnen? Kommen da keine Menschen durch Raserei zu Tode? Solange wir, wie in anderen Ländern kein Tempolimit auf Autobahnen haben, ist diese Aktion nur die reine Abzocke der Bürger und unglaubwürdig."

AS

"Und dann eine drastische Erhöhung der Bußgelder nach Einkommen und gegebenenfalls PS-Zahl des Fahrzeugs, wobei für Extrem-Raser durchaus 100 Sozialstunden in einem Unfallkrankenhaus angebracht wären."

steamtrain

"Kuschelbestrafung"

Bußgeldbescheid | Bild: pa/dpa

Deutsche Bußgelder seien "peanuts" schreibt wm auf BR24.de. Eine "Kuschelbestrafung" seien sie für all diejenigen, die aus dem Ausland kommend ganz andere Sätze gewohnt seien. Immer wieder verweisen Kommentatoren auf die Situation in anderen Ländern.

"Wie immer: schaut in die Schweiz und macht das einfach nach. Da ist zu schnell fahren sauteuer und die Pappe ist auch schnell weg, wenn viel drüber auch das Auto."

EMGI

Eine ganze Reihe von Usern fordert eine drastische Erhöhung der Bußgelder. Nadine schlägt auf BR24.de deren Koppelung ans Einkommen des jeweiligen Verkehrssünders vor. Auch das Stichwort "Photodokumentation" fällt mehrmals. Gemeint ist das Anzeigen von Verkehrssündern mit Hilfe von Photos und Videos bei der Polizei. Cati Kreipl fordert auf Facebook die Einführung von "Bremsschwellen", um Raser an die Existenz von Bremsen zu erinnern.

"In Bayern läuft es gut"

Und dann gibt es vereinzelt noch eine ganz andere Fraktion unter den zahlreichen Kommentatoren: Diejenigen, die sich grundsätzlich gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen aussprechen und Raser nicht als die Hauptursache für die Mehrzahl an Unfällen sehen:

"Wenn man halt mit 80, 100km/h oder etwas mehr dauerhaft dahineiern muss, dann ist jeder massiv unterfordert, lenkt sich mit allem, außer Fahren ab oder schläft gleich ein. Wer hier 130 km/h fordert, der sollte sich mit allen Folgen auseinandersetzen. Die Unfalltoten wird es mit Sicherheit erhöhen. Wir müssen die Wenig- und Unfähigfahrer von den Straßen holen, diese intensiv nachschulen und im Zweifel auch auf Bus u. Bahn verweisen."

Kritikwürdig

"Nun übertreibt mal nicht. In Bayern läuft es ja normal ganz gut. Ich hab da eher immer außerhalb Angst das ich einen umfahre weil ich nur auf den Tachometer achte um nicht geblitzt zu werden. Das sehe ich eher als gefährlich an. Und nein, ich rase normal nicht wie ein Irrer durch die Gegend."

Werner Gangl

  • BR-Autorin Roana Brogsitter | Bild: BR Roana Brogsitter

    Redakteurin und Autorin für "Das Tagesgespräch", "Neues vom Buchmarkt" und BR24


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