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Bilanz zu Blitzermarathon Polizei rechnet mit tausenden Temposündern

Die bayerische Polizei hat beim Blitzer-Marathon das Tempo unzähliger Autofahrer überprüft. Fast 2.000 Messstellen hatte das Innenministerium im Vorfeld veröffentlicht. Im Laufe des Tages gibt es die Bilanz - auch in diesem Jahr dürften mehrere tausend Autofahrer geblitzt worden sein.

Von: Jochen Eichner

Stand: 20.04.2017

Blitzer in Bayern | Bild: picture-alliance/dpa

Gerhard Richter ist ein alter Hase. Der diesjährige Blitzmarathon ist nicht sein erster, er misst schon seit mehr als 20 Jahren mit der Laser-Pistole die Geschwindigkeit von Autofahrern. Doch heute hat er einen eher unaufgeregten Arbeitstag – er steht mit seinem Polizei-Kombi an einer Ortseinfahrt von Schwandorf in der Oberpfalz. Und die meisten Autofahrer hier sind eben auch alte Hasen, die wissen: An dieser Stelle blitzt es häufiger, nicht nur beim Blitzmarathon.

"Die sind dann übervorsichtig. Ganz anders sieht es bei den Auswärtigen aus - die lassen es dann auch am Berg runter laufen. Das ist hier ein Gefälle von elf Prozent, und die sagen sich mehr oder weniger: Wer bremst verliert."

Polizist Gerhard Richter

Und dann geht Gerhard Richter dann doch der eine oder andere Temposünder ins Netz. 60 sind hier erlaubt, der schnellste war mit 88 unterwegs. Das bedeutet: 70 Euro, ein Punkt in Flensburg. Und auch eine Dame wird rausgewinkt.

"Man ärgert sich schon ein wenig drüber, weil man ja weiß, dass heute Blitzmarathon ist. Das ist außerdem eh eine gefährliche Strecke. Letztlich muss ich jetzt 30 Euro zahlen. Beim nächsten Mal hoffe ich, dass ich wirklich dran denke. Jetzt hat es mich halt erwischt."

Eine geblitzte Autofahrerin

Autofahrer vorgewarnt und defensiver

Wie viele es in den vergangenen 24 Stunden erwischt hat, das steht noch nicht fest – die Bilanz wird für heute Nachmittag erwartet. Innenminister Joachim Herrmann hat aber festgestellt, dass die bayerischen Autofahrer während des Blitzmarathons deutlich defensiver fahren. "Die Leute sind vorbereitet.

Erste Zahlen: Polizei in Schwaben zieht Bilanz

In Schwaben wurden beim diesjährigen Blitzmarathon weniger Raser erwischt als sonst. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zieht eine positive Bilanz: Rund ein Drittel weniger Geschwindigkeitsübertretungen als im Regelbetrieb. Die Polizei in Nordschwaben teilt mit, sie hat rund ein Drittel weniger Raser erwischt als beim Blitzmarathon im Jahr zuvor. Der Spitzenreiter in Nordschwaben wurde an der B300 gemessen: Er hatte 139 Sachen drauf, erlaubt sind dort 80. Im Allgäu hat es ein 50-Jähriger bei erlaubten 100 Stundenkilometern sogar auf Tempo 163 gebracht.

2016 waren es gut 9.200 Tempo-Verstöße

Im vergangenen Jahr, beim letzten Blitzmarathon, wurden 320.000 Autos kontrolliert und mehr als 9.200 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Und in diesem Jahr könnten es noch mehr werden. Heuer waren 1.900 Polizisten beteiligt - 100 mehr als im vergangenen Jahr. 

Bei den Autofahrern selbst wird natürlich auch über den Sinn der groß angelegten Aktion diskutiert – etwa im schwäbischen Günzburg.

"Es macht schon einen Sinn, wenn es denn eine Langzeitwirkung hätte. Die zweifle ich aber etwas an. Es ist ja angemeldet, und die meisten fahren dann entsprechend vorsichtig, einen Tag lang. Wenn es sich länger hinziehen würde, ja."

Autofahrer in Günzburg

"Jeder weiß, dass Blitzmarathon ist, und jeder weiß, heute muss ich langsam fahren. Wir haben sowieso Listen bekommen, wo die Polizei steht: An diesen Straßen vorsichtig fahren. Das macht keinen Sinn."

Autofahrer in Günzburg

Innenminister Herrmann erhofft sich durch die Aktion aber vor allem ja auch einen langfristigen Effekt - ein Umdenken bei den bayerischen Autofahrern. Denn überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor die Hauptursache bei schweren Verkehrsunfällen. Bei 200 tödlichen Unfällen war im vergangenen Jahr die Ursache ein zu hohes Tempo.


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Peton, Donnerstag, 20.April, 16:18 Uhr

15. Strafen nach Typklassen abstufen

Ähnlich wie bei der Versicherung, richtet sich danach ein Bußgeld einer Typklasse des Wagenwertes.
Kleinwagen ohne Zuschlag der Strafe
Fahrzeuge ab 30.000 Euro Neuwagenwert - Zuschlag 10%
usw.
Abgestuft bis zur Luxusklasse mit mehreren hundert Prozent Aufschlag. Pech für den, der mit einem teuren geliehenen Wagen erwischt wird. Papi muss es dann eben richten ;-)

Gerhard Anton, Donnerstag, 20.April, 13:51 Uhr

14. PR Gag

Der CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet (CDU) fordert: Mehr Polizei an Brennpunkten statt beim Blitzer-Marathon. Er bezeichnete den Blitzer-Marathon auch als einen PR Gag. Aber das hat sich bis an den Odeonsplatz noch nicht herum gesprochen. Übrigens, 200 tödliche Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit wären m. E. schon vermeidbar. Mein Vorschlag: Einfach vor dem Starten des Motors, das Gehirn einschalten und ggfs. auf Alko und Drogen verzichten. Aber bei diesem Vorschlag flippen die BündnisGrünen und deren innenpolitische "Expertin" vermutlich aus?

H-P F, Donnerstag, 20.April, 13:32 Uhr

13. RASER auf deutschen Straßen

Ich fahre als älterer Mensch noch viel, ca 12.000 Km im Jahr. Raser (richtige Raser) gibt es schon 15 - 20 Jahre nicht mehr. Ich fahre selbst ca 10 km immer zu schnell nur nicht vor Schulen, Kindergärten oder in der Stadt. Weder auf Land- noch auf Bundesstraßen werde ich überholt und auch nicht auf der Autobahn nach Berlin. Wenn auf der BAB schon mal einer überholt dann ist es ein Porsche oder ein Ferari, dazu werden diese Sportwagen auch gekauft. Ich hatte selbst mal sowas und dann fährt man dieses Fahrzeug auch aus wenn es möglich ist. Gefährlich sind nur die Kriecher oder die, die auf der BAB ohne zu blinken überholen oder die telefonierer am Steuer. Alles was jetzt an Ergebnissen verbreitet wird ist Augenwischerei. Ich höre hier im Raum München immer Radio Arabella dort werden die Standorte der Blitzer mit geteilt und ich lach mich kaputt. Mir tun nur die Beamten leid die umsonst auf der Lauer liegen. Aber wehe jemand hat einen Unfall dann erreicht man keinen, alle sind am Blitzen.

  • Antwort von wm, Freitag, 21.April, 09:11 Uhr

    H-P F offenbart sich als vorsätzlich handelnder,notorischer "Temposünder".
    Nicht zu fassen!
    Vorzätzlich handelnde Spezies wie H-P sollte die Verkehrsbehörde die Fahrerlaubniß entziehen.

Autofahrer, Donnerstag, 20.April, 12:30 Uhr

12. Blitzvorschläge an die Polizei

Ich hätte noch weitere Blitzvorschläge analog dem Blitzmarathon:
Blitzrazzien in einschlägig bekannten Drogenmilieu,
Blitzrazzien auf einschlägig bekannten Transitstrecken gegen organisierte Einbruchbanden,
Blitzrazzien auf einschlägig bekannten organisierten Kriminalitätsobjekte,
Blitzrazzien gegen international organisierte Banden,
Blitzrazzien gegen Terroristen und illegale Waffenhändler,
Blitzrazzien gegen Internetkriminelle,
Blitzrazzien gegen Gewaltkriminalität bei Fußballspielen, Demos, erste Maifeier in Berlin.
Vielleicht wird dadurch nicht nur bei Autofahrern ein langfristiges Umdenken einsetzen, sondern
auch bei den Kriminellen. Es gibt ein sehr viele Betätigungsfelder für weitere Blitzaktionen, die zwar mit wesentlich
schwierigerer Kundschaft versehen sind, aber es würde sich auch mehr lohnen. Für die Polizei und den
Bürger.

Florian Alexander Riedl, Donnerstag, 20.April, 11:56 Uhr

11. Geschwindigkeitskontrollen

Solche Geschwindigkeitskontrollen sind sehr gut damit lernen die Autofahrer bei einem Entzug des Führerscheins wenn sie zu schnell dran sind oder ein hohes Bußgeld zahlen müssen das richtige Tempo einzuhalten. Ich selber werde meistens aus den Landstraßen riskant überholt und da ich außer dem in einer 30ger Zone wohne rasen die Autofahrer meist mit Tempo 60. Durch dass muss einfach nicht sein oder ?. .